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Mit der richtigen PKV-Strategie sorgenlos PKV versichert

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Björn Kotzan
17. August 2022
Mit der richtigen PKV-Strategie sorgenlos PKV versichert

Fast alle PKV-Kunden sind ohne langfristige Strategie in die private Krankenversicherung gewechselt. Eine solche Planlosigkeit führt oft zu Unzufriedenheit und was noch schwerer wiegt: Fast alle PKV-Kundin haben ein großes Armutsrisiko. Wir haben aus über 20 Jahren Praxiserfahrung eine PKV-Strategie entwickelt, welchen Ihnen hilft, die gefährlichsten Klippen auf Ihrer PKV-Reise zu umschiffen.


Damit ist unsere First-Things-First Strategie für Sie der optimale Leitfaden für eine risikofreie und langfristig gute PKV-Versorgung.

Inhalt

Ohne Strategie und Wissen sind Entscheidungen oft falsch

Die richtige Strategie entscheidet privat oder beruflich über den Erfolg. Ob nur der Urlaub geplant wird oder ein wichtiges Projekt organisiert werden soll: Der Weg zum Erfolg führt über die Planung. Das sollten Sie auch im PKV-Bereich machen.

Im Wesentlichen geht es darum, dass Sie Handlungen vermeiden, die Sie in den finanziellen Ruin stürzen können. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Beispielen:

  • Aktiengeschäfte auf Kreditbasis tätigen
  • Baukredit über der möglichen Belastungsgrenze aufnehmen
  • Zu hohe Konsumausgaben haben

Eigentlich sind die Regeln ganz einfach. Immer klug handeln. Und genauso ist es auch in der privaten Krankenversicherung. Sicher handeln 90% aller PKV-Kunden wie Amateure. Es ist völlig egal, welche Aufgaben Sie lösen wollen, gehen Sie wie ein Amateur vor, wird es entweder teuer oder es funktioniert nicht.

Im Versicherungsbereich gesellt sich ein weiteres Problem dazu: Niemand von uns hatte das Schulfach „Versicherungen“ in der Schule. Deswegen haben Sie trotz akademischen Grad keinerlei Grundbildung in Versicherungsangelegenheiten. Das macht Entscheidungen zusätzlich noch schwieriger. Denn das PKV-Thema ist komplex und hat viele Auswirkungen auf andere Versicherungsarten. Wer Zusammenhänge nicht kennt oder versteht, kann keine klugen Entscheidungen treffen.

Du weißt nämlich nicht, was Du nicht weißt.

Beate Sander, besser bekannt als „Börsen-Oma“ wurde in einem Podcast der Stuttgarter Börse nach ihrem Erfolgsgeheimnis an der Börse gefragt. Die Antwort war überraschend einfach: Die Börsen-Oma versuchte zu verstehen, was ein Unternehmen macht. Wenn ihr das gefiel, hat sie investiert.

Dieser Leitfaden hilft Ihnen beim Verstehen der PKV. Denn nur wenn Sie die PKV verstehen, können Sie klug handeln.

Warum sind Sie privat krankenversichert?

Als PKV-Berater habe ich in den letzten 20 Jahre mit über 25.000 PKV-Kunden gesprochen. Ein Großteil der Versicherten ist in die PKV gewechselt, weil die PKV günstiger war als die gesetzliche Kasse. Das ist so ähnlich, als ob Sie heute Wirecard-Aktien kaufen, weil der Kurs billiger als vor 2 Jahren ist. Wie auch immer: mit Beate Sanders Erfolgsgeheimnis hat diese Art der Entscheidung nichts zu tun.

Vergleichbar ist das auch mit einer Investition in Aktien oder Kryprowährungen, wenn man sich nicht auskennt. Sowas kann funktionieren, kann aber auch nicht funktionieren. Wichtiger Unterschied zur PKV: Aus einem Investment können Sie im Notfall aussteigen – aus der PKV können Sie nicht mehr aussteigen. Was folgt, ist immer eine Enttäuschung.

Was sind die Klassiker der PKV-Enttäuschungen?

Immer dann, wenn sich Hoffnungen oder Wünsche nicht erfüllen, entsteht eine Enttäuschung. Sie haben bestimmt auch Hoffnungen oder Wünsche, die Ihr PKV-Vertrag erfüllen soll. Fehlen dann noch Sachkenntnisse zum Thema, können auch unverhältnismäßige Wünsche entstehen. Die Klassiker der Enttäuschungsauslöser sind:

  • Medizinische Kosten werden nicht übernommen
    Ob Sie gute Leistungen haben, sehen Sie immer erst im Leistungsfall. Darum gilt es, Leistungen auszuwählen, als wenn Sie grad einen Schlaganfall erlitten hätten. Denn nur dann haben Sie ein Gefühl, welche Leistungen wichtig sind.

