Private Krankenversicherung für Selbstständige

Seit 2009 ist es für alle mit Wohnsitz in Deutschland nicht mehr möglich, keine Krankenversicherung mehr abzuschließen. Die Krankenversicherungspflicht gilt demnach auch für Gründer und Selbstständige. Jene haben im Gegensatz zu den meisten Angestellten die freie Wahl zwischen gesetzlicher oder privater Krankenversicherung. Selbstständige und Freiberufler können sich mit Beginn ihrer Selbstständigkeit unabhängig von ihrem Einkommen – eine gute Gesundheit und die Einhaltung der jeweiligen Kündigungsfrist vorausgesetzt – immer in die PKV wechseln. Alternativ ist die sogenannte freiwillige Mitgliedschaft in der GKV möglich.

Eine Besonderheit bildet die Gruppe der nebenberuflich Selbstständigen, für die zunächst die Pflichtmitgliedschaft in der GKV gilt, wenn sie im Hauptberuf als Arbeitnehmer tätig sind. Das trifft auf viele Kleinunternehmer zu. Der Wechsel in die PKV ist nur dann möglich, wenn das Einkommen aus der selbstständigen Tätigkeit überwiegt, oder das Gehalt aus der Anstellung die Bemessungsgrenze, das entspricht mindestens einem Jahresbruttoeinkommen von 62.550 Euro (Stand: 2020) beträgt.

Lesen Sie bei KVoptimal.de alles zum Thema Selbstständige in der PKV:

https://kvoptimal.de/private-krankenversicherung/pkv-fuer-selbststaendige

Wie hoch ist der Beitrag für eine private Krankenversicherung?

Die Kehrseite der Selbstständigkeit und dem Arbeiten auf eigene Rechnung ist, dass Selbstständige und Unternehmer anders als Arbeitnehmer die Beitragskosten, an denen sich der Arbeitgeber in Form des Arbeitgeberzuschusses beteiligt, allein aufbringen müssen. Gerade Existenzgründer in der ungewissen Startphase müssen genau durchrechnen, wann sie in die PKV wechseln möchten. Fest steht, dass je jünger Sie sind, desto günstiger ist im Normalfall und bei guter Gesundheit Ihr Beitrag. Viele Gründer beispielsweise starten mit Beiträgen im Bereich von um die 180 Euro monatlich. Der Status als Privatpatient bringt viele Vorteile mit sich. Welche das genau sind, lesen Sie weiter unten in diesem Beitrag. Zunächst schauen wir uns an, wie die PKV-Beitragshöhe kalkuliert wird bzw. wovon sie abhängig ist.

Wege aus der Zahlungsunfähigkeit für Selbstständige:

https://kvoptimal.de/blog/private-krankenversicherung/immer-mehr-selbststaendige-stehen-bei-ihrer-pkv-in-der-kreide

Wie berechnet sich der Beitrag für eine private Krankenversicherung?

Die monatlichen Beiträge für die private Krankenversicherung werden anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem individuellen Versicherungsrisiko berechnet. Hier gilt: Wer ein niedriges Krankheitsrisiko hat, zahlt entsprechend weniger; Versicherte mit höherem Risiko zahlen dagegen mehr. Neben dem Gesundheitszustand fließen weitere Faktoren wie die gewünschten Leistungen oder wie oben schon erwähnt, das Eintrittsalter eine wichtige Rolle. Versicherte, die sich in jungen Jahren privat versichern, profitieren dabei zweierlei: auf der einen Seite von sehr günstigen Tarifen und auf der anderen vom größeren Leistungsspektrum der privaten Krankenversicherungen.

