Tarifwechsel prüfen

PKV-Tariftest: Der Tarif Premium Continentale

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Björn Kotzan
5. Juni 2024

Niedriger Beitrag, hohe Leistungen. Grund genug den Tarif Premium der Continentale Krankenversicherung genauer unter die Lupe zu nehmen. Alle Vorteile und alle Nachteile auf einen Blick. Ist der Tarif eine Kaufempfehlung? Dazu Tipps und Anregungen zur Continentale private Krankenversicherung. 

Fakten zur Continentale Krankenversicherung

Der Versicherer ist seit 1929 am PKV-Markt tätig und bietet aktuell vier PKV-Tarife an. Die geringe Anzahl an PKV-Tarifen ist für Verbraucher positiv zu bewerten und kann zu stabileren Beiträgen führen. Wobei eine vollständige Beitragsstabilität nicht möglich ist in der Krankenversicherung (GKV und PKV identisch).

Die Tarife Economy-U und Comfort-U haben einen fallbezogenen Selbstbehalt, welcher im Zweifel bei chronischen Behandlungen und langfristigen Therapien hohe Zuzahlungen bedeuten kann. Besser ist der Selbstbehalt in den Tarifen Premium und Business geregelt. Es gibt maximal 500 Euro Selbstbehalt (20 Euro fallbezogen) im Tarif Premium und pauschal 500 Euro im Tarif Business.

Der Tarif Premium ist für Selbständige und Arbeitnehmer geeignet. Der Business-Tarif sollte Arbeitnehmer als Zielgruppe haben. Die Tarife Economy-U und Comfort-U können auch „Notfall-Tarife“ für das Rentenalter sein, wenn einem der Selbstbehalt zusagt.

Wo steht der Tarif Premium im internen Continentale Tarifvergleich?

Der Tarifvergleich ist wichtig, um kalkulatorische Unsauberkeiten zu entdecken.  Es sollte zwischen den Tarifen saubere Abgrenzungen der Beiträge und Selbstbehalte geben. Damit ich den Tarif darstellen kann, berechne ich den Beitrag für eine 30jährige Person.

Die Tarifkalkulation ist in Ordnung. Der Economy ist deutlich teurer als der Comfort, hat aber auch weniger Selbstbehalt je Bezug einer Leistung. Der Premium-Tarif ist zu Recht teurer als der Economy-U und Comfort-U. Beide Tarife haben mehr Leistungseinschränkungen und einen hohen fallbezogenen Selbstbehalt. Wer mit chronischen Erkrankungen zu tun hat, hat mit viel zu rechnen beim fallbezogenen Selbstbehalt. Dieser ist gesetzlich auf 5.000 EUR pro Jahr begrenzt.

Der Tarif Premium hat den fallbezogenen Selbstbehalt auf 500 Euro pro Jahr gedeckelt. Der Tarif Business ist deutlich teurer, hat aber direkt noch Wahlleistungen (Einbettzimmer und Chefarztbehandlung) versichert. Der Selbstbehalt ist pauschal 500 Euro. Das erklärt aber noch nicht den Beitragsunterschied. Es kann aber sein, dass die Continentale den fallbezogenen Selbstbehalt als Grund ansieht, dass Kunden weniger zum Arzt gehen. Denn wenn Kunden immer etwas selbst zahlen müssen, senkt das oft die Häufigkeit der Arztbesuche. Damit wäre auch ein Grund für einen niedrigeren Beitrag gefunden.

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Der Business-Tarif ist dennoch deutlich teurer. Selbst mit Wahlleistungen ist der Premium-Tarif noch ca. 129 Euro im Monat günstiger. Die Leistungen sind weitgehend identisch. Der Premium-Tarif hat teilweise sogar bessere Leistungen.

Welche Leistungsdefizite hat der Premium-Tarif der Continentale?

Die Leistungen der vier Continentale PKV-Tarife sind sehr ähnlich. Und haben deswegen auch an den gleichen Ecken Defizite. Die wesentlichen PKV-Leistungen finden im ambulanten Leistungsbereich statt. Oft legen PKV-Neukunden den Fokus auf zahnmedizinische (hohe Zahnersatzleistungen) und stationäre Leistungen (Einbettzimmer). Doch die meisten Leistungen werden Sie über den ambulanten Bereich beziehen. Deswegen gilt es hier genau die Vertragsbedingungen zu lesen und die Aussagen für sich zu bewerten.

