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Frischer Wind in der Branche der privaten Krankenversicherer. Ottonova steht in den Startlöchern als erste rein digitale, private Krankenversicherung in Deutschland. Heute am 21. Juni, also genau 134 Jahre nachdem Otto von Bismarck die Krankenversicherung einführte, sollen sich die Türen nach eineinhalb Jahren Gründungsvorbereitung öffnen. Voraussetzung ist die Zulassung der zuständigen Aufsichtsbehörde Bafin. Was Ottanova im Einzelnen anbietet und wie die neue private Krankenversicherung die Digitalisierung für Verbesserungen nutzen will, lesen Sie in diesem Beitrag.

Ottonova – Bei dieser neuen PKV läuft alles digital

Nach 17 Jahren gründet sich in Deutschland wieder eine neue private Krankenversicherung. In Niedrigzinszeiten setzen die Gründer von Ottonova vor allem auf Digitalisierung, um die Kosten gering zu halten. Alles läuft über digitale Kanäle wie Smartphone-Apps oder die elektronische Patientenakte ab: angefangen vom Vertragsabschluss in wenigen Klicks bis hin zur automatisch geprüften Rechnung. Auch deshalb ist das Angebot insbesondere für junge Gutverdiener interessant, also internetaffine Anwälte, Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater zwischen 25 und 40 Jahren.

 

Ottonova plant eigenen Angaben zufolge mit 12 000 Mitgliedern nach den ersten drei Jahren.

Die PKV-Versicherer mit Sitz in München setzt auf die Formel Keep it simple und bietet zunächst nur zwei Vollversicherungs-Tarife an, die vergleichsweise umfangreiche Leistungen umfassen. Im Business-Class-Tarif sind Zweitbettzimmer und Zahnersatzerstattung zu 80 Prozent Standard. Hier entscheidet allerdings der Hausarzt, ob der Privatversicherte zum Facharzt muss. Im teureren First-Class-Tarif hingegen darf der Versicherte direkt zum Facharzt. Ottonova bezahlt hier Einbettzimmer und 90 Prozent Erstattung bei Zahnersatz. Beide Tarife zahlen zudem großzügiger als viele andere Anbieter für psychologische Behandlungen und Reha-Maßnahmen, aber auch bei Schwangerschaft, Geburt und die Pflege kranker Kinder, was Ottonova auch für Familien interessant machen soll.

Ende 2017 ist die Ergänzung des Portfolios um private Zusatzversicherungen zum Beispiel für Zahnersatz geplant, wodurch sich die Zielgruppe auf gesetzlich Versicherte ausweitet.

 

Wer steht hinter Ottonova?

Ottonova wurde Ende 2015 von einem Dreigestirn mit Roman Rittweger, einem Mediziner, Sebastian Scheerer, einem Designer und Frank Birzle, einem Informatiker gegründet.

Rittwegger ist nicht nur Arzt, sondern hat zudem einen MBA-Abschluss und reichlich Erfahrung als Unternehmensberater im Gesundheitswesen. Für das hohe Startkapital mussten zudem zahlungskräftige Investoren akquiriert werden, darunter Tengelmann, STS, Holtzbrinck und die Debeka. Der Marktführer der PKV will augenscheinlich Erfahrungen im Bereich digitale Entwicklungen machen.

 

Was Ottonova anders machen will

Die Vision, die erste vollständig digitale Krankenversicherung anzubieten, klingt verheißungsvoll. Das Prinzip Digitalisierung soll konsequent umgesetzt werden: So erfolgt die Aufnahme von Neukunden ausschließlich online – ganz ohne Makler und Filialen. Die Kommunikation erfolgt über die Ottonova-App und die anfallenden Rechnungen und Kostenvoranschläge von Ärzten sollen bis zu bestimmten Obergrenzen kostenschonend vollautomatisch geprüft und bearbeitet werden. Erwartet wird, dass die Beiträge der Ottonova-Versicherten dadurch geringer ausfallen, als bei den meisten anderen privaten Krankenversicherungen. Darüber hinaus verzichtet Ottonova auf den Vertrieb durch Makler-Kooperationen. Die eingesparten Provisionen sollen ebenso für konkurrenzfähige Prämienhöhen sorgen.

 

Dem aktuellen Trend des Rückgangs der Neuversicherungen in der PKV begegnet Ottonova unter anderem mit einem Lebensrechner. Mit dem kostenlosen, onlinebasierten Programm kann jeder anhand seiner persönlichen Anforderungen durchrechnen lassen, unter welchen Bedingungen sich eine private Versicherung auch bei hohen Beiträgen im Alter lohnt.

 

Es lohnt sich, regelmäßig zu überprüfen, ob der eigene PKV-Tarif noch zeitgemäß und wirklich günstig ist und zu den Anforderungen passt. Unabhängige Beratungen wie KVoptimal.de prüfen für Sie, ob sich ein interner Wechsel innerhalb Ihrer PKV-Versicherung lohnt. Mit einem internen Tarifwechsel können Sie nicht nur Geld sparen, sondern häufig sogar mehr Leistungen erhalten.

 

Die überwiegende Zahl der Mitarbeiter bei Ottonova sind Informatiker. Hier sieht das Unternehmen auch sein größtes Potential: immer neue digitale Dienstleistungen anbieten und der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein.

 

Wie gründet man eine neue Krankenversicherung?

Da gesetzliche wie private Krankenversicherungen einen öffentlichen Auftrag erfüllen, ist eine Neugründung an strenge Kriterien und Auflagen gebunden. Daher wundert nicht, dass es 17 Jahre gedauert hat, bis eine neue private Krankenversicherung auf den Markt tritt. Dazu zählen zum Beispiel die Absicherung der ständigen Erfüllbarkeit von Verträgen sowie genaue Vorgaben zum Schutz von Kunden.

 

Die größte Hürde ist die geforderte Finanzierung. Die ersten drei Geschäftsjahre müssen gesichert sein. Für Ottonova bedeutet dies, dass die Gründer 40 Millionen Euro beschaffen mussten. Dazu haben sie namhafte Investoren, die drei Viertel der Anteile halten. Dabei ist die Debeka mit allein 10 Millionen Euro. Das letzte Viertel wird von den drei Gründern und weiteren leitenden Mitarbeitern von Ottonova gehalten.

 

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) als zuständige Aufsichtsbehörde prüft zudem, ob die Versicherungsprämien realistisch und tragfähig kalkuliert wurden und nicht Tariferhöhungen absehbar werden.

Hierzu zieht die Bafin aktuelle Branchenerfahrungen und -werte zum Vergleich hinzu.

Weiterhin wird die persönliche Eignung des Vorstands auf ausreichende Erfahrung im Gesundheitsbereich hin bewertet.

 

Übrigens: Im Gegensatz zu den etablierten PKV-Versicherern haben neue Versicherer wie die Ottonova noch keine Mitglieder, deren Prämien für die Versicherungsfälle der anderen aufkommen. In diesem Falle muss zunächst eine Rückversicherung abgeschlossen werden, die bei der Finanzierung einspringt.

 

Die Gründungsgenehmigung von Ottonova durch die Bafin steht noch aus. Wenn Ottonova startet, wird sie sicher für einigen Wirbel und tatsächlich frischen Wind sorgen und die Digitalisierung der Versicherungsbranche vorantreiben.

 

 

 

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