Um sich ein möglichst umfassendes und objektives Bild vom Gesundheitszustand zu machen und um die (zukünftigen) Risiken kalkulieren zu können, wird vor Aufnahme in die private Krankenversicherung eine Gesundheitsprüfung durchgeführt. Hier werden unter anderem Vorerkrankungen abgefragt. Diese und bestimmte weitere Diagnosen und Fakten erhöhen das Versicherungsrisiko und können zu Risikoaufschlägen, Leistungsausschlüssen oder sogar zur Verweigerung der Aufnahme führen. Dieser Gesundheitscheck erfolgt in der Regel per Fragebogen oder bei älteren Antragsstellern direkt beim Arzt.

Neben dem Alter und dem Gesundheitszustand sind die vertraglich vereinbarten Leistungen der dritte Faktor für die Ermittlung der Beitragshöhe. Immanent im System der privaten Krankenversicherung ist ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes, modular aufgebautes Tarifsystem. So können Sie einen Tarif unter vielen anderen wählen, der zu Ihren Ansprüchen passt und weitere Zusatzbausteine (sofern noch nicht enthalten) wie Krankentagegeld, Chefarztbehandlung, Heilpraktiker-Leistungen, Zahnbausteine etc. mitaufnehmen. Interessant ist auch die Möglichkeit des Selbstbehalts. Der Selbstbehalt ist ein vereinbarter Betrag, bis zu dessen Höhe Sie selbst für medizinische Leistungen aufkommen und die Rechnungen nicht bei Ihrer privaten Krankenversicherung einreichen. Freiberufler oder Selbstständigen mit gutem Gesundheitszustand können mit einem Selbstbehalt ihren PKV-Beitrag monatlich spürbar senken – mit einem überschaubaren finanziellen Risiko.

Grundsätzlich werden die PKV-Beiträge dazu verwendet, die Krankheitskosten inklusive Risikozuschüssen zu finanzieren, die Verwaltungskosten der PKV zu decken und in einem Sparanteil (Altersrückstellungen) langfristig die wachsenden Gesundheitsrisiken im Alter zu decken.

 

Benötigen Sie mehrere Informationen? Sprechen Sie uns an.

Wir beraten Sie gern - Jetzt kostenfrei informieren.


Die Datenschutzrichtlinien und Erstinformation habe ich zur Kenntnis genommen.

 

In Kürze: Wie finde ich als Selbstständiger den optimalen PKV-Tarif?

Manche PKV-Anbieter haben ein hochkomplexes und für den Laien unüberschaubares Tarifsystem mit oft mehreren hundert Tarifen. Auch der Vergleich unter den Unternehmen macht deutlich, dass es deutliche Unterschiede im Angebot, das heißt im Verhältnis von Leistungsumfang und Beitragshöhe, gibt. Wie Sie dennoch den optimalen Tarif für sich finden erfahren Sie hier Schritt für Schritt.

Schritt 1: Leistungsumfänge

Prüfen und vergleichen Sie die Tarife auf ihre vertraglich vereinbarten Leistungen. Hier kann nach den grundlegenden und individuellen Leistungen unterschieden werden:

Grundlegende Leistungen

  • Besteht freie Arztwahl?
  • Inwieweit werden Medikamente und Hilfsmittel erstattet? Deckt der Tarif Heilmittel ab?
  • Ist das Arzthonorar – auch von Spezialärzten – gedeckelt?
  • Welche Zahnarztleistungen bietet der PKV Tarif?
  • Ist Psychotherapie inbegriffen?
  • Wie ist die stationäre Versorgung vorgesehen?
  • Werden Reha-Maßnahmen und Kuren bezahlt?
  • Übernimmt die PKV auch aufwendige Transporte ins Krankenhaus?
  • Welche Wartezeiten bestehen ggf.?

Individuelle Leistungen

  • Werden Heilpraktiker-Leistungen übernommen?
  • Bezahlt die PKV Brillen und sonstige Sehhilfen? Wenn ja, bis zu welcher Höhe?
  • Sind Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen abgedeckt?
  • Wie steht es mit der Übernahme der Kosten für die häusliche Krankenpflege?
  • Welche Leistungen bietet der Tarif für Kinderwunsch, Schwangere?
  • Bekommen Sie im Krankenhaus ein Einbettzimmer?