    Dazu altern Versicherungstarife. Das ist ähnlich wie bei Autos. Im Jahr 1989 kam der Golf 2 auf den Markt.

    Ein PKV-Vertrag von 1989 ist ähnlich „modern“ ausgestattet wie der Golf 2 – heutzutage sind bestimmte Leistungen der alten Tarife nicht mehr zeitgemäß. Sie ändern Tarife durch einen Tarifwechsel oder Neuabschluss (wenn Versicherungsbeginn nach 2009 aufgrund Portabilität von Alterungsrückstellungen).

  • Sind meine Beiträge stabil?
    Es gibt keine stabilen Beiträge in der PKV. Wir alle wünschen uns jährlich mehr Gehalt. Gleiches gilt für die medizinische Versorgung. Diese soll nach Möglichkeit immer besser werden, damit wir schneller gesund werden. Fortschritt kostet aber Geld. Wenn Sie immer die neuste Medizin im Krankheitsfall haben wollen, muss der Beitrag der PKV steigen dürfen. Auch die Inflation und die steigende Lebenserwartung spielen eine Rolle.
  • Mein Versicherer ist nicht serviceorientiert genug
    Kommunikationswege werden immer kürzer und schneller. Es ist eine Herkulesaufgabe, alle Kundenanliegen immer zeitnah zu klären. Grundsätzlich sollte auch der Berater bei Fragenklärung mithelfen. Trotzdem kann es auch mal dauern, bis Rechnungen erstattet werden. Mitunter auch mal 8 Wochen. Planen Sie solche Zeiträume ein. Doch nun zu unserer PKV-Strategie.

First-Things First – das Wichtigste zuerst

Unsere First-Things-First PKV-Strategie hilft Ihnen dabei, Ihren PKV-Vertrag richtig aufzubauen. Dabei sollten Sie eine klare Strategie verfolgen und immer erst das Wichtigste zuerst absichern.

Ziel ist es, alle finanziellen Risiken, welche durch falsche Tarifkombination entstehen, zu vermeiden. Im Endeffekt schlummern in vielen PKV-Verträgen große finanzielle Risiken, welche bis zum Hartz_IV-Status führen können.

Mir ist es wichtig zu erwähnen, dass Sie nicht alle Punkte ändern müssen, die wir in Ihrem PKV-Vertrag finden. Sie sollten aber alle Punkte dieser Strategie kennen, um später Enttäuschungen zu vermeiden.

Die First-Things-First Strategie umfasst 5 Punkte und sorgt für den richtigen Vertragsaufbau.

1. Die richtigen Leistungen versichern

Es gibt über 16.000 PKV-Tarife in Deutschland und fast alle Versicherer sind finanziell stark aufgestellt. Deshalb ist es nicht wichtig, bei welchen Versicherer Sie sind, sondern nur, welche Leistungen Sie versichert haben. Zum Beispiel hat der Tarif CB von der Continentale unterirdische Leistungen. Dafür war der Tarif früher aber sehr billig. Praktisch ist der Tarif CB einer der schlechtesten PKV-Tarife am Markt.

Um das Thema schlechte Leistungen zu verdeutlichen, vergleiche ich Tarif CB mit dem Continentale Tarif Premium.

Legende:

  • Heilmittel sind Therapien im ambulanten Bereich wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Podologie, etc.
  • Hilfsmittel sind medizinische Geräte wie zum Beispiel Rollstühle, Beatmungsgeräte, Dialysegeräte, etc.
  • Sehhilfen sind Brillen oder Kontaktlinsen
  • Heilpraktiker wäre unter anderem auch die osteopathischen Behandlungen.
  • Gebührenordnung ambulant 2,3-facher Satz sind Arzthonorare bis zum Regelsatz – aber kein Höchstsatz.
  • Ambulante Transportkosten sind unter anderem im Krebsfall wichtig.

Wer im Tarif CB erkrankt, wird vor hohen finanziellen Belastungen stehen. Ganz schlimm wird es, wenn Kinder geboren werden mit Erkrankungen. Dann dürfen die Kinder nur in diesem Tarif versichert werden. Siehe Thema Kindernachversicherung in der PKV.