Heilmittel: Der Begriff bezeichnet Therapien. Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, etc. Aber auch Packungen, Fango und ähnliche Anwendungen verstecken sich hinter diesem Begriff.  Je älter Sie werden, desto wichtiger diese Leistungen. Der Tarif leistet nach Höhe der Bundesbeihilfeverordnung. Damit haben Sie zwar 100% Leistungen versichert, aber nur bis zu den Sätzen in dieser Verordnung. Damit ist die Kostenerstattung begrenzt in der Höhe. Rechnet ein Behandler höhere Sätze ab (was möglich ist), zahlen Sie die Differenz selbst. Im optimalen Fall haben Sie hier eine unbegrenzte Leistung (nicht bei der Continentale verfügbar). Positiv: Die Bundesbeihilfeverordnung erhöht alle drei Jahre die versicherten Sätze. Damit steigt auch Ihre Leistung. Die SDK oder AOL leisten an dieser Stelle unbegrenzt.

Hilfsmittel: Technische Mittel oder Körperersatzstücke (ausgenommen Sehhilfen und Zahnersatz), die Behinderungen, Krankheits- oder Unfallfolgen unmittelbar mildern oder ausgleichen sollen. Es gibt für Hörgeräte eine Leistungsbegrenzung, welche Sie kennen sollten.

Aufwendungen für Hörgeräte sind auf 1.500 Euro pro Jahr pro Ohr begrenzt. Hörgeräte der Spitzenklasse kostet heute schon um die 2.000 Euro. In 30 Jahren wird diese Leistung praktisch nicht mehr existieren (inflationsbedingt).

Es gibt noch eine Klausel, die Sie zur Mitarbeit/mitdenken verpflichtet. Vergessen Sie diese Klausel einzuhalten, senkt der Versicherer die Kostenübernahme. Zitat aus den AVB: Übersteigen die Kosten für ein Hilfsmittel 1.000,– Euro, ist vor Bezug ein Kostenvoranschlag einzureichen. Wird kein Kostenvoranschlag eingereicht oder das Hilfsmittel vor der Mitteilung der zu erwartenden Versicherungsleistung bezogen, wird die über 1.000,– Euro hinausgehende tarifliche Leistung zu 80 % erbracht. Solche Klauseln werden fast immer vergessen. Ähnliches gilt für Zahnersatzmaßnahmen. Vergessen Sie einen Heil- und Kostenplan vor Behandlungsbeginn einzureichen, darf der Versicherer die Zahnersatzleistung um 50% kürzen. Andere Versicherer verzichten auf solchen Klauseln. Siehe Hallesche, SDK, AOL, etc.

Vorsorgeuntersuchungen: Die Leistung im Tarif Premium ist in Ordnung.  Erstattet werden ambulante Vorsorgeuntersuchungen nach gesetzlich eingeführten Programmen ohne Altersgrenzen und Untersuchungsintervalle. Zusätzlich maximal 500,-EUR pro Kalenderjahr für weitere Vorsorgeuntersuchungen.

Aber: Die Selbstbeteiligung gilt auch für Vorsorgeleistungen. Werden Vorsorgeleistungen oder Schutzimpfungen erstattet, erfolgt keine Beitragsrückerstattung. Diese Klausel führt bei Männern oft dazu, dass auf Früherkennungsbehandlungen verzichtet wird. Die Folge kann ein früher Tod sein. Unschön. Besser wäre es, wenn kein Selbstbehalt auf solche Vorsorgeuntersuchungen anfällt. Fast alle modernen Tarife verzichten bei Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennung auf Selbstbehalt und zahlen dennoch eine Beitragsrückerstattung. Siehe Hallesche, SDK, AOL, BBKK, etc.

Sehhilfen: Die Leistungen für Brillen und Kontaktlinsen ist in Ordnung. Alle Versicherer leisten ähnlich. Erstattet werden maximal 400,-EUR für Sehhilfen (Gläser, Brillengestelle, Kontaktlinsen) innerhalb von 2 Kalenderjahren. Die Kosten für Laser/ Lasik ist auf 2.500, -EUR ab dem 3. Kalenderjahr begrenzt. In 30 Jahren wird diese Leistung praktisch nicht mehr ausreichend sein. An dieser Stelle begrenzen aber alle Versicherer. Hinweis: Der Business-Tarif erwähnt keine Begrenzung der Leistung. Damit ist Laser/Lasik theoretisch unbegrenzt versichert. Es gilt daher vor Behandlung den Versicherer zu informieren und um Kostenübernahme zu bitten. Insgesamt sind die restlichen Leistungen im Tarif Premium gut.

