Was sind Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung?

Zuerst sollten wir den Ausdruck definieren: Es heißt Alterungsrückstellungen. Oft verwenden Versicherer auch den Begriff Altersrückstellungen. Es wird das Gleiche gemeint. Auch wenn der Begriff anders klingt.

Ihr Beitrag dient zur Deckung der Kosten und beinhaltet einen Sparanteil

Ihr PKV-Beitrag (oder Prämie genannt) besteht aus zwei unterschiedlichen Bestandteilen. Der eine Teil deckt die laufenden Kosten für Versicherungsleistungen und die Kosten des Versicherers. Der andere Teil dient als Spareinlage, genannt Alterungsrückstellungen.

Wenn ein Kunde sich neu versichert, wird anhand der Sterbetafel berechnet, welche Lebenserwartung der Kunde noch hat. Die Sterbetafel wird regelmäßig aktualisiert. Ändert sich die Lebenserwartung, ändert sich der Beitrag. 

Beispiel: Wenn die Lebenserwartung bei Eintritt in die Versicherung mit 50 Jahren berechnet wurde, steigt der Beitrag, wenn die Lebenserwartung auf 51 Jahre steigt. Natürlich würden Beiträge sinken, wenn die Lebenserwartung fällt.

Dazu plant der Versicherer die Gesundheitskosten. Denn diese steigen im Laufe des Lebens an, weil das Krankheitsrisiko steigt. Deshalb bildet der Versicherer von jedem einzelnen Vertrag Alterungsrückstellungen für das Kollektiv des Versicherers. Diese Ansparung soll dazu beitragen, dass Beitragssteigerungen bei steigendem Alter und höherem Krankheitsrisiko ausbleiben.

Der PKV-Beitrag bleibt ein Leben lang gleich

Der Aufbau der Rückstellungen in jüngeren Jahren und der Abbau in älteren Jahren wird durch versicherungsmathematische Grundsätze in der Kalkulationsverordnung geregelt. Alle Versicherer gehen dabei gleich vor. Theoretisch kann der Beitrag mit dieser Kalkulation ein Leben lang gleich bleiben…

In der Aufbauphase der Rückstellungen werden diese von jedem Versicherungsnehmer gesammelt, erfasst und mit ca. 3,5 % verzinst. Deshalb steigen auch die PKV-Beiträge, wenn der Zinsertrag nicht erreicht wird. Folglich ist die aktuelle Niedrigzinsphase ein Grund für steigende Beiträge. Unisextarife sind schon mit einem verringerten Rechnungszins kalkuliert.

Wie werden Alterungsrückstellungen berechnet?

Die mathematische Formel zur Kalkulation von Alterungsrückstellungen anhand eines Beispiels:

  1. Versicherungsbeginn mit 42 Jahren.
  2. Sparanteil der Rückstellungen 1.000 Euro im Jahr.
  3. Zinsatz 3,5 %

Formel:

 K_n = K_o *q^n +r* (q^n-1)/(q-1 )

  • Kn= Alterungsrückstellung mit 65
  • K0= Anfangskapital (erste Rate)
  • q = 1 + i
  • n = Anzahl der Sparjahre.
  • r = Sparanteil je Jahr

K_n = 1000 * 1,035^{23} + 1000 * tfrac{1,035^{23} - 1}{1,035 - 1}

  • Kn = 2206,14€ + 34.460,41€

  • K= 36.666,55€
  • K= 36.666,55 Euro Alterungsrückstellungen in 23 Jahren aufgebaut

Im Lauf der Jahre werden massive Summen an Rückstellungen aufgebaut. Es gilt, diese Werte zu erhalten. Je länger jemand privat versichert ist, desto höher sind die aufgebauten Alterungsrückstellungen. Grundsätzlich ist es besser, möglichst hochwertige Tarife bei Beginn zu wählen, weil damit auch die Rückstellungen höher sind.

Der Versicherer im Interessenkonflikt

Denn bei einer Vertragskündigung, zum Beispiel nach einer Beitragserhöhung, verbleiben alle Rückstellungen beim jeweiligen Versicherer. Es gibt also ein Interesse, jemanden der lang versichert war, ziehen zu lassen. Erstens entfällt der Kostenverursacher und zweitens verbleiben die Rückstellungen beim Unternehmen. Ausnahme: Die Portabilität der Rückstellungen wurde für Verträge ab 2009 eingeführt.

Deshalb ist der Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft optimaler. Der PKV-Tarifwechsel erhält Ihre Rückstellungen.

Ihr Versicherer möchte keine flächendeckende Tarifoptimierung.  Früher kündigten Kunden oder verstarben. Beide Vorgänge vererbten die Rückstellung im Kollektiv der Versicherung. Diese zunächst fiktiven Einnahmen hat der Versicherer einkalkuliert, um eine günstigere Prämie anbieten zu können.

Entfallen diese Einnahmen, zum Beispiel aus Kundenzufriedenheit nach einem Tarifwechsel, können für die gesamten Kunden des Kollektivs die Beiträge steigen.

Kopfschaden unterschiedlich je Altersgruppe

Zusätzlich erfasst der Versicherer den sogenannten Kopfschaden. Ist dieser im ausgewählten Altersbereich zu hoch, muss der Versicherer die Prämie anpassen. Steigt der Kopfschaden über eine prozentuale Grenze, muss der Versicherer die Beiträge erhöhen.

Problematisch wird eine solche Kalkulation, wenn in einem kranken Kundenbestand viele junge Kunde hinzugewonnen werden. Dadurch sinkt der Kopfschaden unter die Anpassungsgrenze. Die Folge sind happige Beitragserhöhungen in späteren Jahren.

Als Kunde hat man kaum die Möglichkeit, alle Merkmale selber zu erkennen und zu bewerten.