Dazu gibt es noch eine Besonderheit bei der Continentale private Krankenversicherung. Der Versicherer verhindert unserer Meinung nach aktiv Leistungsverbesserungen durch einen Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft. Der Gesetzgeber sieht vor, dass Kunden den Tarif innerhalb der Gesellschaft (§204 VVG) wechseln dürfen. Doch die Continentale legt dieses Recht sehr streng zum Nachteil der Kunden aus. Damit ist für alle CB Kunden (oder Kunden in anderen schwachen Tarifen) oft Leistungsendstation. Das ist der Hauptgrund, warum wir für Neukunden die Continentale nicht mehr empfehlen können. Hier können Sie mehr dazu lesen: Continentale PKV – Hui oder Pfui? (kvoptimal.de)

Merksatz: Stellen Sie sicher, dass Sie gute Leistungen versichert haben. Denn nur wenn Sie im Krankheitsfall möglichst viele Kosten vom Versicherer ersetzt bekommen, werden Sie zufrieden sein. Denken sie dabei nicht aus Sicht eines gesunden 30-jährigen, sondern aus Sicht eines 60-jährigen. Heilmittel, Hilfsmittel, Transporte. Sowas muss geregelt sein, – solange Sie die Leistungen noch nicht brauchen!

2. Lohnfortzahlung richtig absichern

Ihr PKV-Vertrag hat gute Leistungen und kostet Geld. Das ist aktuell kein Problem, denn Sie arbeiten und verdienen Geld. Doch Sie müssen den Vertrag auch immer bezahlen können, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können.

Gerade Arbeitnehmer haben es komfortabel. Denn der Arbeitgeber trägt bis zum Höchstsatz 50% vom Beitrag. Doch der Arbeitgeberzuschuss zur PKV entfällt, wenn Sie länger als 6 Wochen erkranken. Der Arbeitgeberzuschuss entfällt ebenso, wenn Sie in 12 Monaten summiert, länger als 42 Tage wegen der gleichen Erkrankung arbeitsunfähig sind.

Entfällt die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, entfällt natürlich auch zeitgleich der Zuschuss zur PKV. Wichtig: Sie sind bei Arbeitsunfähigkeit nicht mehr pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung und damit entfällt auch der Zuschuss zum Beitrag der gesetzlichen Rentenversicherung durch den Arbeitgeber.

Das bedeutet für Sie, dass Sie bei Arbeitsunfähigkeit den vollen PKV-Beitrag bezahlen müssen und den Beitrag zu gesetzlicher Rentenversicherung zahlen können. Wobei „können“ eigentlich einen „müssen“ ist. Denn wenn Sie keinen Beitrag mehr entrichten, sinkt Ihre zukünftige Rente in der Höhe und zeitgleich sinkt der Zuschuss zur PKV im Rentenalter, denn Sie von der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten.

Damit die Arbeitsunfähigkeitszeiten Ihnen auf die Rente angerechnet werden können, müssen Sie sich gegen eigenen Beitrag pflichtversichern in der gesetzlichen Rentenversicherung. Achtung: Der Antrag auf Pflichtversicherung muss innerhalb von 3 Monaten nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit gestellt werden. Stellen Sie den Antrag später, werden erst ab Antragstellung die Zeiten angerechnet.

Zusätzliche Leistungen wie die Erwerbsminderungsrente entfallen vollständig, wenn der Übergang lückenlos ist. Es ist folglich nicht klug, den Beitrag zur Rentenversicherung nicht zu bezahlen oder nicht zu bezahlen zu können.

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt im Jahr 2022 exakt 18,6 %. Der Mindestbeitrag liegt bei 83,70 Euro und der Maximalbeitrag bei 1.311,30 Euro. Diese Summe sollte im Krankentagegeldsatz einkalkuliert sein.

Exkurs: Wie ist die Lohnfortzahlung der gesetzlichen Krankenkasse geregelt?

Als Versicherter in der gesetzlichen Krankenkasse haben Sie einen Anspruch auf 90 % vom Bruttogehalt, aber maximal 70 % vom Nettogehalt. Dazu ist der Wert im Jahr 2022 auf 112,88 Euro Tagessatz gedeckelt.

Ein Arbeitnehmer, der freiwillig versichert ist und in die PKV wechseln kann, hat aufgrund des hohen Einkommens in diesem Bereich immer eine große Versorgungslücke bei Arbeitsunfähigkeit. Denn wer z. B. 5.000 Euro Nettogehalt hat, hat in der gesetzlichen Kasse maximal 3.686,40 Euro Auszahlung versichert. Davon sind dann noch 50 % der Sozialversicherungskosten abzuführen. Es bleiben „netto“ rund 2.779 Euro bei Arbeitsunfähigkeit und es besteht eine Lücke von 2.221 Euro zum echten Nettogehalt. Viele PKV-Anbieter bieten für GKV-Kunden Krankentagegelder ohne Gesundheitsprüfung an. Sprechen Sie uns dazu einfach an.

