Wir hatten in der Vergangenheit schon ausführlich über die anstehende Beitragserhöhung zum 01.01.2018, im Bestand und Neugeschäft der AXA berichtet. Gerade Bestandskunden der AXA wurden in den letzten Jahren bei Erhöhungen nicht nur einmal zur Kasse gebeten.

 

Wie fällt die Erhöhung aus und was heißt das konkret?

 

Dieses Jahr hat sich die AXA im Konzern wirklich alle Mühe gemacht gut vorbereitet zu sein, bevor die Flut der mehr als 200.000 Beitragserhöhungen, per Post versendet wird und bei Kunden zu Irritationen oder auch Ärger führt. Auf 59 Seiten zeigt man Kundengruppen, Erhöhungsvolumen und Gründe. Dies soll den Partnern der AXA genügend Argumentation bieten, um den Kundenverlust oder Kundenärgernisse zu minimieren und den Bestand zu sichern.

 

In der Privatwirtschaft sind demnach nur 22% von einer Erhöhung mit 10% und höher betroffen. Da meint man erst mal, das ist jeder fünfte Versicherte, es trifft möglicherweise nicht den Kunden der Wahl. Aber wenn man sich die Zahlen, auf den nächsten Seiten betrachtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass 203.413 Versicherte der Privatwirtschaft (keine Beamten und Heilberufe) eine Erhöhung erhalten und davon 83.576 um mehr als 30€. Eine Erhöhung von mehr als 100€ erwartet mehr als 15.000 Kunden dieses Jahr. So wird aus der anonymen Zahl, jeder fünfte Betroffene, plötzlich eine sehr greifbare große Zahl an Personen, die erneut wenig begeistert sein werden.

 

Auf den Folgeseiten erfährt man nun in welchen Tarifen welche Versichertenanzahl, welche durchschnittliche Erhöhung bei welchem durchschnittlichen Zahlbetrag erhält. So runtergebrochen wirken die Zahlen erst mal gering, aber im Ergebnis ist es für den Betroffenen der im ECR2600 (w) oder ECO 2600 (m) eine Erhöhung von mehr als 100€ erhält sicherlich wenig erfreulich. Einige der betroffenen Kunden wurden ja bereits in den letzten Jahren, mit Beitragssteigerungen zur Kasse gebeten.

 

Kunden der Vital-Serie Unisex und EL-Bonus-U scheinen unternehmensseitig besondere Beachtung zu finden. Diese dürfen sich über ein vertriebliches Instrument, dem „TREUEBONUS“ erfreuen. In ähnlicher Form kannte man dies am Markt schon von Anbietern wie der Central.

Hier zwei Orginalschreiben der AXA wie sie uns von Kunden übermittelt wurden:
 
Kunde 1: Tarif EL Bonus U
Treuebonus El Bonus U
Kunde 2: Vital 300 U
 
Vital 300 U

Bei der Central ging es in den letzten fünf Jahren hart zu. Man hat Beitragserhöhungen, die jeglichem Kundenverständnis widersprachen, durchgeführt, das Geschäftsmodell Makler eingestampft und sich „gesundgeschrumpft“. Hierüber berichteten wir bereits.

 

Was ist denn nun dieser Treubonus? Eine Mogelpackung, eine Hinhaltetaktik oder für Kunden wirklich sinnvoll?

 

Der Treuebonus soll Sie motivieren im Tarif und bei der Gesellschaft AXA zu bleiben. Sie werden also dafür belohnt, dass eine treuhänderisch freigegebene notwendige Erhöhung, durch eine Rückerstattung für Sie kompensiert wird. Sie zahlen also Geld, was Sie danach für das Jahr 2018 im Jahr 2019 zurück bekommen.

 

Was ist denn dann, im Jahr 2019, werden Sie sich Fragen. Korrekt und die Antwort sollten Sie bereits kennen. Im Jahr 2019 bekommen Sie keinen Treuebonus zurück. Also zahlen Sie ab 2019 die volle Erhöhung aus Ihren wirtschaftlichen Mitteln.

