Beihilfe Hessen und PKV, was ist versichert?

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Anja Glorius
26. November 2022
Beihilfe Hessen und PKV, was ist versichert?
Beihilfe Hessen und PKV, was ist versichert?

Beamte & Beihilfe in Hessen: Was ist (nicht) versichert? Wie kombiniere ich Beihilfe, PKV & Beihilfeergänzung zu einem günstigen Rundumschutz?


Inhaltsverzeichnis

Beihilfe Hessen und PKV: Was ist versichert?

2022 sind mehr als 100.000 Landesbeamte, Richter sowie Pensionäre im Beihilfesystem von Hessen erfasst. Sie alle profitieren dort von Zuschüssen zu ihrer Krankenvorsorge, die den Beamten in Form der Beihilfe zuzüglich zum Sold ausgezahlt wird. Als Dienstherr ist das Land Hessen ähnlich wie der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer dazu verpflichtet, sich an den Kosten für die Krankenversicherung zu beteiligen.

Beamte in Hessen sind von der Versicherungspflicht befreit. Je nach Zugehörigkeit erhalten sie einen Beihilfesatz und Beihilfeleistungen laut Beihilfeverordnung. Lesen Sie in unserem Beihilfe-Ratgeber, was die Beihilfe für ihre Beamten in Hessen an Leistungen vorsieht und wie ein für alle Lebenslagen optimierter Gesundheitsschutz aus Beihilfe, privater Krankenversicherung und Zusatzbausteinen wie der Beihilfeergänzung aussehen kann.

Was zahlt die Beihilfe in Hessen ihren Beamten zu den Krankheitskosten dazu?

In welche Beihilfesätze Beamte eingruppiert werden, hängt unter anderem davon ab, ob man noch im aktiven Dienst steht oder Pensionär ist oder ob man (beihilfefähige) Kinder hat. Während in den meisten Bundesländern Beamte erst ab dem zweiten berücksichtigungsfähigen Kind 70 Prozent Beihilfe erhalten, erhalten Beamte in Hessen bereits ab dem ersten Kind diesen höheren Beihilfesatz. Wer worauf Anspruch hat, zeigt die folgende Übersicht.

Die Beihilfesätze: Wie viel Beihilfe erhalten Beamte in Hessen?

Personenkreis Individuelle Beihilfeleistung + Beihilfeergänzung PKV-Leistung
Beamter Ehepartner (sofern berücksichtigungsfähig; die Erhöhung um 5% gilt nicht, wenn der Ehepartner in der GKV pflichtversichert ist, selbst beihilfeberechtigt ist oder über der Einkommensgrenze verdient) Kind (mit Kindergeldanspruch), WaisenFamilienbezogener Bemessungssatz (ein Satz für die ganze Familie): 50 % für einen Alleinstehenden + 5 % je berücksichtigungsfähigem Familienmitglied (max. 70 %)max. 50 %
Anwärter, Referendare berücksichtigungsfähige Familienangehörige70 % für ambulante und zahnärztliche Behandlung 85 % für stationäre Krankenhaus- bzw. Anschlussheilbehandlungenmax. 30 %
PensionäreBisheriger %-Satz + 10 %max. 40 %
Empfänger von Witwengeld/WitwergeldBisheriger %-Satz + 5 %max. 45 %

Die Erhöhung des Beihilfesatzes um je 5 Prozent gilt auch für Kinder, die in der GKV über den Ehepartner familienversichert sind.

Die Beihilfeleistungen in Hessen: Höchstgrenzen, Zuzahlungen, Leistungsausschlüsse für Beamte

Welche Leistungen erhalten Beamte in Hessen von ihrer Beihilfe? Welche Höchstgrenzen, Leistungsausschlüsse und Zuzahlungen gelten? Unserer Übersicht mit relevanten Leistungsfällen für die verschiedenen Bereiche gibt hier Einblicke:

HÄUFIGE LEISTUNGSFÄLLE … … UND IHRE BEIHILFELEISTUNG
Für (beihilfefähige) zahntechnische Material- und Laborkosten zahlt die Beihilfebis zu 50 %
Zweibettzimmer/Chefarztbehandlungfür 18,90 Euro / Monat
Eigenbeteiligung im Krankenhaus je Tag16 Euro / Tag
Ehepartner sind berücksichtigungsfähig, wenn deren Einkünfte im vorletzten Jahr unter dieser Grenze lagen:< 19.968 Euro
LEISTUNGSFÄLLE BEIM ARZT … … UND IHRE BEIHILFELEISTUNG
Ärztliche Behandlungwird im Rahmen der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) übernommen
HeilpraktikerleistungenErstattung gemäß GebüH, jedoch max. die Regelhöchstsätze
Arzneimittelärztlich verordnete Arzneimittel, entfällt bei Kindern, ab 18 Jahre Zuzahlung von 4,50 Euro je Mittel
BeförderungZuzahlung von 10 Euro
Hilfsmittel gemäß dem Hilfsmittelkatalog mit Höchstsätzen, Zuzahlung von 10 % (mind. 5 bis max. 10 Euro)
Sehhilfen Gläser und Kontaktlinsen bis bestimmte Höchstgrenzen, Gestelle nicht beihilfefähig
LEISTUNGSFÄLLE BEIM ZAHNARZT … … UND IHRE BEIHILFELEISTUNG
Zahnärztliche Behandlungwerden im Rahmen der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) übernommen
Zahnersatzbeihilfefähig, wenn mindestens 1 Jahr im öffentlichen Dienst
ImplantateBis 2 Implantate je Kieferhälfte, bei bestimmten Indikationen ohne Begrenzung
Material- u. Laborkostenzu 50 % beihilfefähig
Kieferorthopädiewird bei Beginn vor dem 18. Lebensjahr übernommen, danach nur bei schweren Anomalien
LEISTUNGSFÄLLE IM KRANKENHAUS … … UND IHRE BEIHILFELEISTUNG
Regelleistungenja
ZweibettzimmerJa, bei Einbehaltung von 18,90 Euro / Monat von der Besoldung Zuzahlung von 16 Euro / Tag im Krankenhaus
Privatärztliche BehandlungJa, bei Einbehaltung von 18,90 Euro / Monat von der Besoldung
LEISTUNGSFÄLLE BEI DER PFLEGE … … UND IHRE BEIHILFELEISTUNG
Ambulant/StationärBeihilfeleistungen gemäß Sozialgesetzbuch (SGB) XI
Unterkunft/Verpflegungwird erstattet, wenn Eigenanteil überschritten wird
SONSTIGE LEISTUNGSFÄLLE … … UND IHRE BEIHILFELEISTUNG
Kur- und RehaleistungenKuren sowie Mutter- bzw. Vater-Kind Kuren und Mütter/Vätergenesungskuren, Zuschuss für Unterkunft/Verpflegung 16 Euro (max. 23 Tage) alle 5 Jahre Stationäre Rehabilitationsmaßnahmen inkl. Fahrtkosten (max. 300 Euro) und Unterkunft und Verpflegung, ab 30 Tagen nach Zusage
Familien- und HaushaltshilfeBei stationärer Unterbringung (inkl. 7 Tage danach), wenn Kinder bis 12 Jahren im Haushalt, bis zu 10 Euro / Stunde, max. 10 Stunden / Tag
Kostendämpfungspauschalekeine
Mindestbetrag für einen Beihilfeantrag200 Euro, erreichen die Aufwendungen aus zehn Monaten diese Summe nicht, wird abweichend Beihilfe gewährt, wenn diese Aufwendungen 15 Euro übersteigen

Alle Angaben ohne Gewähr.

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Die Beihilfelücken: Wann beteiligt sich die Beihilfe in Hessen nicht?

Die beihilfefähigen Leistungen bewegen sich in Hessen mindestens auf dem Niveau der Regelleistungen, die für gesetzlich Versicherte pauschal gelten, häufig bietet die Beihilfe einiges mehr. Der Fakt, dass sich viele Deutsche mit privaten Krankenzusatzversicherungen zusätzlich absichern, lässt schon aufhorchen und Lücken in beiden Krankenversicherungssystemen – gesetzlich und privat – vermuten.