Wie haben PKV-Versicherte die Lohnfortzahlung geregelt?

Das Krankengeld von 2.779 Euro aus der gesetzlichen Kasse ist fast immer höher als das, was viele PKV-Versicherte über die Private abgesichert haben. Denn in der privaten Krankenversicherung ist es eine eigenständige Entscheidung, wie hoch die Lohnfortzahlung abgesichert wird.

Der Standardsatz im PKV-Bereich liegt bei ca. 100 Euro Tagessatz und entspricht damit einer „Bruttoauszahlung“ von 3.000 Euro. Davon ist dann noch der volle PKV-Beitrag abzuziehen und der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Wenn der PKV-Beitrag bei 600 Euro liegt und der GRV-Beitrag bei 1.311,30 Euro (= Maximalbeitrag für eine maximale Rente später), dann sollten Sie ca. 1.900 Euro monatlich als Grundwert in der Krankentagegeldversicherung einplanen. Dieser Wert entspricht einem Krankentagegeldsatz von ca. 63 Euro. Der Tagesgeldsatz über 63 Euro ist für Ihre Unterhaltskosten (Kinder, Miete, Abtrag, Leben, Altersvorsorge etc.). Bei 100 Euro Tagesgeldsatz bleiben 37 Euro über. Das entspricht 1.110 Euro monatlich zum Leben. Viele von uns wären damit praktisch bankrott.

Faulenzer Krankentagegeld-Tabelle:

Hier können Sie sehen, welchen KT-Satz Sie als PKV-Kunde versichern sollte. Achtung: Versicherer definieren das versicherbare Nettogehalt unterschiedliche. Deswegen kann es sein, dass bei manchen Versicherern diese Sätze nicht in volle Höhe versicherbar sind. Den genauen Wortlaut finden Sie in den Tarifbedingungen Ihres Krankentagegeld-Tarifs.

Beitrag PKV Beitrag GRV Nettogehalt KT-Satz
750 € 1.300 € 3.000 € 168 €
750 € 1.300 € 5.000 € 235 €
750 € 1.300 € 7.000 € 302 €
750 € 1.300 € 9.000 € 368 €
750 € 1.300 € 11.000 € 435 €

Merksatz: Der Krankentagegeldsatz sollte immer ausreichend hoch sein. Ein Tagesgeldsatz von 100 Euro oder 130 Euro ist für einen Arbeitnehmer in der PKV immer zu niedrig. Ich habe für Sie noch vier schnelle Tipps für Sie zum Thema Krankentagegeld:

  1. Achten Sie bei dem Tagesgeldversicherer auch auf Zusatzleistungen wie das Hamburger Modell/ Wiedereingliederung.
  2. Sie können das fehlende Krankentagegeld auch bei einem anderen Versicherer versichern.
  3. Diese Tarife sind immer arbeitgeberzuschussfähig. Also sparen Sie nicht am falschen Ende.
  4. Splitten Sie den Krankentagegeldsatz auf verschiedene Karenzzeiten, um auch später noch die Karriereklausel kostengünstig nutzen zu können.

Wenn Fragen zu den Tipps bestehen, mailen Sie uns einfach an: info@kvoptimal.de

Haben Sie noch Fragen?

Sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gern. Jetzt kostenfrei informieren.

3. Gegen Berufsunfähigkeit versichern

Jeder 5. Arbeitnehmer wird berufsunfähig und kommt nicht gesund ins Rentenalter. Es hält sich der Irrglaube, dass eine Berufsunfähigkeit den Sozialversicherungsstatus ändert und Sie wieder in der GKV versichert sind. Das ist nicht so. Sie bleiben auch während einer Berufsunfähigkeit in der privaten Krankenversicherung.

Eine Berufsunfähigkeit definiert sich durch den Umstand, dass der Erkrankungsgrund dauerhaft besteht. Damit ist auch klar, dass keine Krankentagegeldversicherung bei Berufsunfähigkeit zahlt. Denn die Krankentagegeldversicherungen zahlen nur, solange die Erkrankung vorübergehend ist. Ändert sich die ärztliche Einschätzung von vorübergehend auf dauerhaft, endet die Leistung aus der Krankentagegeldversicherung und der BU-Versicherer übernimmt die Zahlung, – wenn Sie denn eine BU-Police haben.