 

Irritierend ist dabei, dass die Erhöhung mehr als 200.000 Menschen betrifft, aber nur maximal 29.222 Versicherte einen Treuebonus erhalten bzw. maximal vorgesehen sein können.

 

  • EL-Bonus-U – Steigerung durchschnittlich 35,29€ (24.406 Versicherte betroffen)
  • Vital 300-U – Steigerung durchschnittlich 92,58€ (1.755 Versicherte betroffen)
  • Vital 900-U – Steigerung durchschnittlich 42,31€ (3.061 Versicherte betroffen)

 

Die mehr als 15.000 Kunden der alten Welten, die eine Erhöhung von mehr als 100€ erhalten, finden keine Berücksichtigung im erhaltungswürdigen Bestand, könnte man meinen.

 

Da nur Kunden die im Jahr 2017 leistungsfrei waren, im Jahr 2018 berücksichtig werden, findet eine klare Abgrenzung zu Kunden statt, die erkrankt sind und Leistung beansprucht haben. Damit werden Versicherte ausgeschlossen die keine Chance zum Anbieterwechsel haben. Eine bedenkliche Auslegung und Anwendung der Möglichkeit zur Kundenbindung.

 

Und wie sieht es bei der AXA aus?

 

Im mehr als fünfzig Seiten starken Handout, zur Onlinepräsentation für Partner, erlaubt man sich noch einen kleinen Marktüberblick gegenüber der GKV und macht noch einen kleinen Schlenker zur AXA, um dann in aller Würde über die Bestandskundenanpassungen von EL-Bonus Kunden zu reden. Mit der freudigen Überschrift „Und wie sieht es bei der Axa aus?“, erhält man nun einen Einblick in die Einsteigertarifwelt der AXA, denn hier waren die Anpassungen marktüblich in der Vergangenheit. Da kann man doch nicht meckern, oder?

 

Offen bleibt, warum man nicht noch die Hochleistungstarife, u. A. Vital-Serie und Großschadentarife der Vision- oder ECO-Serie, beleuchtet hat. Das wäre ja auch interessant. Es sind ja schließlich nicht nur Einsteiger bei der AXA versichert, sondern leitende Angestellte, denen die Wahlleistungen ein dringendes Absicherungsbedürfnis ist. Vielleicht waren die Erhöhungsszenarien des Bestandes hier marktunüblich, wer vermag das schon zu wissen außer der Kunde selber.

 

Wer kriegt denn nun den Treuebonus?

 

Kunden, die im Jahr 2017 bisher leistungsfrei sind und im Jahr 2018 bleiben, sind für den Treuebonus vorgesehen. Dies hat erst mal nichts mit Ihrer erfolgsabhängigen Beitragsrückerstattung zu tun, sondern wird außerordentlich nach den Vorgaben der AXA entsprechend gewährt. So bekommen Kunden im Vital 900-U und EL-Bonus ab dem 20. Lebensjahr (kein Ausbildungstarif) die Möglichkeit bei Leistungsfreiheit in 2017 und 2018, soweit der Vertrag am 30.06.2019 noch besteht einen Treuebonus in Höhe von 400€ zu bekommen. Kunden im Tarif Vital 300-U erhalten darüber hinaus eine Erstattung von 1.000€ im Rahmen des Treuebonus.

 

Darüber hinaus ist der Versicherer natürlich verpflichtet im Rahmen der Tarifwechselleitlinie Umstellungsoptionen nach standardisierten Vorgaben ab dem 55. Lebensjahr vorzuschlagen. Dabei muss er Hinweise zu dem Standard- und Basistarif darlegen, als auch ein Angebot zu dem verkaufsstärksten verkaufsoffenen Tarif und einen günstigeren vergleichbaren Tarif. Dies wurde im Rahmen der Tarifwechselleitlinie durch den PKV-Verband so festgelegt. Daran haben sich Teilnehmer, so auch die AXA zu halten.

 

Was wird also Angeboten?