Tatsächlich ist es so, dass viele Lücken nicht einheitlich als solche empfunden werden, weil die Versicherten unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche haben und entsprechend die Anforderungen an einen guten Gesundheitsschutz variieren. Aber rein objektiv betrachtet, lassen sich durchaus Beihilfelücken in Hessen ausmachen. So trägt die Beihilfe an den zahntechnischen Material- und Laborkosten maximal die Hälfte – und zwar von dem, was überhaupt beihilfefähig ist. Sehhilfen werden nur bis zu Höchstgrenzen bezuschusst, Gestelle gar nicht. Hier zahlt der hessische Beamte entweder den Rest allein oder er kümmert sich um eine zusätzliche Absicherung (Stichwort: Beihilfeergänzung).

Beihilfelücken mit Restkostenversicherung und Beihilfeergänzung schließen

Aus den Beihilfesätzen ergeben sich Differenzen zu 100 Prozent, die die Beamten mit einer privaten Restkostenversicherung (auch Beamtentarif, beihilfekonformer Tarif) abdecken. Hier haben die zahlreichen privaten Krankenversicherer viele Tarife für Beamte in ihrem Portfolio, die zur Beihilfe komplementär sind. Zusammen mit Beihilfe und einem ergänzenden Beamtentarif kommen Beamte in Hessen nun auf 100 Prozent Kostenübernahme – allerdings nur von den beihilfefähigen Leistungen laut Beihilfeverordnung. Wer mehr will, muss sich zusätzlich absichern mit einem Beihilfeergänzungstarif.

Die Beihilfeergänzung: Warum Beamte in Hessen sie als PKV-Baustein brauchen

Der Beihilfeergänzungstarif ähnelt privaten Krankenzusatzversicherungen, die auch viele gesetzlich Versicherte abschließen, um ihren Gesundheitsschutz zu verbessern. Beamte wählen Beihilfeergänzungstarife um Höchstgrenzen, Zuzahlungen und Leistungsausschlüsse in ihnen wichtigen Bereichen zu vermeiden, um mit ihrem Versicherungspaket möglichst alle anfallenden Krankheitskosten abzudecken.

Typische Lücken im Beihilfesystem für Beamte in Hessen verstecken sich beispielsweise hier:

  • Zahnbehandlungen, Zahnersatz
  • Heilpraktikerbehandlungen
  • Ein- oder Zweibettzimmer
  • Krankenhaustagegeld
  • Brillen, Kontaktlinsen
  • Chefarztbehandlung
  • Kuren
  • Reha

Professioneller Check: Welche Beihilfelücken habe ich?

Wenn Sie nicht das Gefühl haben, mit Ihrem Versicherungspaket auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, lassen Sie Ihren Versicherungsstatus einfach mal überprüfen. Ist die Absicherung ausreichend für die veränderte Familienplanung oder Gebrechlichkeiten im Alter? Wir sind spezialisiert auf Beamtenversicherungen und Tarifoptimierung, wir arbeiten unabhängig und prüfen Ihre Verträge auf Herz und Nieren nach Schwachstellen – und besseren Angeboten.

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Unser Tipp für Beamte in Hessen: So sind Sie rundum gut versichert. Mehr erfahren Sie in unserem kompakten Überblick mit den wirklich sinnvollen Beamtenversicherungen:

Die (pauschale) Beihilfe: PKV oder GKV? Haben Beamte in Hessen eine echte Wahl?

So sozial das Beihilfesystem auch ist mit seinen hohen Sätzen und umfangreichen Leistungen, so weist es für Beamte in Hessen ein besonderes Manko auf. Faktisch haben diese nämlich nicht die freie Wahl, ob sie bei der gesetzlichen Krankenkasse bleiben oder in die private wechseln. Denn bisher ist es so, dass nur Beihilfe erhält, wer auch privat krankenversichert ist. Die wenigen Beamten, die sich dennoch weiterhin gesetzlich krankenversichern, müssen ihre GKV-Beiträge allein tragen und finanzielle Einbußen hinnehmen.

Um diese Ungerechtigkeit im Beihilfesystem auszumerzen, führten diverse Bundesländer eine zweite Beihilfeform, die pauschale Beihilfe, ein. Beamte erhalten eine Pauschale als Zuschuss zu ihrer Krankenversicherung – und zwar unabhängig davon, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind. Die Höhe der pauschalen Beihilfe ist begrenzt auf die Hälfte des Höchstbetrags in der GKV, also 353,14 Euro von 706,28 Euro (Stand 2022).

