Wie funktioniert der Verkauf einer Lebensversicherung?

Wie bei allen langfristigen Verträgen liegt die Zahl der vorzeitigen Vertragsausstiege auch bei den auf Jahrzehnte angelegten Lebensversicherungen sehr hoch. Knapp ein Drittel aller Versicherten lösen ihre Lebensversicherung bereits innerhalb der ersten zehn, die Hälfte innerhalb der ersten 20 Jahre auf. Als Gründe werden hier oft die Unzufriedenheit mit dem sinkenden Garantiezins oder akute finanzielle Notlagen genannt, die entweder dazu führen, dass die monatlichen Beiträge nicht mehr gezahlt werden können oder die Versicherten das Geld aus der Lebensversicherung dringend benötigen. An diesem Punkt stellt sich die Frage: kündigen oder verkaufen? Viele Versicherte entscheiden sich für eine Kündigung der Lebensversicherung, was fast immer zu finanziellen Verlusten führt. Statt zu kündigen, empfehlen wir den Verkauf Ihrer Lebensversicherung über einen Zweitmarkt. Welche Vorteile dieser bietet, was Sie dabei beachten müssen und wie das Ganze abläuft lesen Sie hier in unserem Beitrag.

Wie funktioniert der Verkauf einer Lebensversicherung?

Beim Verkauf ihrer Lebensversicherung treten Sie alle Ansprüche und Rechte an den Käufer ab, das heißt, Sie verzichten auf die Summe, die Sie nach Vertragsablauf erhalten hätten. Dafür erhalten Sie eine bestimmte Summe, die in der Regel höher liegt als der Rückkaufswert, den Ihnen Ihre Lebensversicherung bei einer Kündigung zahlen würde. Als Käufer treten Unternehmen auf, die auf den Ankauf von Lebensversicherungen spezialisiert sind. Diese wiederum verkaufen diese Art „Secondhand Policen“ auf dem Zweitmarkt an Anleger weiter, die die Beiträge weiterzahlen, die Laufzeit fortführen und sich die Gewinne sichern.

Jedoch sind nicht alle Lebensversicherungen für Policenhändler von Interesse. Gute Verkaufschancen haben vor allem kapitalbildende Lebensversicherungen. Nur eher selten werden fondsgebundene Lebensversicherungen angekauft, während Risikolebensversicherungen für einen Verkauf nicht in Frage kommen, da diese kein Kapital aufbauen.

Lebensversicherung verkaufen oder kündigen – ein Vergleich

Lebensversicherung kündigen

Lebensversicherung verkaufen

Wer seine Lebensversicherung kündigt, erhält von seiner Versicherung dafür einen sogenannten Rückkaufswert ausgezahlt. Daher bezeichnet man die Kündigung der LV auch als Rückkauf.

Auch Abschlusskosten werden teilweise erstattet.

Mit der Kündigung endet der Hinterbliebenenschutz.

Wer seine Lebensversicherung verkauft, erhält von einem spezialisierten Ankäufer auf dem Zweitmarkt einen vereinbarten Betrag, der meist höher als der Rückkaufswert ist.

Die Summe ist vom Marktwert der Lebensversicherung und von den Abschlusskosten des Käufers abhängig.

Häufig bleibt der Hinterbliebenenschutz im gewissen Umfang erhalten.

Tipp: Bevor die Lebensversicherung gekündigt oder verkauft wird, sollte bedacht werden, dass speziell Lebensversicherung, die in den 1990ern geschlossen wurden, einen Garantiezins von 3,25 bis 4 Prozent haben. Diese Verträge gehören gerade angesichts der aktuellen Niedrigstzinsen zu den attraktivsten Kapitalanlagen. Der Versicherte sollte also, wenn es irgendwie machbar ist, seine Versicherung behalten.

Worauf Sie dabei achten sollten

Um seine Lebensversicherung möglichst gewinnbringend zu verkaufen, sollten Sie den aktuellen Rückkaufswert Ihrer Police kennen und bei der Auswahl des Ankäufers auf dessen Bedingungen achten. Hier finden Sie ein paar Hinweise.

Unseriöse Anbieter erkennt man zum Beispiel daran, dass sie den Kaufpreis meist in Raten auszahlen oder weitere undurchschaubare Gebühren erheben.

Fällt eine Steuer an? Während LV-Verträge, die vor 2005 geschlossen wurden, in der Regel steuerfrei sind, können für jüngere Policen Abgeltungssteuern (Kapitalertragssteuern) anfallen.

Für Steuerfreiheit gilt bei:

Vertragsabschlüssen ab dem 31.3.1996:

- Todesfallschutz ist mit einer Höhe von mindestens 60 Prozent der Beitragssumme abgesichert

Vertragsabschlüssen vor 2005:

- Versicherte haben fünf Jahre lang Beiträge gezahlt

- Vertrag läuft mindestens zwölf Jahre

Vertragsabschlüssen ab 2005:

- übersteigt der Verkaufspreis die Summe der bisher gezahlten Beiträge, fallen 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag an

Was passiert mit Ihren Zusatzversicherungen? Kombinierte Lebensversicherungen enthalten einen Hinterbliebenenschutz (Todesfallversicherung, Risikolebensversicherung) und einen Sparanteil. Zusätzlich können mit einer Lebensversicherung weitere Versicherungsfälle wie Berufsunfähigkeit, Unfall oder Arbeitslosigkeit abgesichert werden. Der Hinterbliebenenschutz bleibt meist auch trotz Verkauf der Lebensversicherung erhalten. Allerdings erhalten die Hinterbliebenen nicht die gesamte Summe, denn der Käufer zieht davon seine bisher geleisteten Beiträge inklusive Verzinsung und Gebühren ab. Und mit dem Kauf gibt der Käufer keine Garantie, die Lebensversicherung auch zu Ende zu führen.

