Wie Covid-19 die Digitalisierung auch in der PKV vorantreibt

Eines vorweg: So viel Digitalisierung wie jetzt in Zeiten von Corona gab es im deutschen Gesundheitswesen und in den allermeisten Branchen noch nie. In vielen Unternehmen finden sämtliche Meetings mittlerweile online statt. Homeoffice ist der neue Standard ebenso wie der digitale Schulunterricht. Dass die Digitalisierung vorangetrieben werden muss, ist kein Geheimnis und ein Dauerbrenner auf der ToDo-Liste. E-Health, digitale Patientenakte, digitales Rechnungsmanagement, Telemedizin sind nur einige Stichworte hinter Projekte, die im Bereich Krankenversicherung angestoßen wurden, aber noch nicht überall sichtbar sind bzw. sich stärker durchsetzen konnten. Letztes Jahr haben der PKV-Verband und seine Mitgliedsunternehmen einen Fonds von 100 Mio. Euro für digitale Innovationen in der Gesundheitsversorgung aufgelegt. Doch dass der digitale Umbruch durch eine plötzlich hereinbrechende Pandemie derart beschleunigt werden würde, hätte bis vor wenigen Monaten niemand vorhersagen können. Wir beleuchten mit unserem Beitrag, inwiefern die Corona-Epidemie die Digitalisierung in der privaten Krankenversicherung beschleunigt hat.

 

Videosprechstunde, Corona-App & Co

Covid-19 und die damit verbundenen Kontaktverbote und weitläufigen Einschränkungen im privaten und öffentlichen Leben haben bereits jetzt große Spuren hinterlassen. Da viele medizinische Berufe nicht mehr in der Praxis praktizieren können, ließ man sich digitale Alternativen in der medizinischen Beratung und Therapie einfallen: Physiotherapeuten und Hebammen arbeiten mit Videotelefonie, Ärzte in der Videosprechstunde. Spezialisten werden zur Unterstützung bei Bedarf in kleinere Kliniken gestreamt, während freie Intensivbetten bundesweit über eine einheitliche Datenbank vermittelt werden.

 

Brandaktuell kommt in den nächsten Wochen die Contact-Tracing-App – „Corona-App“ – für Smartphones zur Nachverfolgung und Eindämmung der Corona-Infektionen. Die freiwillige Corona-App soll helfen, die Ansteckungen nachzuverfolgen, wenn wie jetzt geschehen die Ausgehbeschränkungen gelockert werden. Die Nutzer werden sofort gewarnt, wenn sie sich neben infizierten Personen aufgehalten hatten und können umgehend reagieren. Experten rechnen damit, dass es noch bis mindestens Juni dauern wird, ehe die App Probleme wie Datenschutz und Anwenderfreundlichkeit behoben hat und an den Start geht.

 

Digitalisierungsschub durch Corona am Beispiel der UKV und BK

Einer aktuellen Studie des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) zufolge arbeiten in Deutschland aktuell etwa 43 Prozent der Berufstätige im Homeoffice. Das sind immerhin etwa 8 Prozent mehr als vor Beginn der Coronakrise. Da die gesetzlichen Vorgaben in der Versicherungsbranche wie auch in vielen anderen Sektoren die Schriftform erforderlich machen, findet noch immer 60 Prozent der Kommunikation der Krankenkassen mit ihren Versicherten per Briefpost statt, weitere 23 Prozent per Telefon und nur 17 Prozent über digitale Kanäle.

 

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Auch die Union Krankenversicherung (UKV) und Bayerischen Beamtenkrankenkasse (BK) müssen durch die Beschränkungen durch die Epidemie umdenken und ermöglichen mittlerweile vereinfachte Abschlussmöglichkeiten mit dem Verzicht auf die eigenhändige Unterschrift für das Neugeschäft. Außerdem arbeiten viele Mitarbeiter der Versicherung im Homeoffice, was eigenen Angaben zufolge sehr gut funktioniert. Um auch trotz der Kontaktbeschränkungen für alle Versicherten da zu sein, wird viel häufiger als früher von Plattformen wie Skype oder Chat-Systeme gebraucht. Angesichts der Coronakrise hat die UKV eine kostenlose digitale Sprechstunde gestartet, die bereits von fast 4.000 Kunden genutzt wurde. Dabei entfielen auf Covid-19 etwa 30 Prozent der Anrufe und die übrigen etwa 70 Prozent auf andere medizinische Fragen. Neben einer Beratung durch Ärzte werden darüber auch elektronisch Rezepte und Aus ausgestellt sowie bei entsprechender Indikation kostenlose Covid-19-Tests für Zuhause vermittelt.

 

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Wie es mit der Digitalisierung in der PKV weitergehen könnte?

Gerade in der Pandemie machen sich Menschen mehr Gedanken über ihre Gesundheit und den Wert von Prävention: Davon dürften in der Folge auch Produkte und Services profitieren, die die Gesundheit fördern. Mögliche Ansätze können sein: neue Gesundheitsanwendungen via App, telemedizinische Lösungen oder die Digitalisierung der Pflege. Aber auch die digitale Patientenakte und das digitale Rechnungsmanagement können einen Aufwind erfahren, auch weil bisherige Gegner von digitaler Technik überzeugt werden, dass es doch gut funktioniert, Strukturen verschlanken und Kosten einsparen hilft.

 

Fazit

Auch bei Corona heißt es diese Krise als Chance zu begreifen. Kein jüngeres, alle gesellschaftlichen Bereiche umspannendes Phänomen bringt die Vorteile der Digitalisierung deutlicher zum Vorschein als diese weltweite Corona-Epidemie. So schnell die Menschen sich an die Mundmasken im öffentlichen Leben gewöhnt haben, so werden sie sich an die neuen digitalen Standards gewöhnen. So werden digitale Angebote wie Telemedizin, Onlinesprechstunde mit dem Arzt, der Hebamme, dem Physiotherapeuten sich schnell zu selbstverständlichen Bestandteilen unseres Alltags entwickeln – als sinnvolle Ergänzung, ohne die gewohnten und notwendigen persönlichen vollständig zu verdrängen.

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