Neben Vorreiter Hamburg haben bislang Bremen, Berlin, Brandenburg, Thüringen und ab 2023 auch Baden-Württemberg ihr Beihilfesystem dahingehend reformiert. In diesen Bundesländern können sich neue Beamte frei entscheiden, ob sie sich privat oder gesetzlich versichern.

Hessen bietet wie die Mehrzahl der Bundesländer nur die klassische Form der individuellen Beihilfe an. Nur für die tatsächlich anfallenden Kosten erhalten Beamte entsprechend der gültigen Beihilfeordnung Zuschüsse.

Mehr über die neue Beihilfeform „pauschale Beihilfe“ lesen Sie hier:

Die Vor- und Nachteile der pauschalen Beihilfe

(Klassische) INDIVIDUELLE BEIHILFE PAUSCHALE BEIHILFE
beteiligt sich je nach Beihilfesatz an den tatsächlich anfallenden Krankheitskostenbeteiligt sich pauschal an den Beiträgen zur (gesetzlichen oder privaten) Krankenvollversicherung
PKV Öffnungsaktion für gesundheitlich vorbelastete Beamteergänzend können private Zusatzversicherungen abgeschlossen werden
Beilhilfeanspruch (50 bis 80 %) liegt i. d. R. über dem Niveau des „normalen“ Arbeitgeberzuschusseskein Abrechnungsaufwand, diese erfolgt meist direkt mit der GKV
Restbetrag zur Beihilfe wird durch günstige PKV Beamtentarife abgedecktggf. günstigere Beiträge für Beamte mit vielen Kindern, niedrigem Sold (Teilzeit, untere Gehaltsgruppe)
Umfangreichere und garantierte Leistungen über den Regelleistungen der GKVAnspruch auf die Kostenübernahme von beihilfefähigen Leistungen verfällt
individueller, bedarfsgerechter Gesundheitsschutz mit dem Baustein-Prinzip der PKVUmzug in ein Bundesland ohne pauschale Beihilfe ist folgenreich: da keine Unterstützung vom neuen Dienstherrn müssen GKV-Beiträge allein getragen werden
Abrechnung erfolgt mit Beihilfestelle und Versicherung, häufig ist eine Vorleistung nötigZuschusshöhe begrenzt auf die Hälfte des Höchstbetrags (Stand 2022: 353,14 Euro von 706,28 Euro)

Die Öffnungsklausel PKV: So gelangen Beamte mit Vorerkrankungen in die PKV

Was der privaten Krankenversicherung als Nachteil ausgelegt werden kann, ist die Tatsache, dass Beiträge nicht einkommensabhängig, sondern auf der Basis von Faktoren wie Alter und Gesundheit kalkuliert werden. Bezogen auf die Beamten in Hessen bedeutet dies für gesundheitlich vorbelastete Beamte, dass sie nur schwer in die PKV kommen oder mit üppigen Risikozuschlägen besonders „teuer“ versichert sind. Beamte mit bestimmten Vorerkrankungen haben sogar Probleme, überhaupt eine private Krankenversicherung zu finden.

Mit der Öffnungsaktion bzw. Öffnungsklausel der privaten Krankenversicherungen wurde hier gegengesteuert und der Zugang auch für Beamte mit schweren Vorerkrankungen oder Behinderungen erleichtert. Die Öffnungsklausel verpflichtet die teilnehmenden privaten Krankenversicherer (und das ist die Mehrheit) dazu, alle Beamte (und betroffene Angehörige), die aufgrund ihres hohen Gesundheitsrisikos mit hohen Zuschlägen konfrontiert wären, günstiger zu versichern: ohne Leistungsausschlüsse und mit beschränkten Risikozuschlägen (maximal 30 Prozent). Wichtig ist es, den Antrag fristgemäß zu stellen. Es gilt kein Höchstalter, allerdings einen Ausschluss von Leistungen des Beihilfeergänzungstarifs.

Mehr zur PKV Öffnungsklausel für gesundheitlich vorbelastete Beamte in Hessen lesen Sie hier:

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