Ihre Kostensituation ändert sich durch den BU-Fall auch nicht. Sie müssen weiter die PKV voll bezahlen und auch die Rentenversicherung ganz oder teilweise entrichten. Dazu laufen Ihre Lebensunterhaltskosten weiter. Aus diesen Gründen sollten Sie auch den BU-Schutz als PKV-Kunde genau kalkulieren und vor allem den Vertrag nicht zu früh enden zu lassen. Ganz oft sehen wir BU-Verträge, welche zum einen eine viel zu kleine Rente versichert haben und zum anderen z.B. nur bis Endalter 60 laufen. Das ist günstiger, aber im Leistungsfall ein Problem. Wir nennen sowas eine Placebo-BU-Versorgung. Sie riskieren gerade an dieser Stelle oft einen Art Hartz_IV-Status. Bedenken Sie bitte, dass Sie in der Regel länger berufsunfähig als arbeitsunfähig sind.

Eine BU-Versicherung für Arbeitnehmer mit einer Rentenhöhe unter 5.000 Euro ist eigentlich immer schlecht. Einzige Ausnahme: Ihre finanzielle Situation erlaubt es Ihnen, dass Sie auch mit weniger Arbeitsleistung gut leben können. Wenn Sie z. B. 50.000 Euro jährlich als Mietertrag oder aus Dividenden verdienen, dann müssen BU-Verträge auch nicht mehr hoher Leistung versichert sein. Aber wenn Sie nur leben können, weil Sie arbeiten können, sollten Sie Ihre Arbeitskraft versichern.

Jemand, der 5.000 Euro Nettogehalt hat und noch 25 Jahre arbeiten möchte, hat immerhin 1.500.000 Euro Einkommen zu verlieren. Das ist eine höhere Summe als die meisten Häuser kosten. Trotzdem sind Häuser fast immer besser versichert als Arbeitskraft. Rhetorische Frage: Haben Sie Ihr Haus gegen Feuer versichert?

In meinen Augen versagt bei solchen Versicherungsthemen die Schulbildung enorm. Es ist nicht zu kompliziert, diese Themen ab der 10. Klasse zu lehren. Gerade Grundkenntnisse in der Sozialversicherung sind wichtige Basics.

Merksatz: Ihre Arbeitskraft ist neben Gesundheit und Familie Ihr höchstes Gut. Niemand will berufsunfähig werden, doch es sind mehr Menschen als Sie denken.

  • Gute Zeiten, schlechte Zeiten Star Meike von Bremen reagiert allergisch auf Scheinwerferlicht.
  • Stirb langsam Cop Bruce Willis leidet an eine Aphasie und kann deswegen nicht mehr als Schauspieler tätig sein.
  • Samuel Koch kam nicht gesund aus einer “Wetten Das..?” Show zurück.

Versuchen Sie nicht Gründe zu finden, warum Sie nicht berufsunfähig werden können. Sichern Sie sich ab. Kranke Menschen ziehen sich häufig zurück und deswegen glauben wir, weil wir niemand krankes sehen, dass es das Risiko nicht gibt Stichwort survivorship bias.

Bestehende Versorgungen sollten immer ins Gesamtkonzept einbezogen werden. Das senkt die Kosten insgesamt. Eventuell können über die Bedingungen Laufzeiten oder versicherte Leistungen verbessert werden.

4. Sie brauchen eine ausreichende Altersvorsorge

Als PKV-Kunde sollten Sie im Rentenalter ein Bruttoeinkommen von 5.000 Euro monatlich anpeilen. Nur wenn Sie diese Summe erreichen, werden Sie im Rentenalter kein Problem mit der PKV haben. Auch im Rentenalter können Sie den PKV-Vertrag steuerlich absetzen. Dafür müssen Sie aber auch Steuern zahlen.

Ihre Altersvorsorge ist die Summe aus Ihren Einnahmen im Rentenalter. Ganz oft höre ich den Satz, dass jemand ein Haus hat und das Haus im Rentenalter abbezahlt ist. Das ist schön und das spart eventuell auch Geld. Aber Geld sparen ist keine Einnahme. Sie brauchen aber Einnahmen, um andere Dinge bezahlen zu können. Deswegen bewerten Sie bitte die selbstbewohnte Immobilie nicht zu hoch bei Ihren Planungen.

