Fakten-Check: Die fünf häufigsten Irrtümer zur PKV

Seit Jahren stagniert die Zahl der PKV-Versicherten bei knapp 9 Millionen. Fakt ist, dass im vergangenen Jahr von der GKV in die PKV genauso viele Versicherten wechselten wie umgekehrt. Auch gibt es in der Politik immer lauter werdende Forderungen, die PKV abzuschaffen und zum Beispiel durch eine einheitliche Bürgerversicherung zu ersetzen. Andererseits gaben laut einer Emnid-Umfrage aus 2010 79 Prozent der PKV-Versicherten an, sich im Krankheitsfall besser abgesichert zu fühlen als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Trotz dieser Entwicklungen hat die private Krankenversicherung weiterhin ihre Berechtigung und es wird sie auch zukünftig geben. Warum der teilweise vermittelte Negativtrend nicht stimmt, entlarven wir in diesem Beitrag. Wir beleuchten die weitverbreitetsten Irrtümer und räumen mit falschen Vorurteilen auf.

 

1. „In der PKV steigen die Beiträge schneller als in der GKV“

Eine Bestandsaufnahme: Seit 2007 steigen die PKV-Beiträge laut der Assekurata mit Ausnahme der Beamten-Tarife durchschnittlich um 53 Prozent, was einer jährlichen Steigerungsrate von 4,2 Prozent entspricht. Neben der Inflation gelten Mehrausgaben für neue medizinische Behandlungen, Verfahren und Medikamente sowie der anhaltende Niedrigzins als Hauptursachen.

Viele wissen nicht, dass die private Versicherungswirtschaft strengten staatlichen Kontrollen unterliegt. Das wirkt sich auch darauf aus, dass Versicherungen nicht willkürlich ihre PKV-Beiträge anheben dürfen, sondern erst dann, wenn konkrete Kriterien erfüllt sind. Hierzu zählen unter anderem steigende Behandlungskosten oder Veränderungen der Sterbetafel, also höhere Lebenserwartungen.

Diese gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge wirken sich auch auf die Beitragshöhe der gesetzlichen Krankenkasse aus. Das heißt, immer weniger Beschäftigte müssen für immer mehr Rentner die Beiträge finanzieren. Höhere Beitragssätze und individuelle Zusatzbeiträge bei den einzelnen Kassen sind die Folge – ganz abgesehen von Leistungseinschränkungen wie höheren Eigenbeteiligungen oder sogar dem vollständigen Wegfall einer Leistung.

 

Beitragsentwicklung PKV und GKV im Vergleich (2008 bis 2018)

Die Grafik zeigt, dass die Beitragshöhen in der GKV sehr kontinuierlich ansteigen, während der Anstieg bei der PKV sprunghafteren Charakters ist. Seit 2013 liegen die Steigerungsraten bei der PKV unter der der GKV. Somit steigen die Beiträge in der PKV langsamer als bei der gesetzlichen Krankenversicherung.

 

2. „Die PKV wird im Alter zu teuer“

Richtig ist, dass das Risiko zu erkranken mit steigendem Alter statistisch zunimmt und entsprechend die Kosten durch häufigere Arztbesuche, Klinikaufenthalte sowie durch einen erhöhten Bedarf an Medikamenten steigen. Um diesem Effekt entgegenzuwirken und den PKV-Beitrag im Alter stabil zu halten, zahlen Versicherte von Anfang an sogenannte Altersrückstellungen, die seit dem Jahr 2000 auf 10 Prozent festgeschrieben sind. Die angesparten Beiträge werden von Ihrem PKV-Anbieter verzinslich angelegt, um Beitragserhöhungen ab 65 Jahren, also zum Renteneintritt, aufzufangen.

Anders ausgedrückt: Sind die Versicherten in Ihrem Tarifkollektiv überdurchschnittlich gesund und wurden ausreichend Alterungsrückstellungen eingezahlt, können die PKV-Beiträge im Alter sogar unterdurchschnittlich ausfallen.

 

3. „In der GKV bin ich doch genauso gut versorgt“

Es gibt zwar unseres Wissens keine Untersuchung mit einem Vergleich der Sterblichkeit zwischen den zwei Gesundheitssystemen, aber wir sehen drei gute Gründe, warum die PKV in den gebotenen Leistungen besser dasteht.

Wie oben erwähnt, können in der gesetzlichen Krankenversicherung Leistungen gekürzt oder eingeschränkt werden. Was früher noch vollständig oder teilweise zum Beispiel Zahnleistungen übernommen wurde, müssen gesetzlich Versicherte mittlerweile teilweise oder ganz selbst bezahlen. Anders sieht es für Sie als Mitglied einer privaten Krankenkasse aus. Hier werden die Leistungen bei Vertragsunterschrift festgeschrieben und dürfen nicht einseitig von Ihrem Anbieter verändert werden.

