DFSI Rating - 2016/2017 private Krankenversicherung

SUBSTANZKRAFT

Bei der Substanzkraft wurde die Substanzkraftquote mit 50%, versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote zu 15%, Nettoverzinsung mit 15%, Marktanteil und Versichertenanzahl mit jeweils 10% gewichtet.

Dabei kommt man beim Versicherer Central, DKV und AXA immer noch auf ein Gut. Nur die Mannheimer (wird in die Conti fusioniert) und HUK-Coburg auf ein“befriedigend“. Bei der Mannheimer kann man das befriedigend aufgrund der Fusion mit der Conti noch nachvollziehen.

Bei der HUK-Coburg kann man sicherlich darüber sprechen das die Bildung der RfB Quote (Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen) und auch die entsprechende Zuführungsquote unter dem Marktschnitt liegt. Man kann allerdings auch feststellen, dass die HUK-Coburg durch eine möglich gute Risikostruktur und restriktive Annahmepolitik weniger Beitragsanpassungen durchführt als andere Marktteilnehmer. Daher wäre es möglich, dass die weniger gebildete Rückstellung für Beitragsrückerstattungen legitim und unternehmenspolitisch gewollt ist. Weiterhin ist bei der Substanzkraft der HUK-Coburg anzumerken, dass diese seit mehr als zehn Jahren ein stetiges Wachstum der vollversicherten Personen verzeichnen. Davon können viele Anbieter seit 2013 nur noch träumen. Dies ist sicherlich dem Thema geschuldet, dass die HUK-Coburg weniger über alte Versicherte klagen an, da es sie erst seit 1987 am Markt gibt. Daher sind weniger Abgänge durch Tod anzunehmen.

Geschichte der HUK-Coburg: https://www.huk.de/ueber-uns/unternehmensstruktur/geschichte.jsp Dennoch ist nicht nachzuvollziehen, warum gerade die HUK-Coburg bei der Substanzkraft so schlecht abschneidet. Ja die Nettoverzinsung ist leicht unterm Branchenschnitt, der Markanteil bewegt sich ebenfalls kurz unterm Branchenschnitt, aber ein „befriedigend“ zu erhalten ist möglicherweise nicht wirklich zu rechtfertigen. Schließlich wurden 30 Anbieter bewertet und weniger als 10% erhielten eine schlechtere Bewertung als Gut. Für Marktteilnehmer ist nicht öffentlich nachvollziehbar dargestellt, wie bewertet wurde.

PRODUKTQUALITÄT

Hier wird zu 50% die Qualität des Produktes und die zu 50% die Produktvielfalt berücksichtigt. Hier nimmt es dann Zustände an, die man unter Umständen nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen kann.

Als bester Anbieter zeichnet sich die AXA Krankenversicherung aus. Was wurde denn konkret bei Vielfalt bewertet? Die DKV hat mehr als 680 Tarifkombinationen in allen Tarifwelten bis zu Unisex. Daher sollte die DKV ja hier sehr weit oben zu finden sein. Produktvielfalt ist im Rahmen der Entmischung aber eher negativ zu bewerten. Denn umso häufiger Tarife innerhalb der Gesellschaft gewechselt werden, umso geringer die Möglichkeit Beitragssteigerungen planbar zu gestalten. Jeder Kunde nimmt bei einem Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft seine Altersrückstellungen in den neuen Tarif mit. Die Altersrückstellungen, die zu viel gebildet wurden, werden beitragsmindernd verwendet und teilweise in die gesonderte Rückstellung gebucht. Häufig bleiben kranke und alte Kunden in Tarifen zurück und klagen über hohe Beitragssteigerung. Die Entmischung war in der Form nie so vorgesehen. Hat man daher eine kleine Tarifauswahl wie die Alte Oldenburger wirkt sich dies beitragsstabilisierend aus. Kunden können hier bei gleichen Leistungen keinen Tarifwechsel vornehmen, sondern durch Leistungsreduzierung ihre Prämie günstiger gestalten.

