In der privaten Krankenversicherung bezahlen die Versicherten ihre Beiträge nicht nach der Höhe ihres Einkommens, sondern nach ihrem individuellen Gesundheitsrisiko. Wer gesund und jünger ist, zahlt besonders geringe Beiträge. Aber auch an anderen Stellen können Privatversicherte viel flexibler auf den Leistungsumfang und ihre Beitragshöhe einwirken und die monatlichen Ausgaben gezielt und planbar kontrollieren. Beispielsweise mit Selbstbehalttarifen.
Was bedeutet Selbstbehalt?
Viele suchen nach Möglichkeiten, ihre Ausgaben zu verringern und landen irgendwann auch bei ihrer privaten Krankenversicherung als einem der größeren laufenden Posten. Vor allem Selbstständige oder freiberuflich Tätige interessieren günstige Leistungspakete, da sie den vollen Beitrag ohne Arbeitgeberzuschuss allein tragen müssen. Für sie, aber auch für alle anderen Privatversicherten, ist die Vereinbarung von einer Selbstbeteiligung mittlerweile eine gängige und vielfach genutzte Option. Fast alle privaten Krankenversicherungen bieten ihren Versicherten die Möglichkeit zur Vereinbarung von Selbstbehalten an.
Selbstbehalt bedeutet, dass die Versicherten einen festgelegten Teil der Krankheitskosten pro Jahr selbst tragen. Und die Versicherung erstattet dann nur die Kosten, die darüber hinausgehen. Im Gegenzug zahlen die Versicherten dann je nach Höhe der Selbstbeteiligung zum Teil deutlich niedrigere Beiträge als bei der Hundert-Prozent-Kostenübernahme.
Wenn die Beitragsersparnis durch Selbstbehalte höher ausfällt als die tatsächliche Selbstbeteiligung im gleichen Zeitraum, kann es sich für Privatversicherte lohnen.
Laut Versicherungsvertragsgesetz (§ 193 VVG) ist die jährliche Höhe des Selbstbehalts für ambulante und stationäre Leistungen bei insgesamt 5.000 Euro gedeckelt. Üblich sind Selbstbehalte ab 300 Euro. In der Praxis sieht es oft so aus, dass die Versicherten die Rechnungen bis zum vereinbarten Selbstbehalt selbst zahlen und nicht bei ihrer PKV einreichen. Erst, wenn die vereinbarte Höhe der Selbstbeteiligung erreicht ist, reichen sie Rechnungen ein, die dann vollständig bzw. laut tariflichem Rahmen erstattet werden.
Neben dieser generellen Selbstbeteiligung mit einem Fixbetrag, gibt es weitere Selbstbehalt-Modelle. Bei der bausteinabhängigen Selbstbeteiligung gelten Selbstbehalte für einzelne Versicherungsbausteine, also zum Beispiel für ambulante Behandlungen und / oder Zahnbehandlungen. Etwas anders funktionieren prozentuale Selbstbeteiligungen. Statt fixer Eigenbeteiligungen wird beispielsweise vereinbart, immer zehn Prozent von allen oder bestimmten Rechnungen Selbstbehalte sind – begrenzt auf ein Kostenmaximum. Einen Versicherer gibt es mit Tarifen, die den Versicherten pro Leistungsbezug mit einem Betrag als Selbstbehalt beteiligen. Einige Versicherer mixen auch Modelle, indem Sie zwar eine absolute Selbstbeteiligung pro Jahr vereinbaren, in einzelnen Leistungsbereichen zusätzliche Zuzahlungen vereinbaren.
Mehr über den Selbstbehalt und Tipps zur optimalen Höhe lesen Sie hier.
Wann lohnt sich die Selbstbeteiligung in der PKV – wann ggf. nicht?
Selbstbehalt als Form der Eigenbeteiligung kann sich durchaus lohnen. Wer in einem Jahr nicht zum Arzt oder zur Ärztin geht, darf sich nicht nur über eine wahrscheinlich gute Gesundheit freuen, sondern auch über gespartes Geld. Übrigens: Vorsorgeuntersuchungen übernimmt die PKV in vielen Fällen nach gesetzlich eingeführten Programmen vollständig, ohne eine Selbstbeteiligung zu verlangen.