 

 

Die Vorgaben sind vom PKV-Verband unter Bezugnahme der Versicherer erstellt, ergeben aber wenig Sicherheit für den Betroffenen. Wenn man davon ausgeht, dass Kunden in einem Tarif länger als zehn Jahre versichert sind, verfügt die AXA über alle Welten und Tarifkombinationen über mehr als 250 wählbare Alternativen. Da erscheinen vier von einem System erstellte Varianten klein und vage. Verfolgt man dann noch das rote Ampelmännchen der AXA, das darstellen soll, das ein Tarifwechsel nicht lohnen könnte und die Darstellung des  65-jährigen AXA Kunden, der in Rente geht und eine Beitragsentlastungskomponente hatte, dann möchte man zwar gerne der 65-jährige sein, aber die persönliche Situation ist doch im Ergebnis eine Andere.

 

Was ist zu tun?

 

Grundsätzlich sollten Sie sich vor einem Anbieterwechsel hüten. Häufig sind Kunden, gerade bei mehreren Anpassungen in wenigen Jahren frustriert. Sätze wie „ich will nicht mehr“, „ich hab es satt“ oder „na dann kündige ich und wische dem Versicherer eins aus“ sind in unserer täglichen Praxis keine Seltenheit. Bedauerlicherweise kann dies ausschließlich zu Ihrem Nachteil werden. Bei einem neuen Anbieter können Sie keine bis wenige Altersrückstellungen von der AXA transportieren. Daher verbleiben die gebildeten Rückstellungen ganz oder teilweise im Kollektiv des Tarifes. Sie starten ggf. sogar bei 0€ Rückstellung beim neuen Anbieter. Eine neue vollumfängliche Beantwortung von Gesundheitsfragen birgt ebenfalls hohe Risiken, da gerade die ersten Jahre die vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung Probleme bereiten kann, soweit man Dinge vergessen oder versäumt hat anzugeben.

 

Interessanter kann eine Prüfung des Tarifwechsels sein. In einem Portfolio von mehr als 250 Kombinationsmöglichkeiten in allen Tarifwelten, könnten sich eine interessante Alternative verstecken, die bei ähnlichem Leistungsniveau zu einer beträchtlichen Ersparnis führt. Darüber hinaus sollten Sie auch die Prämie fürs Rentenalter planen. Wenn Sie heute 47 Jahre alt sind und zahlen im Vital 300-U bspw. 500€, müssen Sie sich mit dem Gedanken anfreunden das Sie mit 67 ca. 1.000€ und mit 87 ca. 2.000€ bezahlen. Diese Aussage beruht auf der durchschnittlichen Erhöhung des Marktes gemäß MAP-Report 4,8% pro Jahr und soll Ihnen natürlich lediglich einen Ausblick geben. Langjährige Kunden der AXA berichteten uns in der VITAL-Serie bereits von Erhöhungen über dem Durschnitt in einer Beobachtungszeit von mehr als 15 Jahren. Dennoch sind es Werte, die Sie vorbereiten können.

 

Also sollten Sie die Einsparung für die Rücklagen zusätzlich bilden. Die AXA bietet hier in der Tat ein tolles Produkt mit der Beitragsentlastung im Rentenalter. So zahlen Kunden heute Mehrprämie für eine spätere Ersparnis Ihrer Krankenversicherung. Dazu ist der Tarif arbeitgeberzuschussfähig bis zu Höchstgrenzen und steuerlich anrechenbar.

 

Lassen Sie sich gerne zu den Themen von uns beraten.

 

Weitere interessante Artikel zur AXA:

https://kvoptimal.de/blog/128-axa-beitragserhoehungen-unwirksam

https://kvoptimal.de/blog/221-anfragestrom-zu-unwirksamen-beitragserhoehungen-der-axa

https://kvoptimal.de/blog/260-rekord-beitragserhoehung-axa-erhoeht-zum-01-01-2018

https://kvoptimal.de/blog/289-nach-urteil-axa-kunden-koennten-bis-zu-10-000-euro-zurueck-erhalten