Zweitens haben Sie bei der PKV in aller Regel die Möglichkeit, auf den Leistungsumfang einzuwirken beziehungsweise aus dem meist umfangreichen Tarifangebot ein Angebot frei zu wählen, das Ihren Wünschen am nächsten kommt. Ohne weitere Kosten sind typischerweise Leistungen wie Chefarztbehandlung, Ein- oder Zweibettzimmer, Übernahme von Heilpraktiker-Leistungen, höhere Zuschüsse für Sehhilfen oder Zahnersatz in vielen Tarifen der PKV bereits enthalten. Die GKV bietet dagegen oftmals nur eine Grundversorgung und einen festgelegten Leistungskatalog, der nur wenig Spielraum für die individuelle Profilbildung einzelner gesetzlicher Krankenkassen lässt.

Drittens erhalten Privatpatienten häufig schneller einen Termin bei (Fach)ärzten. Grundsätzlich ist für sie der Zugang zu neuen Behandlungsmethoden und Medikamenten leichter, da die behandelnden Ärzte in der Regel nicht durch die Budgetgrenzen je Patient eingeschränkt werden.

Als Versicherter in einer PKV geht die Versorgung in aller Regel über die Grundversorgung der GKV hinaus, die zunehmend von Einschränkungen bedroht ist. Zudem kann die Absicherung in der privaten Krankenversicherung unterschiedlich stark individualisiert und im besten Fall maßgeschneidert werden.

 

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4. „Wenn ich in einen günstigeren PKV-Tarif wechsle, muss ich Einschnitte bei den Leistungen hinnehmen“

Das kann, muss aber nicht so sein. Abgesehen von den Sozialtarifen wie Basistarif, Standard-Tarif und Notlagen-Tarif, die günstiger und tatsächlich immer mit Einbußen in den Leistungen verbunden sind, bietet die private Krankenversicherung mit dem internen Tarifwechsel eine gute Möglichkeit, die Prämien ohne Leistungseinbußen zu reduzieren.

Durch eine Gesetzesänderung in 2009 können Privatversicherte in andere Tarife bei ihrem PKV-Anbieter wechseln, ohne ihre bisher gesammelten Altersrückstellungen und anderen Rechte zu verlieren. Dass sich ein interner Wechsel lohnt, liegt daran, dass die meisten Versicherer gleich mehrere Tarife mit vergleichbaren Leistungen anbieten. Häufig sind es neuere Tarife, die mit einem aktualisierten Leistungsportfolio und günstigeren Konditionen neue Mitglieder anlocken sollen. Mit dem Tarifwechselrecht nach § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) erhalten nun auch langjährige Privatversicherte die Möglichkeit davon zu profitieren.

Zwar sind die privaten Krankenversicherer dazu verpflichtet, wechselwilligen Versicherten kostengünstigere Tarifalternativen anzubieten; in der Praxis zeigen diese sich jedoch meist nicht besonders kooperativ und legen, wenn überhaupt, nicht alle oder nicht die besten Alternativen offen. Empfehlenswert ist es daher, für einen internen Tarifwechsel unabhängige Versicherungsexperten wie Koptimal.de zu beauftragen, Ihre Tarifoptionen zu prüfen und Ihnen zu deutlichen Beitragseinsparungen zu verhelfen.

Mit Ihrem Recht auf einen internen Tarifwechsel können Sie in jüngere Tarife bei Ihrem Versicherer wechseln, die oftmals mehr Leistungen umfassen und sogar günstiger sein können.

 

5. „Die PKV ist nichts für Familien“

Auf den ersten Blick erscheint die Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen als günstigere Variante, da alle Familienmitglieder zum Beispiel beim Hauptverdiener kostenlos mitversichert sind. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bei der PKV für alle Familienmitglieder, auch die Kinder, ein eigener Vertrag geschlossen werden muss.

In der Praxis hängt es von mehreren individuellen Faktoren (Mutterschutz, Elternzeit, Teilzeit) ab. Bei Beamten mit Kindern beispielsweise ist die private Krankenversicherung üblicherweise immer die günstigere Wahl. Aber auch Arbeitnehmer und Selbständige können im Vergleich zu den einkommensabhängigen hohen Tarifen in der GKV von einem günstigen und hochwertigen PKV-Tarif und ebenso günstigen Kindertarifen profitieren. PKV-Tarife für Kinder kosten durchschnittlich etwa 120 Euro im Monat.

Trotz der kostengünstigen GKV-Familienversicherung muss hier das Ganze im Blick behalten werden. Die preiswerteren PKV-Tarife können in Summe unterhalb des einkommensabhängigen GKV-Satzes bleiben. Hier lohnt es sich, verschiedene Angebote einzuholen.

 

Fazit

Hier erklären wir, warum die PKV viel besser als ihr Ruf ist und dass es viele unberechtigte Vorurteile gibt. So stimmt es gar nicht, dass die Beiträge in der PKV stärker ansteigen würden als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Gegenteil, die durchschnittliche Beitragsentwicklung in der PKV bleibt seit Jahren hinter der der GKV zurück. Ähnlich falsch ist die Annahme, dass der Wechsel in einen anderen Tarif immer Leistungseinschnitte nach sich zieht. Mit einem internen Tarifwechsel können Sie sogar von besseren Leistungen zu einem günstigeren Preis profitieren.

 

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