Schritt 2: Beitragshöhe und AGB

Jetzt haben Sie bestimmt schon eine Idee über ihre gewünschten Leistungen und passende Tarife. Nun müssen Sie die Beitragshöhen miteinander vergleichen und dazu die weiteren Konditionen:

  • Wie hoch sind die PKV-Beiträge?
  • Ist Krankentagegeld inbegriffen? Wie hoch fällt das Krankentagegeld aus?
  • Wie wirken sich Selbstbeteiligung und ggf. eine Beitragsrückerstattung aus – wenn also keine Rechnungen eingereicht wurden?
  • Können Sie den Tarif intern problemlos wechseln und gäbe es gute Alternativen?
  • Bietet der Tarif eine Beitragsentlastung im Alter?

Schritt 3: Beitragsstabilität

Ja, die PKV-beiträge steigen mit dem Alter. Das ist übrigens auch in der gesetzlichen Krankenversicherung so – im Regelsatz und den individuellen Zusatzbeiträgen der einzelnen Kassen. Und zwar im mindestens ähnlichen Bereich im Vergleich zur Beitragsentwicklung bei den PKV-Unternehmen. Beitragssteigerungen sind unvermeidlich, aber bei solide aufgestellten Krankenversicherern steigen in der Regel die Versicherungsbeiträge eher moderat. Informieren Sie sich bei Versicherungsvergleichen (da gibt es jährliche Ratings von spezialisierten Analysehäusern) oder bei unabhängigen Versicherungsexperten wie KVoptimal.de, welche Versicherungen als besonders beitragsstabil gelten.

Hier auch interessant: Mit einem internen PKV-Tarifwechsel PKV-Beiträge sparen. KVoptimal.de begleitet Sie durch den gesamten Prozess mit Beratung, schriftlicher Analyse und Auswertungen – und zwar kostenfrei. Erst wenn Sie sich für einen PKV-Tarifwechsel entscheiden, berechnen wir eine einmalige Erfolgsbeteiligung an der Erstjahresersparnis. Weitere Informationen: https://kvoptimal.de/pkv-tarifwechsel/tarifwechsel-pruefen

Sind PKV-Beiträge steuerlich absetzbar?

Hier ist das Bürgerentlastungsgesetz von 2010 wichtig, dass dafür sorgt, dass die Beiträge für eine private Krankenversicherung als Vorsorgeaufwendungen in voller Höhe steuerlich berücksichtigt werden müssen. Mit dem Zusatz: Sofern der Versicherungsschutz dem der gesetzlichen Krankenversicherung beziehungsweise Pflegeversicherung entspricht. Alles was über diese Basisabsicherung der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgeht wie Chefarztbehandlung, Zahnersatz etc. sind weiterhin nicht (vollständig) steuerlich absetzbar.

Vor allem Versicherte mit hohen monatlichen Beiträgen, auch die für Partner und Kinder, können dennoch Steuern sparen. Übrigens ist auch das Krankentagegeld steuerfrei und kann in der Einkommensteuer-Erklärung unter „Sonstige Vorsorgeaufwendungen“ geltend gemacht werden.

Im KVoptimal.de meistgelesen: Ist Krankentagegeld steuerpflichtig?

https://kvoptimal.de/blog/zusatzversicherung/ist-krankentagegeld-steuerpflichtig

Mehr zum Thema Steuern sparen durch das Bürgerentlastungsgesetz:

https://kvoptimal.de/blog/private-krankenversicherung/pkv-und-buergerentlastungsgesetz-steuern-sparen-in-der-pkv

Sind Selbstbeteiligungskosten (Selbstbehalt) in der PKV absetzbar?

https://kvoptimal.de/blog/private-krankenversicherung/sind-selbstbeteiligungskosten-in-der-pkv-absetzbar

Was ist besser für Selbstständige und Unternehmer, privat oder gesetzlich versichern?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Mit einer kompetenten, unabhängigen Beratung durch Versicherungsexperten können Sie schnell herausfinden, ob Sie als Existenzgründer, langjährig Selbstständige, Freiberuflicher oder Kleinunternehmerin in die PKV wechseln sollten oder nicht.