Selbstbehalte ermöglichen es Versicherten, direkten Einfluss auf die Beitragskosten zu nehmen und dennoch im gewünschten Umfang individuell versichert zu bleiben. Mit dem Bewusstsein, durch eine gesunde Lebensweise Kosten sparen zu können, übernehmen Versicherte mehr Verantwortung für ihre Gesundheit und Gesunderhaltung.
Aber Achtung: Bei einer Erhöhung des Selbstbehalts sollte nicht nur der geringere monatliche Beitrag betrachtet werden – auch der steuerliche Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Zwar sinkt durch den reduzierten Beitrag die finanzielle Belastung, gleichzeitig verringert sich jedoch auch die steuerliche Anrechenbarkeit der Beiträge. Der höhere Selbstbehalt hingegen kann in vielen Fällen steuerlich nicht geltend gemacht werden. Es gibt daher immer wieder Konstellationen, in denen sich eine solche Umstellung wirtschaftlich nachteilig auswirkt – auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheint.
Unser Tipp: Selbstbehalte-Tarife in Kombination mit der Option Beitragsrückerstattung bedeutet im Idealfall doppelt zu sparen.
Die Vorteile von der Selbstbeteiligung im Überblick
- Je höher der Selbstbehalt, desto günstiger sind die monatlichen Beiträge.
- Weniger Arztbesuche machen sich direkt bezahlt.
- Man kann sich aus mehreren Selbstbehalt-Modellen das geeignete auswählen.
- Zusammen mit der Beitragsrückerstattung ergeben sich große Einsparpotentiale.
In welchen Fällen sich ein Selbstbehalt außerdem lohnt, lesen Sie hier.
Das spricht im Einzelfall gegen die Vereinbarung von Selbstbehalten:
- Wer den Selbstbehalt regelmäßig ausschöpft, sollte prüfen, ob dieser sich wirklich lohnt. Wichtig ist, dass die Beitragseinsparungen die insgesamt geleisteten Selbstbehalte übertreffen!
- Insbesondere Angestellte sollten überlegen, weil es für den Selbstbehalt keinen Arbeitgeberzuschuss gibt und sie damit auf einen Teil der Arbeitgeberleistung verzichten.
- Die Selbstbeteiligung als Bestandteil der PKV-Beiträge ist im Normalfall nicht steuerlich absetzbar. Sie kann zwar nicht als Sonderausgaben geltend gemacht werden, aber als außergewöhnliche Belastung. Daher sollte vor der Vereinbarung einer Selbstbeteiligung genau durchgerechnet werden, ob sie sich unterm Strich gegenüber der erwartbaren Steuerersparnis lohnt.
- Einmal festgelegte Selbstbehalte wieder zu reduzieren, gestaltet sich oft schwierig. Die Basis ist meist eine erneute Gesundheitsprüfung. Als Ergebnis kann eine mögliche Beitragsersparnis durch einen Risikozuschlag „aufgezehrt“ werden. Im Hinblick auf das zunehmende Alter, wenn Arztbesuche und medizinische Leistungen häufiger in Anspruch genommen werden, können hohe Selbstbehalte finanziell belasten.
Fazit: PKV-Rabatt durch Selbstbehalt in der PKV
Insbesondere für Selbstständige und freiberuflich Tätige, aber auch für Angestellte kann sich die Selbstbeteiligung lohnen. Wer selten krank wird und medizinische Leistungen in Anspruch nimmt, kann durch die Vereinbarung eines Selbstbehalts in individueller Höhe, jeden Monat Beitragskosten einsparen. Eine Selbstbeteiligung lässt sich direkt beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung oder auch später vereinbaren. Die große Frage lautet, ob sich die Beitragsersparnis ausreichend lohnt gegenüber den nicht vorhersehbaren (anteiligen) Kosten für medizinische Leistungen.
Ob und in welcher Gestalt sich ein Selbstbehalt für Sie lohnt, lassen Sie am besten von unabhängiger, professioneller Seite prüfen. Profis wie die Versicherungsexperten von KVoptimal.de rechnen gern für Sie durch, wie sich verschiedene Selbstbehalt-Varianten auf die Höhe des Beitrags auswirken. Wir beraten Sie gern dazu, welches Modell und welche Höhe sinnvoll sind und die höchste Beitragsersparnis bringen. Auch, wenn es darum geht, einen passenden neuen PKV-Tarif zu finden, sind wir gern für Sie da. Jetzt einen unverbindlichen Termin vereinbaren.