Die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) ist ein Herzstück der Altersvorsorge. Deswegen gehen wir bei der First-Things-First PKV-Strategie auch immer auf den Beitrag zur GRV ein. Der Beitrag muss auch bei Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit gezahlt werden. Zeitgleich erhalten PKV-Kunden noch 7,95 % (berechnet von der Rente/ Stand 2022) von der GRV zur PKV dazu. Wenn Sie 3.000 Euro Rente aus der GRV erhalten, erhalten Sie zusätzlich noch mal 238,50 Euro Zuschuss zur PKV. In Summe sind damit 3.238,50 Euro Rentenleistung gesichert und es fehlen zu den magischen 5.000 Euro noch 1.761,50 Euro monatliche Einnahmen. Diese monatliche Summe können Sie über andere Spararten decken:

Typische weitere Möglichkeiten für die Altersvorsorge:

  • Fondsgebunde Rentenversicherung mit geringen vertraglichen Kosten. Zum Beispiel gibt es für Arbeitnehmer auch sehr gute Riester-Renten. Hier haben wir einen echten Geheimtipp für Sie zum Thema Riester.
  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV) über den Arbeitgeber. Aber Achtung. Ganz oft sind diese Verträge auf Zinsbasis und haben hohe vertragliche Kosten (lohnen nicht wirklich). Gerne erstellen wir für Sie für Ihre bestehenden Verträge eine kostenfreie Zweitmeinung und geben eine Einschätzung zur Qualität des Vertrages ab. Das gilt für alle Sparverträge.
  • Dividendenzahlung aus Aktien. Zum Beispiel bietet die Allianz eine hohe Dividende. Die Frage lautet aber: Wie sicher sind solche Dividendenzahlungen bei sich verändernden Umständen. Z. B. wird die Allianz vermutlich große Schäden durch zukünftige Umweltkatastrophen im Rahmen einer Klimaänderung verdauen müssen.
  • Auszahlungen aus Fondsdepots: Auch hier stellt sich die Frage, was bei Crash-Szenarien passiert. Der PKV-Vertrag muss immer gezahlt werden, auch wenn Russland Bomben auf die Ukraine schmeißt.
  • Mieterträge aus vermieteten und abgezahlten Immobilien. Sie sollten Minimum drei Wohneinheiten für das Rentenalter anstreben. Gerne helfen wir bei der Auswahl solcher Kapitalanlagen.

Merksatz: Ihr Leben im Rentenalter wird nur gut sein, wenn Sie alle Kosten decken können und noch ein gutes Leben führen können. Je später Sie mit Altersvorsorge beginnen, desto teurer wird es. Gehe Sie konsequent auf eine Minimumrente von 5.000 Euro monatlich. Alles darunter wird keinen Spaß machen.

Warum kommt die Altersvorsorge erst auf Platz 4 der PKV-Strategie?

Die Altersvorsorge ist ebenso wichtig die wie vorherigen Punkte. Doch es muss zwingend sichergestellt werden, dass die Altersvorsorge auch durchgehend bezahlt werden kann.

  • Wer keine guten Leistungen im PKV-Tarif hat, wird hohe Zuzahlungen im Krankheitsfall haben und deswegen an anderer Stelle sparen müssen.
  • Wer keine ordentliche Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder Berufsunfähigkeit hat, wird Abstriche machen müssen. Ganz oft erleben wir, dass der ETF-Sparplan mit 500 Euro monatlich als Erstes beendet wird.

Es geht bei der First-Things-First PKV-Strategie um den richtigen Aufbau der PKV. Sie müssen die private Versicherung lebenslang bezahlen. Wir wollen vermeiden, dass Sie wegen finanzieller Probleme in eine wirtschaftliche Schieflage rutschen. Erfahrungsgemäß sind solche Schieflagen nachträglich nicht mehr zu korrigieren. Wenn Sie im Rentenalter auf 3.000 Euro Renteneinnahme bei 1.500 Euro PKV-Beitrag kommen, ist die Messe eigentlich gelesen. Deswegen ist die Struktur wichtig: Erwerbsleben, Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit, Rentenalter. Nicht andersrum.

5. Zusatztarife in der PKV

Erst wenn Sie Punkt 1 bis 4 sauber definiert haben, denken Sie über zusätzliche Tarife in der PKV nach. Denn es macht wenig Sinn, Geld für zusätzlich Leistungen auszugeben, die Sie aber bei Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit oder im Rentenalter wieder kündigen müssten, weil das Geld knapp ist.

Ein schönes Beispiel sind sogenannte Pflegezusatztarife. Diese Tarife sind etwas teurer und würden bei einem finanziellen Engpass als Erstes gekündigt werden.

Mögliche Zusatztarife sind:

  • Krankenhaustagegelder
  • Beitragsentlastungstarife ohne Arbeitgeberzuschuss
  • Pflegezusatztarife
  • Sonstige Tarife für besondere Leistungen (Auslandsreiseversicherung, Heilpraktiker-Zusatzversicherung, etc.)