Optionale Zusatzbausteine wie der Schutz bei Berufsunfähigkeit oder Unfall werden in aller Regel gekündigt, da bei den Käufern der Fokus auf die enthaltenen Fonds etc. liegt. Dennoch müssen Sie Ihre Absicherung nicht unbedingt vollständig verlieren. Bei vielen Lebensversicherern ist es möglich, die Berufsunfähigkeit aus der Lebensversicherung ausgliedern und als eigenständigen Vertrag fortzuführen.

Im Zweifel ist es immer ratsam, sich unabhängig beraten zu lassen. Wir prüfen Ihre LV-Verträge und lesen das Kleingedruckte für Sie. Im Anschluss erhalten Sie eine Auswertung und eine klare Handlungsempfehlung.

 

Sollen wir Sie nochmal individuell beraten? Sprechen sie uns an.

Wir beraten Sie gern - Jetzt kostenfrei informieren.


Die Datenschutzrichtlinien und Erstinformation habe ich zur Kenntnis genommen.

 

3 gute Gründe für den LV-Policen-Verkauf

Wenn man einige Dinge beachtet, lässt sich die eigene Lebensversicherung durchaus gewinnbringend verkaufen und auch bei finanziellen Engpässen wichtiges Kapital beschaffen. Aber es sprechen noch weitere gute Gründe für den Verkauf der Lebensversicherung.

  1. In aller Regel wird die Summe aus dem Verkauf der Lebensversicherung nicht besteuert, sodass sich zusätzlich noch steuerliche Vorteile ergeben.

  1. Im Vergleich zur Kündigung der LV ist der Verkaufserlös um einiges höher. Je nach aktueller Nachfrage können Sie auf dem Zweitmarkt mit einem Erlös rechnen, der 3 bis 5 Prozent über dem Rückkaufswert liegt, also dem Wert, den Ihre Versicherung Ihnen bei einer Kündigung zahlen würde. Vereinzelt, zum Beispiel bei Rentenversicherungen, liegt die Differenz sogar bei bis zu 15 Prozent.

  1. Wenn Sie mit dem Verkauf der Lebensversicherung bisher gezögert haben, weil Sie den Schutz Ihrer Familie (Hinterbliebenenschutz) nicht verlieren wollten, gibt es gute Neuigkeiten. In aller Regel bleibt nämlich der Todesfallschutz trotz Verkauf der Lebensversicherung erhalten.

Voraussetzungen für den Verkauf der Lebensversicherung

Nicht jeder Interessierte kann seine Lebensversicherung verkaufen. Wie oben erwähnt sind typischerweise Risikolebensversicherungen und auch fondsgebundene Lebensversicherungen vom Verkauf ausgeschlossen. Auch bei den anderen Formen der LV müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Hierzu gehört, dass meist verlangt wird, dass die Versicherung einen Mindest-Rückkaufswert von 10.000 Euro hat und die Restlaufzeit nicht mehr als 25 Jahre betragen darf. Der Investor braucht also ein gewisses Maß an Planbarkeit, da er die Raten für die noch verbleibende Laufzeit zahlen muss, und es sollte bereits ein Grundkapital eingezahlt worden sein.

Ablauf beim Verkauf Ihrer Police

Haben Sie sich dazu entschieden, Ihre Lebensversicherung zu verkaufen, läuft der Verkauf in der Regel so ab, dass der Ankäufer zunächst bestimmte Vertragsdaten, eine Kopie der Versicherungspolice, die aktuelle jährliche Überschussmitteilung, den aktuellen Rückkaufswert und gegebenenfalls eine Vollmacht von Ihnen erfragt. Sollten Sie die Original-Versicherungspolice nicht mehr besitzen, lässt sich das häufig über eine separate Verlusterklärung unkompliziert klären. Im zweiten Schritt holt sich der Ankäufer von Ihrem Versicherer alle nötigen Informationen, um Ihnen ein Angebot zu unterbreiten. Natürlich prüft er genau, ob sich der Ankauf überhaupt lohnt. Den eigentlichen Kauf wickelt der Ankäufer mit Ihnen und Ihrem Lebensversicherer ab. Dafür wird ein Kaufvertrag und dazu meist eine Abtrittserklärung aufgesetzt. Schließlich erhalten Sie die vereinbarte Summe ausgezahlt. Viele Anbieter verpflichten sich zu einer Auszahlungsgarantie mit kurzer Frist. Sie gehen also in Vorleistung und entkoppeln die Auszahlung von den Bearbeitungszeiten der Versicherer. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer beträgt somit in der Regel mehrere Wochen.

1 1 1 1 1 Rating 5.00 (3 Votes)