Welche Besonderheiten bietet der Premium-Tarif?

Der Tarif wird beitragsfrei in der Elternzeit. Maximal für 6 Monate, wenn Elterngeld bezogen wird. Gerade für Eltern eine nette Option. Aber wie oft nutzt man sowas im Leben?

Es werden auch Impfungen für Auslandsreisen gezahlt.

Der Tarif zahlt bis zu 6 Monatsbeiträge Beitragsrückerstattung. Gerade für Arbeitnehmer kann der Tarif damit sehr günstig werden. Achtung: die Beitragsrückerstattung ist steuerschädlich. Deswegen ist es ab einem gewissen Grad besser, die Rechnungen einzureichen.

Die Continentale bietet einen Beitragsentlastungstarif für den Premiumtarif an. Sie können dort auch Einmalbeiträge einzahlen und dieses Geld steuerlich absetzen. Das ist gerade für Arbeitnehmer interessant, welche eine Abfindung erhalten könnten. Das Thema PKV im Alter muss jeder Versicherte im Blick haben.

Was müssen Sie unbedingt beachten bei der Continentale?

Der Versicherer versteht kein Spaß beim Tarifwechsel innerhalb de Gesellschaft. Es gibt kein Optionsrecht auf Höherversicherung nach einer bestimmten Zeit. Deswegen sollten Sie immer den Optionstarif mit dazu buchen. Der Zusatztarif Option P kostet monatlich 6 Euro und ermöglicht Ihnen Tarifwechsel in späteren Jahren. Sie können zwar auch ohne diesen Baustein Ihre Tarife wechseln, werden aber keine Leistungsverbesserungen erhalten. Gerade für die Tarife Economy-U und Comfort-U müsste dieser Baustein Pflicht sein.

Der Premium-Tarif ist deutlich günstiger als der ältere Business-Tarif. Vermutlich wurde der Tarif aus vertrieblichen Gründen etwas günstiger kalkuliert. Solche Kalkulationen könn(t)en zu höheren Beitragserhöhungen führen. Deswegen sollte eine seriöse Planung betrieben werden, wie hoch der Beitrag im Rentenalter sein kann. Ein Blick auf die Entwicklung der Neu-Kunden-Beiträge bestätigt diese Annahme. Der Business-Tarif wird günstiger, der Premium steigt.

Als PKV-Kunde müssen Sie Ihre Lohnfortzahlung eigenständig versichern. Sie haben bei der Continentale die Möglichkeit verschiedenen Karenzzeiten zu wählen und zu kombinieren. Damit können Sie Ihr Nettogehalt vollständig und günstiger versichern. Sie haben zwar damit in den ersten Monaten der Arbeitsunfähigkeit weniger Einkommen, sind aber preiswerter abgesichert.  Beispiel 6.000 Euro Nettogehalt (=200 Euro Tagesssatz).

Sie haben die gleiche Leistung, aber weniger Beitrag. Ob die Beiträge nachhaltig kalkuliert sind, sehen sie zu einem kleinen Teil auch an den Betriebskennzahlen.

Die Continentale Krankenversicherung im Betriebskennzahlen-Check

Die Betriebskennzahlen eines Versicherers zeigen an, wie sich der Versicherer im Marktverhältnis schlägt. Dabei ist es wichtig, dass der Versicherer die Marktdurchschnittswerte erreicht. Alle Ausreißer davon sollten analysiert und bewertet werden. Wir haben die wichtigsten Kennzahlen zusammengefasst.

Die Nettoverzinsung zeigt an, welche Verzinsung ein Unternehmen aus den Kapitalanlagen erzielt. Je höher, je besser.

Die Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote zeigt in Prozent der Jahresbeitragseinnahmen an, wie viel von den Jahresbeitragseinnahmen nach Abzug der Aufwendungen für Schäden und Kosten übrigbleiben. Je höher, je besser.

Die Verwaltungskostenquote zeigt an, an, wie viel von den Beiträgen für die Verwaltung der Versicherungsverträge aufgewendet wird. Je niedriger, je besser.

Die Abschlusskostenquote zeigt an, wie viel das Unternehmen für den Vertragsabschluss aufwendet. Je niedriger, je besser.