In meinen Praxisbeispielen zeige ich Ihnen, wie wir PKV-Verträge auswerten.

Praxisbeispiel Landeskrankenhilfe (LKH) First-Things-First PKV-Strategie

Damit Sie sehen, wie wir PKV-Verträge analysieren und bewerten habe ich für Sie ein Praxisbeispiel anhand eines PKV-Vertrags der Landeskrankenhilfe (LKH) für Sie exemplarisch erstellt.

Der Kunde hat PKV-Bausteine (103+194+200+E90W) versichert, dazu ein Krankentagegeld (T06) und Pflegezusatztarife (PZ + PTG3), sowie gesetzliche Pflegepflichtversicherung (PVN). Im Versicherungsschein der LKH sieht das Ganze dann so aus:

Die Tarifleistungen sind gut (103+194+200+E90W). Der Selbstbehalt ist mit 600 Euro zu hoch (Tarif 103). Denn der Kunde ist Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber beteiligt sich am Beitrag aber nicht am Selbstbehalt.

Pro-Tipp Selbstbehalt: Ihr Arbeitgeber darf bis zu 600 Euro Selbstbehaltskosten für Sie pro Jahr übernehmen. Nutzen Sie diese Information für die nächste Gehaltsverhandlung.

Gerade im Erwerbsleben sollte der Selbstbehalt möglichst niedrig sein. Der Versicherer kalkuliert im direkten Tarifvergleich mehr Alterungsrückstellungen ein, wenn der Selbstbehalt niedrig ist. Dafür kostet der Tarif dann mehr Beitrag – wovon der Arbeitgeber die Hälfte übernimmt. Im Rentenalter entfällt dann der Arbeitgeberzuschuss. Zu diesem Zeitpunkt kann der Tarif dann wieder mit Selbstbehalt gewählt werden. Dadurch erzielt sich ein Beitragssenkungseffekt: Sie haben die gleichen Leistungen wie im alten Tarif, zahlen zukünftig einen gewissen Teil der Arztrechnung selbst und sparen netto deutlich Beiträge ein. Dieser Methode lohnt sich immer für Kunden durch Verrechnung der übersparten Alterungsrückstellungen.

Bemerkenswert: Es gibt keinen Beitragsentlastungstarif bei der LKH. Deswegen sollte der Trick über einen niedrigen Selbstbehalt genutzt werden. Die Auswirkungen daraus (Tarifwechsel: ohne SB -> viel SB) sind ähnlich wie beim Beitragsentlastungstarif. Gerade dann, wenn Arbeitgeberzuschuss frei ist – wie bei Beispielkunden. An dieser Stelle wird der freie Arbeitgeberzuschuss durch einen Tarif mit Selbstbehalt verschwendet.

Das Krankentagegeld ist zu niedrig: Der Satz von 158 Euro entspricht eine versicherte Leistung von 4.740 Euro. Davon wird der PKV-Beitrag abgezogen (-620,86 Euro) und der GRV-Beitrag (-1.311,30 Euro). Es bleiben zum Leben 2.807,84 Euro. Der Kunde hat tatsächlich fast 5.000 Euro Nettogehalt.

Eine BU-Leistung hat der Kunde nicht versichert. Die Altersvorsorge besteht im Wesentlichen nur aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Theoretisch ist im Rentenalter Hartz4 zum Greifen nahe.

Stattdessen hat der Kunde Pflegezusatztarife (PZ + PTG3) abgeschlossen. Diese Tarife sind nützlich, werden aber bei einem finanziellen Engpass sicher als Erstes gekündigt.

Grad Pflegezusatzversicherung (PZV) machen nur Sinn, wenn die Bausteine lebenslang laufen. Denn das Risiko, Pflegefall zu werden, ist erst später im Leben (um 70 Jahre) am höchsten. Ohne eine durchgehende Finanzierung der PKV-Beiträge machen zusätzliche Kosten wenig Sinn. PZV-Tarife sollten immer als Letztes im Tarifaufbau kommen. Zumal diese Tarife nicht arbeitgeberzuschussfähig sind. Der Beitrag dazu wäre besser in einem BU-Tarif zum Schutz gegen Berufsunfähigkeit aufgehoben oder in der Altersvorsorge.

