Leistungsunterschiede bei Vorsorgeuntersuchungen – ein Überblick

Vorsorgeuntersuchungen gehören seit den Siebzigern zum Leistungskatalog der Krankenversicherungen. Sie wurden eingeführt, um die am häufigsten auftretenden Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumore oder Diabetes so früh wie möglich zu erkennen und größtmögliche Heilungschancen zu erreichen. Das bringt nicht nur den Versicherten Vorteile, sondern auch den Krankenkassen, die höhere Kosten für Behandlungen von zu spät erkannten Erkrankungen einsparen wollen.

 

In aller Regel sind die Leistungen im Bereich Vorsorge bei den privaten Krankenkassen umfangreicher als bei den gesetzlichen Krankenkassen. Bei Letzteren gibt es ein einheitliches Rahmenprogramm, insofern sind die Leistungen aller GKV-Anbieter mehr oder weniger gleich.

 

GKV-Vorsorgeprogramm: „Mindestleistungen“ im Bereich Vorsorge

 

Hier finden Sie eine Übersicht mit den von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlten Vorsorgeuntersuchungen („Mindestleistungen“). Diese Leistungen werden in der Regel auch von der PKV übernommen:

 

VorsorgeuntersuchungBeschreibungBeispiele
Früherkennung von Krebs Gebärmutterhalskrebs ab 20 J. Pap-Test
  Mammographie-Screening ab 50 J.  
  Brustuntersuchung ab 30 J., Prostatauntersuchung ab 45 J.  
  Hautkrebs-Screening ab 35 J.  
  Darmspiegelung ab 55 J. 2 x alle 10 Jahre
Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Aneurysmas der Bauchschlagader einmalig
  für Männer ab 65 J.  
Gesundheits-Check-up Blutdruckmessung, Blutproben zur Ermittlung der Blutzucker- und Cholesterinwerte, Urinuntersuchung  
  alle 2 Jahre ab 35 J.  
Kinder- und Jugenduntersuchungen U-Untersuchungen (U1 - U9) bis 6 J.  
  J-Untersuchungen (13 - 14 J.)  
Schutzimpfungen Regelimpfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche u. a. Hepatitis B, Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Masern, Keuchhusten, Mumps, Röteln, Varizellen, Humane Papillomaviren für Mädchen (12 - 17 J.)
  Auffrischimpfungen bei Erwachsenen  
Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung Ultraschalldiagnostik, z. B. Infektionen oder HIV-Test
  Blutuntersuchungen und Beratung während und nach der Schwangerschaft  
Zahnvorsorge-Untersuchungen alle vier Monate bis 3 J.  
  halbjährlich bis 18 Jahre  
  jährlich ab 18 J.  


Bei Vorerkrankungen oder Risikopatienten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen häufig weitere Leistungen beziehungsweise gewähren kürzere Abstände zwischen den Untersuchungen. Das betrifft zum Beispiel Diabetiker, für die eine Glaukom-Früherkennung kostenlos ist. Bei Versicherten mit Parodontitis wird die Professionelle Zahnreinigung als Therapieleistung übernommen. 

 

Das leisten die wirklich guten PKV-Tarife im Bereich Vorsorgeuntersuchung

Private Krankenkassen orientieren sich zwar am GKV-Rahmenprogramm, bieten aber teilweise mehr Leistungen kostenfrei oder mit geringen Zuzahlungen an. So können Privatpatienten Vorsorgeuntersuchungen häufig auch unabhängig vom Geschlecht und Alter wahrnehmen. Je nach Krankenkasse und gewähltem PKV-Tarif werden unterschiedliche Vorsorgeuntersuchungen übernommen. Auch die GKV hält mit ihren Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) zusätzliche Angebote, die allerdings kostenpflichtig sind, parat.

 

Hier finden Sie eine Übersicht mit von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlten Vorsorgeuntersuchungen. Die Kostenübernahme von der PKV hängt vom Anbieter und vom gewählten Tarif ab:

VorsorgeuntersuchungBeschreibungEmpfohlen
Atemtest Nachweis von Helicobacter-Infektionen Frauen und Männer mit Verdauungsbeschwerden
Blutuntersuchungen zur Früherkennung von Bluthochdruck, Kreislauferkrankungen und Stoffwechselstörungen Blutbild, Immunwerte Hormone, Blutfette, Eiweiße, Metalle und Vitamine altersunabhängig
Doppler-Sonografie der großen Gefäße (Kopf, Hals, Bauch, Beine) Richtung und Geschwindigkeit des Blutes wird gemessen, um Engstellen und Verschlüsse zu erkennen bei Bedarf (nach Schlaganfällen, Risikopatienten) ab 30 Jahren
Echokardiografie Ultraschall vom Herz altersunabhängig, bei Bedarf
Glaukom-Früherkennung (Grüner Star) Messung von Augeninnendruck und Augenspiegelung ab 40 J.
Hormonspiegel/ Testosteronwert Bluttest bei Bedarf Männer ab 40 J.
HPV-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs Abstrich + Labortest auf HP-Viren Frauen ab 30 Jahren, alle 5 Jahre
Professionelle Zahnreinigung   altersunabhängig, 1 - 2 Mal im Jahr
PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs Bluttest Männer ab 45 Jahren, jährlich
Ultraschall zur Früherkennung von Brustkrebs Ultraschall Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, alle 2 Jahre

 

 

Was muss ich bei der Auswahl des optimalen PKV-Tarifs beachten?

Welche Vorsorgeuntersuchungen ein PKV-Tarif zahlt, steht in den Vertragsbedingungen. Daher sollte vor der Vertragsunterzeichnung geprüft werden, ob die für Sie relevanten Leistungen im Bereich Vorsorge enthalten sind. Wenn der Tarif eine Beitragsrückerstattung beinhaltet ist vorab zudem zu klären, ob auch Vorsorgeuntersuchungen als Inanspruchnahme von Leistungen gelten. Bei vielen Tarifen können Privatversicherte Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und – sofern keine anderen Leistungen abgerechnet wurden – dennoch ihre Beitragsrückerstattung erhalten. Ähnlich verhält es sich beim Selbstbehalt.

 

Wer überlegt, seinen PKV-Tarif auch unabhängig von den gebotenen Vorsorgeleistungen zu wechseln, sollte einen internen PKV-Tarifwechsel prüfen lassen. Weitere Informationen zum internen Tarifwechsel und Ihren Einsparmöglichkeiten erfahren Sie hier.

 

Fazit

Gute PKV-Anbieter rechnen die Kosten nicht auf den Selbstbehalt an und zahlen auch bei Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchungen eine Betragsrückerstattung. Somit belohnen sie ihre Mitglieder bei ihrem vorbildlichen Verhalten. Zusammenfassend muss man feststellen, dass das Vorsorgeangebot in Deutschland zwar gut ist, aber noch zu wenig genutzt wird. Obwohl mittlerweile viele sinnvolle Vorsorgeleistungen von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen werden, nutzen vergleichsweise wenige Versicherte die Angebote. Zur Krebsfrüherkrankung gehen nur etwa 50 Prozent der Frauen ab 20 Jahren. Bei den Männern ab 45 Jahren sind es sogar nur etwa 20 Prozent.