Um zurück zur AXA zu kommen, fragen wir uns immer noch, wie man nun auf den ersten Platz mit einem „exzellent“ kommt bei der Produktqualität ohne zu wissen was geprüft wurde. Wir stellen die Vermutung an, dass man sich natürlich nur mit UNISEX Tarifen die seit 2013 eingeführt wurden, beschäftigt. Diese sind von Neukunden ausschließlich wählbar.

Die AXA hat also vermeintlich den besten Tarif am Markt. Wir schauen uns das Mal genauer an.

Die AXA bietet folgende Tarife an:

  • EL-Bonus U (Einsteigertarif)
  • Vital 300- U oder Vital 900-U (Hochleistungstarif)

Daraus resultieren die folgenden Möglichen Tarifkombinationen

alle Hochleistungstarife sind für die Überprüfung einer PKV-Tarifoptimierung geeignet

Positiv beim Hochleistungstarif ist allemal, dass man folgende Leistungsmerkmale hat:

  • Offene Abrechnung der Gebührenordnung für Ärzte (also auch individuelle Honorarvereinbarungen sind mit dem Arzt anschließbar und erstattungsfähig, soweit medizinisch begründet und diese dem Anspruch nach Bedingungen Genüge tun)
  • Ambulante Transporte (sogar bei Serienfahrten)
  • Gemischte Anstalten
  • Chefarzt über der Gebührenordnung für Ärzte abrechenbar
  • 2-Bett-Zimmer
  • Künstliche Befruchtung
  • Soziotherapie
  • Palliativversorgung
  • Häusliche Krankenpflege

Negativ ist jedoch aufzuführen:

  • Vorsorgeuntersuchungen nur nach gesetzlich eingeführten Programmen
  • Einige Hilfsmittel sind in der Höhe begrenzt alle anderen müssen über den Versicherer bezogen werden, dieser entscheidet, ob es leihweise zur Verfügung gestellt wird oder für den Versicherungsnehmer käuflich erworben wird. Tut er dies nicht, kürzt der Versicherer auf 75%. Ausnahmen sind z.B. orthopädische Schuhzurichtungen.
  • Heilmittel mit begrenzten Leistungen einer Liste

Zahnleistungen sind bei Einsteiger- und Hochleistungstarif dazu buchbar, von Einsteiger bis Hochleistung. Zu beachten sind jedoch die Sachkostenlisten, die die Erstattung erheblich beeinflussen können.

Man kann also davon sprechen, dass der Tarif im Inhalt gute Bedingungen vorsieht. Um nun die Bewertung von „exzellent“ zu „gut“ zu verstehen, sehen wir uns mal die Alte Oldenburger an.

Die Alte Oldenburger ist Ihrer Bausteinserie treu geblieben und verzichtet nach wie vor auf Kompaktarife.

Die Alte Oldenburger bietet folgende Tarife an:

  • A106, A112, A118, A80/100, A90/100 (ambulant)
  • K30, K20, K/S (stationär)
  • Z100/80, Z80/60 (dental)

Positiv bei einer Variation im Hochleistungssegment sind folgende Leistungsmerkmale:

  • Freie Arztwahl
  • Offene Abrechnung der Gebührenordnung für Ärzte (also auch individuelle Honorarvereinbarungen sind mit dem Arzt anschließbar und erstattungsfähig, soweit medizinisch begründet und diese dem Anspruch nach Bedingungen Genüge tun)
  • Ambulante Transporte
  • Ausführliche Aufzählung von Heilmitteln ohne Einschränkung in der Abrechnungshöhe
  • Palliativversorgung
  • Offener Hilfsmittelkatalog
  • Chefarzt über der Gebührenordnung für Ärzte abrechenbar
  • 2-Bett-Zimmer
  • Zahnstaffel nur in den ersten drei Jahren

Negativ ist jedoch aufzuführen:

  • Psychotherapie wird nach vorheriger Zusage geleistet
  • Keine Soziotherapie
  • Keine häusliche Krankenpflege
  • Gemischte Anstalten nur nach vorheriger Zusage des Versicherers
  • Zahnleistungen sind auf den Höchstsatz begrenzt

Ernüchternd ist dabei, dass aus diesen Unterschieden ein Differenzwert von 26 Punkten entsteht, also mehr als 25% der verfügbaren Punkte. Dies ist weder im Leistungsinhalt noch in der Produktvielfalt zu erkennen. Die Alte Oldenburger hat sogar eine größere Tarifvielfalt durch die Bausteinserie.

Fazit: Es ist nicht transparent zu erklären, wie die Unterschiede sich ermitteln, da nach der DFSI auch die Produktgruppen Zusatzversicherung und Pflegezusatzversicherung einbezogen werden. Diese sind bei der Wahl der privaten Krankenversicherung jedoch nicht relevant.

SERVICE

Wir haben uns abschließend den Bereich Service des Ratings angesehen:

  • Allianz: 95,36 Exzellent
  • AXA: 80,11 Sehr gut
  • Alte Oldenburger: 30,00 Ausreichend

Hier wird aus der Beschwerdestatistik mit 30% und dem DFSI Test mit 70% gewertet. Man gewinnt bei einem „ausreichend“ wirklich den Eindruck, dass der Versicherer einfach nie äußerst oder meldet. Das können wir aber nicht nachvollziehen oder belegen.

Dennoch sprechen auch die Beschwerdestatistiken (2015) für sich:

  • Allianz: 13,4 (Branchenschnitt liegt bei nur 4,9)
  • AXA: 7,2
  • Alte Oldenburger: 3,7

Die Alte Oldenburger ist hier ein Unternehmen, welches augenscheinlich Beschwerden Ihrer Kunden selbst löst, soweit welche entstehen. Die Allianz ist hier einer der führenden, da viele Beschwerden über die BAFIN bearbeitet wurden. Hierbei wird die Anzahl der Versicherten Personen entsprechend berücksichtig, da die Allianz mehr Kunden als die Alte Oldenburger hat.

Alle Details des Ratings finden Sie hier: DFSI Institut

Fazit: Man sollte als Neukunde oder Wechselwilliger in der privaten Krankenversicherung nicht nur Ratings in Betracht ziehen zur Meinungsbildung, da diese auch Produkte Pflegezusatzversicherung und Zusatztarife mit einbeziehen, diese aber bei der Wahl der privaten Krankenversicherung keine Rolle spielen. Gerade im Bereich der Substanzkraft kann man sich Ratings ansehen, um einen Eindruck zu den Kennzahlen und der Finanzkraft zu erhalte. Bei der Produktbewertung ist allerdings höchste Vorsicht geboten. Lesen Sie mit einem Profi die Bedingungen. Die Servicequalität sollten Sie ausschließlich von der Beschwerdestatistik der BAFIN ableiten.

Wir haben seit mehr als 16 Jahren Erfahrung im Bereich der privaten Krankenversicherung und stellen in unseren Beratungen jeden Tag fest, dass die Wahl des richtigen Unternehmens und der Bedingungen nicht wieder gut zu machen ist. Gerade der Service schwankt stark je nach Geschäftspolitik, die sich durch Änderung der Vorstände und Unternehmenspolitik ändern kann. So haben wir bei vielen unserer AXA Kunden Leistungskürzungen die sich erst durch einen Widerspruch auflösen lassen. Einige Versicherer reagieren gar überhaupt nicht auf Wünsche der Kunden. Wichtig ist daher ein klares Bedingungswerk auf das Sie sich berufen können. Wir beraten mehr als 6000 Kunden jedes Jahr. Sprechen Sie mich gerne persönlich an unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die richtige Wahl der privaten Krankenversicherung bestimmt ihr weiteres Leben.