Die private Krankenversicherung ist eine komplizierte Geschichte. Der Eintritt in das private System ist für viele Menschen möglich. Ein Massenprodukt, welches nicht in die Massen gehört. Es gibt ein grundsätzliches Missverständnis darüber, was ein PKV-Vertrag ist und wie die Private funktioniert. Versicherer und Versicherungsvertreter können ohne Auflagen PKV verkaufen. Und alle machen dabei Fehler. Wir zeigen anhand Allianz, DKV, Signal und einem PKV-Makler, was falsch läuft.

 

Fehlerhafte Beratung in der PKV

Klasse statt Masse? In Deutschland sind insgesamt 225.805 Menschen als Versicherungsvermittler im offiziellen Vermittlerregister (Stand 01.04.2017) registriert. Jeder dieser Vermittler darf im PKV-Bereich beraten. Es gibt keine spezielle Qualifikation, welche abgelegt werden muss, um Kunden in das PKV-System zu überführen. Die Vergütung erfolgt in der Regel auf Provisionsbasis. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die private Krankenversicherung zu einem Vertriebsprodukt entwickelt: leicht zu verkaufen, toll zu bewerben. Dabei ist das PKV-Produkt komplex und von ständiger Pflege abhängig. Gerade hier liegt ein Systemfehler.

 

Was erlauben Allianz?

Versicherer haben Schwierigkeiten Kunden nachhaltig zu beraten. Fast täglich sprechen wir mit Kunden wie diesem: Max Müller, 53 Jahre, Allianz (ehemals Vereinte) versichert, 550 Euro Beitrag. Jahreseinkommen 100.000 Euro, sechs Monate Lohnfortzahlung und seit 1998 mit deutlichen Leistungsdefiziten versichert. Panisch bei dem Gedanken, nie wieder in das GKV-System zurückzukommen.

Folgende Leistungen bietet die Allianz Neukunden an, fehlen beim Herrn Müller:

  • Logopädie und Ergotherapie
  • Offener Hilfsmittelkatalog.
  • Heilpraktiker
  • Transporte bei Gehunfähigkeit.
  • Häusliche Krankenpflege
  • Psychotherapie
  • Wahlleistungen (muss eigentlich bei jedem PKV-Tarif dabei sein)
  • Transporte ohne KM-Begrenzung

Zusätzlich hat der Versicherungsnehmer Krankentagegeld (Lohnfortzahlung) ab dem 43. Tag mit einem Tagessatz von 51,13 Euro versichert. Im Krankheitsfall stehen 983 Euro Lohnfortzahlung zur Verfügung. Anstatt ca. 5.000 Euro Gehalt.

Nachdem wir den Kunden beraten und informiert haben, stellen wir den Vertrag auf neue Leistungen um. Ein Beitragsentlastungstarif schützt vor hohen Beiträgen im Alter. Der Kunde versteht jetzt seine Situation. Die Allianz hatte 19 Jahre Zeit dem Kunden zu helfen. Stattdessen werden wir mit einem Standardschreiben abgewiesen. Der Hinweis auf die Komplexität des Themas beweist aber Humor:

 

 

 

Krankenversicherungsmakler kaum besser

Hans Meier, 53 Jahre, 17 Jahre DKV, 546 Euro nach 61 Euro Beitragserhöhung, inkl. 200 Euro Beitragsentlastung ab den 65. Lebensjahr und Pflegezusatztarif. Die Lösung aller Probleme: Wechsel der Gesellschaft. Signal, Komfort-Plus 2 für 620 Euro. Ohne Pflegezusatz- oder Entlastungstarif. Aber 500 Euro weniger Selbstbehalt.

Nachteile für den Kunden durch den Versichererwechsel:

  • Verlust der Altersrückstellungen.
  • Verlust privater Alterungsrückstellungen (Tarif V – ca. 7.000 Euro).
  • Verlust Ansparung gesetzlicher Zuschlag (Tarif GBZ – ca. 4.000 Euro).
  • Verlust Option auf Standardtarif im Rentenalter.
  • Summenbegrenzung Zahnbereich.
  • Neue Staffelung Beitragsrückerstattung, bzw. Pauschalleistung.
  • Entfall Einbettzimmer und unbegrenzte Arzthonorare.
  • Begrenzte Leistungen für Implantate.

 

In Summe 11.000 Euro nachvollziehbarer  Verlust nimmt kein Kunde im Kauf, der die Thematik versteht. Alle Versicherer haben ähnliche Tarife. Es gibt nur wenige Gründe, mit Beginndatum vor 2009, einen PKV-Anbieter wechseln. Alle gewünschten Leistungen erhält der Kunde auch beim alten Versicherer. Doch auch die Frage, nach der Verantwortung der Signal muss gestellt werden. Natürlich ist es rechtlich in Ordnung Kunden zu versichern. Fachlich ist es aber höchst fragwürdig was hier passiert. Zumal der finanzielle Verlust des Kunden durch den Wechsel enorm ist. Sind sich die Versicherer noch immer nicht ihrer Verantwortung bewusst?

 

 

 

DKV unterstützt nur halbherzig und intransparent

Natürlich hat der Kunde auch die DKV informiert und um Hilfe gebeten. Die DKV hat einen Tarif angeboten. BMK (1-4), einziger Unterschied der Selbstbehalt, verteilt auf 16 Seiten Papier, in Schriftgröße sechs bis acht. Viel Spaß bei Lesen. Alle Vorschläge waren teurer als der alte Tarif. Was lustig ist, denn der Kunde möchte ja sparen. Rund 30 kleine Pfeile pro Seite, welche fünf Richtungen darstellen können, deuten die Veränderungen der Leistungen an. Kein einziger Bisextarif wurde angeboten. Auch der Mehrwert aus Tarif V wurde nicht erklärt. Hat die DKV kein Interesse an einem zufriedenen Kunden?

 

 

Was läuft schief im Hause PKV?

Rund 9 Mio Menschen sind privat versichert. Versicherer unterstützen unsere unabhängige Beratung im PKV-Bereich nicht. Dabei schaffen wir mehr Kundenzufriedenheit, als teure Werbekampagnen. Tatsächlich wären wohl viel weniger Kunden privat versichert, wenn das PKV System richtig erklärt werden würde. Dazu fällt mir ein inoffizieller Slogan unserer Firma ein:

 

Wir beraten Sie so, wie Sie beraten hätten werden sollen, als Sie sich privat versichert haben.

 

Ein Produkt, welches jeder Mensch haben muss (Pflicht auf Krankenversicherung), welches der Planungswillkür der Versicherer ausgeliefert ist (Kalkulation der Beiträge) und nicht wieder gekündigt (Rückkehr in das gesetzliche System) werden kann, sollte nicht von privaten Unternehmen vertrieben werden. Oder aber strenger reguliert sein. Insbesondere die fachliche Kompetenz und die wirtschaftliche Integrität der beratenden Unternehmen muss gegeben sein. Das PKV-System ist für Versicherer zu komplex um in den bisherigen Strukturen qualitative Beratung leisten zu können. Theoretisch könnten versierte Maklerunternehmen diese Dienstleistung erbringen. Doch die Versicherer setzen sich indirekt für eine Beschneidung der Maklerrechte (IDD) ein. 

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