Die Anzahl der vollversicherten Personen zeigt an, wie das Versichertenkollektiv wächst. Je mehr Versicherte auf weniger Tarife treffen, desto besser. Fazit Betriebskennzahlen: Es gibt keine Auffälligkeiten. Der Versicherer wirtschaftet ordentlich und pflegt ein unaufgeregtestes PKV-Leben. Besonders bemerkenswert: Es gibt nur vier Tarife im Verkauf. Eine geringe Anzahl an Tarifen und saubere Tarifstrukturen ist ein wichtiges Merkmal für PKV-Kunden.

Welche Gesundheitsfragen stellt die Continentale Krankenversicherung?

Die Gesundheitsfragen sind für alle Tarife identisch. Die Fragen sind klar formuliert und es gibt nur wenige Fallstricke. Diese habe ich entsprechend markiert.

Frage A: Es ist darauf zu achten, dass auch Untersuchungen angeben werden, die Ihnen nicht wichtig erschienen. Dazu ist Schwangerschaft anzugeben.

Frage C: Die Frage ist klar formuliert. Interessant wird das Thema in Kombination mit Frage A: Wenn ein normaler Arzt im Rahmen einer ambulanten Behandlung vor 4 Jahren eine F-Diagnose (psychische Erkrankungen und Verhaltensstörung) gestellt hat, diese aber zur keiner Folgebehandlung geführt hat, muss es nicht angegeben werden. Aber Vorsicht an dieser Stelle. Am besten vorab mit einen anonymen Risikovoranfrage klären und das Ergebnis daraus dann bewerten.

Frage E: …bestehen Defizite körperlicher Art: Hier sind auch Erkrankungen anzugeben, welche nicht behandelt werden. Z.B. eine Penicillin-Allergie (wird in der Regel nicht behandelt).

Frage G: Der Begriff jemals ist eindeutig denke ich.

Frage K: Ersetze Zähne sind nur anzugeben, wenn diese Älter als 10 Jahre sind.

Frage L: Parodontose (besser: Parodontitis) ist anzugeben und wäre auch nicht versicherbar bei der Continentale. Deswegen ist diese Diagnose der Klassiker, um aus der Versicherung zu fliegen.

Fazit zum PKV-Tarif Premium und der Continentale

Der Tarif ist günstig, fast zu günstig. Aber er hat bis auf kleinere Ausnahmen gute Leistungen. Der Versicherer an sich achtet stark auf eine saubere Tarifstruktur. Es gibt nur vier PKV-Tarife, welche jeweils noch mit einem Baustein für das Krankenhaus kombiniert, werden können. Diese Bausteine kosten in allen Tarifen den gleichen Beitrag.

Tipp: Wenn Arbeitgeberzuschuss frei ist, immer die Wahlleistungsbaustein dazu versichern. Auch wenn der Tarif im Rentenalter wieder gekündigt wird, werden die tariflichen Rückstellungen eine zusätzlich Betragsnachlass erzeugen (Entfall Beitrag + Verrechnung der angesparten Rückstellungen).

Der Versicherer bietet keine Einsteigertarife, aus denen Sie wieder aussteigen können. Vermutlich möchte der Versicherer auch keine Tarifwechsel-Exzesse bei den Kunden. Deswegen sollten sich Continentale-Interessenten sofort für den richtigen Tarif entscheiden. Später, wenn die ersten Erkrankungen bestehen, sind Tarifwechsel möglich, aber keine Leistungsverbesserungen mehr. Alternativ sollte immer der Optionstarif (Option P) mit abgeschlossen werden. Gerade auch für Kinder.

Kinder sind in allen Tarifen preiswert. Aber es fehlen Kurleistungen. Gerade Eltern, welche auch mal eine Mutter/Vater-Kind-Kur machen wollen, sollten für alle den Kurtarif (KS1-U) mitversichern.

Die Beiträge für das Rentenalter sollten eingeplant werden. Wir berechnen für Sie, was Sie zum Rentenbeginn zahlen werden und lösen das Thema gleich zum Vertragsbeginn. Der Abschluss einer privaten Krankenversicherung ist immer eine individuelle Komposition, zugeschnitten auf Ihre Person. Wir sind auf das Thema spezialisiert und helfen kostenfrei weiter. Mit unserer First-Things-First Strategie optimal vorbereitet sein.

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