Das deutsche Gesundheitssystem eröffnet vielen die Chance, frei zu wählen, ob Sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern wollen. Beide Systeme bieten bestimmte Vor- und Nachteile. Zudem hängt es von der aktuellen Lebenssituation ab, wo jemand besser aufgehoben ist. Es kann also sein, dass, wenn sich die Lebensumstände ändern, ein Wechsel sinnvoll ist. Tatsächlich ist der Weg von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung der unüblichere, kann aber in bestimmten Fällen abgewogen werden. Diese stellen wir vor.
Zurück in die GKV – der Familie wegen
Wenn sich die Familienkonstellation ändert, z. B. durch Geburt eines Kindes, kann ein Wechsel in die GKV sinnvoll sein. Die gesetzliche Krankenversicherung bietet nämlich eine Besonderheit, die die private nicht hat: die Mitversicherung in der Familienversicherung. Hier können die Kinder und unter bestimmten Bedingungen auch der andere Elternteil beim bereits gesetzlich versicherten Elternteil unkompliziert mitversichert werden – kostenlos. Voraussetzung ist, dass die Eltern miteinander verheiratet sind. Anders als bei der PKV, bei der jedes Familienmitglied eine eigene Versicherung braucht. Da es hier jedoch häufig sehr günstige Angebote gibt, lohnt es sich genau durchzurechnen – und auch zu bedenken, dass die private Krankenversicherung meist mehr Leistungen umfasst, für die bei der GKV ggf. Zuzahlungen fällig würden.
Mehr über die optimale Krankenversicherung für die gesamte Familie lesen Sie hier.
Ein zweites Szenario betrifft Änderungen beim Einkommen. Bei unterschiedlich versicherten Eltern – ein Elternteil ist privat, der andere gesetzlich versichert – ist es normalerweise so, dass die Kinder bei dem Elternteil versichert werden müssen, der mehr verdient. Verdient der privat versicherte Elternteil zwar mehr, bleibt aber unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2025 sind das 6.150 Euro brutto im Monat), ist auch die Familienversicherung in der GKV möglich. Sobald sich an der bisherigen Einkommenssituation etwas verschiebt, kann ein Wechsel für die Kinder nötig bzw. auch sinnvoll sein.
Unter welchen Bedingungen Studierende in die GKV kommen können, erklären wir hier.
Zurück in die GKV – eine Altersfrage
Wer gut verdient oder verbeamtet wird, hat irgendwann die Wahl, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Oft locken die zunächst günstigeren Beiträge, aber bleiben diese auch so günstig? Die Sorge über bezahlbare Beiträge auch im Alter erleben wir oft in der Beratung. Die letzte Beitragserhöhung bei der PKV zum Jahresanfang betraf rund zwei Drittel der Privatversicherten. Laut dem PKV-Verband (Verband der Privaten Krankenversicherung e. V.) müssen Privatversicherte seit diesem Jahr durchschnittlich 18 Prozent mehr PKV-Beiträge zahlen. Um die Mehrausgaben für die medizinische Versorgung zukünftig zu decken, mussten allerdings auch die gesetzlichen Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge ab 2025 deutlich anheben.
Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz der GKV, den das Bundesministerium für Gesundheit jeweils für ein Jahr im Voraus bekannt gibt, stieg 2025 auf 2,5 Prozent. Im Vorjahr lag dieser noch bei 1,7 Prozent. Für gesetzlich Versicherte zählt allerdings der individuelle Zusatzbeitragssatz ihrer Krankenversicherung. Diese variieren stark: Wer bei der Knappschaft versichert ist, zahlt mit rund 4,4 Prozent den höchsten Zusatzbeitrag bundesweit; Versicherte der BKK firmus in Bremen zahlen nur 1,84 Prozent von ihrem beitragspflichtigen Einkommen.
Große Versicherer wie die Techniker Krankenkasse liegen mit 2,45 Prozent im Mittelfeld.
2025 ist auch der allgemeine Pflegebeitragssatz gestiegen, konkret von 3,4 auf 3,6 Prozent. Da sich auch hier Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Kosten teilen, beträgt der Beitragssatz 1,8 Prozent. Neu ist seit diesem Jahr, dass Familien mit mehreren Kindern Abschläge von 0,25 Prozentpunkte pro anrechnungsfähigem Kind geltend machen können. Mit zwei Kindern reduziert sich der Pflegebeitrag auf 1,55 Prozent, bei drei auf 1,3 Prozent usw.
Unter diesem Gesichtspunkt lohnt sich ein Wechsel in das jeweils andere System womöglich also nicht.