Praxisbeispiel Signal First-Things-First PKV-Strategie

Meine Signal Iduna Kunden haben innerhalb der Familie unterschiedliche Versorgungen installiert. Das wirft Fragen auf, warum so unterschiedlich gearbeitet wird! First-Things-First PKV-Strategie Analyse:

Beide versicherten Personen sind Arbeitnehmer. Der Ehemann hat einen leistungsschwachen Tarif (Komfort-Plus1) mit Selbstbehalt, die Ehefrau die eine besseren Tarif (Exklusiv-Plus 0) ohne Selbstbehalt. Als Arbeitnehmer sollten immer Tarif ohne Selbstbehalt gewählt werden. Der Arbeitgeber zahlt die Hälfte des Beitrages, aber nichts vom Selbstbehalt. Es gilt den Arbeitgeberzuschuss und Steuervorteil voll auszunutzen. Das spart mehr Alterungsrückstellungen an und bringt finanzielle Vorteile im Rentenalter durch Tarifwechseloptionen.

Der Mann hat 200 Euro Tagessatz krankentagegeldversichert. Dieser Satz entspricht einer Kostendeckung von 6.000 Euro monatlich. Davon muss der GRV-Beitrag (1.330,30 Euro monatlich) und der PKV-Beitrag bezahlt werden (581,94 Euro monatlich) bezahlt werden. Es bleiben ca. 4.000 Euro monatlich zum Leben. Dieser Wert liegt vermutlich deutlich unter dem tatsächlichen Nettogehalt.

Bei der Ehefrau sieht es düster aus. Sie hat nur 90 Euro Tagessatz versichert (= 2.700 Euro zur Kostendeckung) bei gleichen Fixkosten GRV und 707,78 Euro PKV. Es bleiben 661,92 Euro zu leben. Hier ist auch ein häufiger Denkfehler bei Ehepaaren zu finden. Beide kalkulieren Ihre Versorgung zusammen und empfinden die Gesamtsumme als ausreichend. Das kann auch so sein bis zur Scheidung oder Tod des Ehemanns. Passiert sowas mit Mitte 50, kann die Ehefrau aus gesundheitlichen Gründen nichts mehr hinzuversichern und hat bis zur Rente enorme finanzielle Risiken in der Versorgung. Im Gegenzug spart sie ca. 20 Euro im Monat Beitrag. Das Kosten-/ Risikoverhältnis passt nicht.

Beide haben noch Arbeitgeberzuschuss frei und können bei dem Versicherer Signal durch den Peb-Tarif die Beitragshöhe im Rentenalter senken. Diese Beitragsentlastungstarife können gut genutzt werden, um den vollen Arbeitgeberzuschuss auszunutzen.

Praxisbeispiel AXA First-Things-First PKV-Strategie

Hier haben wir ein Beispiel, bei dem weder Leistungen noch Krankentagegeld erhöht werden können. Die Kundin ist über 50 Jahre alt und hat einige Diagnosen angesammelt. In Summe sind die Diagnosen noch nicht schlimm, aber nicht mehr versicherbar bzw. sind keine Leistungsverbesserungen mehr vorzunehmen.

Pro-Tipp: Alle Leistungsverbesserungen oder Absicherungen sollten mit spätestens 45 Jahren abgeschlossen sein. Später im Leben sind Leistungsverbesserungen aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen oft nicht mehr möglich.

Trotzdem können wir den AXA-Vertrag clever optimieren. Denn die Kundin ist Arbeitnehmerin und hat noch Arbeitgeberzuschuss zur PKV frei.

Wir haben den Beitragsentlastungstarif (BEA-N) von 200 Euro monatlich auf 300 Euro monatlich erhöht. Der Mehrbeitrag ist ordentlich (+83,30 Euro), aber davon trägt der Arbeitgeber 50 % und der Beitrag wird steuerlich abgesetzt. Tatsächlich kostet der Tarif damit nur ca. 25 Euro im Monat. Im Gegenzug verringert sich der PKV-Beitrag mit Vollendung des 65. Lebensjahres um satte 451 Euro monatlich.

Warum ist die First-Thing-First PKV-Strategie für Sie so wichtig?

Erfahrungsgemäß und rückblickend aus 25.000 PKV-Beratung kann ich sagen, dass 90 % aller PKV-Tarife schlecht oder falsch konstruiert sind. Damit sind Enttäuschungen im PKV-System vorprogrammiert.

Sie sollten einfach sicherstellen, dass Sie keine Verträge bezahlen, die Ihren finanziellen Ruin bedeuten können. Ihre Kernaufgabe ist es, zu arbeiten, Geld zu verdienen und lange zu leben. Wir organisieren dazu das Vertragliche.

Unsere Zweitmeinung zu Ihrem PKV-Vertrag ist immer kostenfrei. Mailen zu uns einfach einen aktuellen Nachtrag zum Versicherungsschein (info@kvoptimal.de) und wir sagen Ihnen, wo wir Probleme sehen.

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