Die private Krankenversicherung bietet viele Vorteile, der größte und überzeugendste ist wohl, dass Sie die Leistungen und somit auch die Kosten individuell auf sich zuschneiden lassen können. Mit dem Baukasten-System konfigurieren Sie sich ihren persönlichen Versicherungsschutz und können daher zunächst mit einem günstigeren Tarif starten und später in einen leistungsstarken Tarif wechseln – wenn ihre finanzielle Situation es ermöglicht. Einmal vereinbarte Leistungen dürfen nicht einseitig gekürzt werden.

Die Vorteile der PKV für Selbstständige im Überblick

  • Die Leistungen sind individuell wählbar (Baukastenprinzip)
  • Möglichkeit bei Leistungsfreiheit mit Selbstbehalt und Beitragsrückerstattung die Beiträge zu senken (bieten nicht alle Versicherungen an)
  • Umfangreichere Leistungen: freie Arzt- und Krankenhauswahl, auch spezialisierte Privatkliniken, Einzel-/ Doppelzimmer, Chefarztbehandlung, Krankentagegeld, Heilpraktiker-Behandlungen, höhere Zuschüsse zu Zahnersatz, Brillen und medizinischen Hilfsmitteln
  • Schnelle Terminvereinbarungen
  • Meist kurze Wartezeiten beim Arztbesuch
  • Häufig bessere medikamentöse Versorgung

Brauche ich als Selbstständiger Krankentagegeld?

Ja, die Absicherung von Verdienstausfällen im Krankheitsfall ist für Selbstständige ein absolutes Muss. Denn anders als Arbeitnehmer, die sechs Wochen lang eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber erhalten, stehen Selbstständige und Unternehmer bei längerer Krankheit ohne Einkommen da. Eine private Zusatzversicherung mit Krankentagegeld leistet hier schon ab dem vierten Krankheitstag mit dem vereinbarten Betrag. Auch für Selbstständig, die freiwillig gesetzlich versichert sind, hat sich die Kombination aus Wahltarif mit Krankengeld, der ab dem 43. Tag zahlt, und einer privaten Zusatzversicherung mit Krankentagegeld, die schon früher zahlt, bewährt.

Wichtig ist, dass das Krankentagegeld in der PKV immer explizit vereinbart werden muss, da es im Normalfall nicht automatisch vorgesehen ist. Sie können individuell festlegen, ab wann und wieviel Krankentagegeld ausbezahlt werden soll. Hierbei gilt auch entsprechend: Je früher ein Krankentagegeld gezahlt wird, desto höher sind die Beiträge.

Mehr zum Thema: Krankentagegeld für Selbstständige im Mutterschutz

https://kvoptimal.de/blog/private-krankenversicherung/krankentagegeld-f%C3%BCr-selbstst%C3%A4ndige-im-mutterschutz

Fazit

Selbstständige Unternehmer und PKV. Das passt meist gut zusammen. Selbstständige profitieren nicht nur von geringeren Beiträgen, sondern auch vom größeren Leistungspaket der privaten Krankenversicherung. Der Luxus der PKV, dieses Paket auch individuell schnüren zu können und den über die Basisleistungen hinaus gewünschten maßgeschneiderten Komfort zu erhalten, passt zum selbstbestimmten Arbeiten im Beruf. Wichtig ist es am Anfang einen geeigneten Tarif zu finden. Auch bei der Kalkulation bis hin zu den Beitragskosten im Alter kann eine kompetente unabhängige Beratung die Entscheidung für einen Versicherer unter Umständen „auf ein Leben“ begleiten.

1 1 1 1 1 Rating 5.00 (6 Votes)

Die Kommentare sind geladen zu &s