Um die Beiträge im Alter möglichst stabil zu halten, können Privatversicherte einiges tun:
- Altersrückstellungen bilden, um Beitragsanpassungen im Alter abzufedern – Zahlung passiert automatisch
- 10 % gesetzlicher Zuschlag zahlen als gesonderte Altersrückstellungen – werden automatisch berechnet bis 60 Jahre
- Entlastungstarif abschließen – optionale Zusatzbausteine in der PKV
- Zuschuss zur Krankenversicherung im Rentenalter durch die gesetzliche Rentenversicherung erhalten – wird auf Antrag gezahlt
- Ein interner Tarifwechsel ermöglicht Beitragseinsparungen von durchschnittlich 43 % – Jetzt Option Tarifwechsel prüfen lassen
- Im Notfall: Wechsel in den Basistarif oder Standardtarif bzw. Notlagentarif
Zurück in die GKV – wenn es zu teuer wird
Arbeitslosigkeit, Krankheit, stagnierende Geschäfte, andere finanzielle Belastungen können dazu führen, dass man sich die PKV-Beiträge nicht mehr leisten kann. Auch hier haben Versicherte Optionen, um eine Lösung zu finden. Je nachdem, wie groß und langanhaltend der finanzielle Engpass ist, können Versicherte in den Basis- oder Standardtarif wechseln. Diese bieten Leistungen auf GKV-Niveau und haben brancheneinheitlich die gleiche Beitragshöhe. Smarter ist es jedoch, auf keine Leistungen zu verzichten und prüfen zu lassen, ob die eigene Versicherung nicht einen in den Leistungen vergleichbaren Tarif für einen internen Tarifwechsel bietet, der günstiger ist. Da die Versicherungen immer wieder neue Tarife zu attraktiven Konditionen auf den Markt bringen, kann sich das durchaus lohnen – zumal die Anfrage unverbindlich und kostenfrei ist. Die Spitzenreiter haben über 600 Tarife im Angebot!
Exkurs: Zurück in die GKV – wenn sie Pflicht wird
- Wenn das Jahresbruttoeinkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt (2025 bei 73.800 Euro brutto jährlich bzw. 6.150 Euro brutto monatlich) und Versicherte jünger als 55 Jahre sind. Für ältere PKV-Verträge kann noch die besondere Versicherungspflichtgrenze gelten. Wessen Versicherung bereits vor 2002 bestand, orientiert sich an der niedrigeren Grenze von 66.150 Euro)
- Arbeitslosigkeit: Wenn Arbeitslosengeld I bezogen wird.
- Studium: Bei Aufnahme eines Studiums, das zur Versicherungspflicht in der GKV führt.
PKV kündigen und in eine andere PKV wechseln
Einige werden sich wundern, dass diese Option erst so spät diskutiert wird. Denn auf den ersten Blick liegt es ja näher, bei Unzufriedenheit einfach die PKV zu wechseln und nicht gleich das System. Wegen der vielen Nachteile ist die Kündigung und Wechsel in eine andere private Krankenversicherung meist nicht empfehlenswert. Das liegt daran, dass was dabei einen Teil der gesammelten Altersrückstellungen verloren geht. Bei Verträgen, die bis einschließlich 2008 geschlossen wurden, gehen sogar sämtliche Altersrückstellungen verloren. Wer wechseln will, muss zudem damit rechnen, die Gesundheitsprüfung vollständig wiederholen zu müssen. Das kann zur Folge haben, dass mittlerweile erworbene Erkrankungen wie Allergien oder Rückenleiden Risikozuschläge oder sogar eine Ablehnung bedingen.
Zurück in die GKV – Wechsel unmöglich
Gerade für Ältere ist es gar nicht so einfach, zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Der Wechsel von der PKV zur GKV ist nach dem 55. Lebensjahr grundsätzlich erschwert. Wege eröffnen sich z. B. durch eine Familienversicherung oder auch dann, wenn man innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem 55. Lebensjahr 24 Monate versicherungspflichtig in der GKV war.
Warum sich die Kündigung meist nicht lohnt
Ob die private oder die gesetzliche Krankenversicherung besser ist, lässt sich pauschal nicht seriös beantworten. Beide Systeme bieten Vorteile, aber auch Nachteile. Wer wo am besten aufgehoben und günstig versichert ist, hängt von Einkommen, Alter und Gesundheitszustand ab. Klar ist: Wer die PKV verlässt und in die Gesetzliche wechselt, muss wissen, dass sich damit einiges ändert. So fällt die Option weg, den Versicherungsschutz individuell anzupassen, ebenso die freie Arzt- und Krankenhauswahl. Zudem muss mit höheren Zuzahlungen, z. B. bei Zahnersatz, gerechnet werden.
Die PKV zu wechseln oder zu kündigen, ist eine weitreichende Entscheidung. Weil das Gesundheitssystem und im Besonderen das komplexe Tarifsystem der PKV eigene Vergleiche erschwert, ist es vorteilhaft, professionellen Rat von Versicherungsexperten und Tarifwechselspezialisten einzuholen. Mit dem Ziel, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für den Gesundheitsschutz von Ihnen und Ihrer Familie zu finden, können Sie berechnen, ob sich der Wechsel des Systems, des Versicherers lohnt oder Sie bereits mit einem unkomplizierten internen Tarifwechsel nachhaltig sparen können.



