Im Jahr 1999 begann ich meine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der DKV. In den ersten Wochen stand primär als Lehrthema die deutsche Sozialversicherung auf dem Lehrplan. Damals sagte man uns, dass in ca. 25 Jahren die Sozialversicherung völlig aus den Fugen gerät. Mir erschienen die 25 Jahre zu weit entfernt, um sich ernsthaft Gedanken zu machen. 15 Jahre später sieht es allerdings schon etwas anders aus. Grund genug die Fakten zu beleuchten.

Unser heutiges Sozialversicherungssystem stammt ursprünglich aus dem Jahr 1881 und ist auf den Reichskanzler Otto von Bismarck zurückzuführen. Der Grundgedanke dieses Systems ist solidarischer Natur und sollte normalen Arbeitern Schutz vor Krankheit, Unfall und Invalidität im Alter bieten. Viele Jahrzehnte wurde Deutschland um sein fortschrittliches Sozialversicherungssystem beneidet. 130 Jahre später ist auch dieses System in die Jahre gekommen. Die seinerzeit größte Stärke wandelt sich heute zur größten Schwäche: die solidarische Systemfinanzierung, genannt Solidaritätsprinzip.

Das Solidaritätsprinzip kann man in den Grundzügen anhand der gesetzlichen Krankenversicherung erklären. Finanziell stärker gestellte Mitglieder zahlen einen höheren Beitrag als finanziell schwächere Mitglieder. Junge Mitglieder treten für alte Mitglieder ein und ledige Mitglieder für Familien. In der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt es heute sogar einen extra Mehrbeitrag für kinderlose Mitglieder. Auf den ersten Blick liegen die Vorteile klar auf der Hand und die Notwendigkeit und auch die Wichtigkeit wird deutlich. Dennoch schwächelt dieses System ganz enorm. Das Grundproblem begann im Jahr 1964.

1964 war ein gutes Jahr. In den USA wurde die Rassentrennung aufgehoben. Die Beatles sorgten in England für Furore und in Deutschland wurden so viele Kinder geboren, wie niemals wieder geboren werden sollten. Exakt 1.357.304 lebend Geborene wurden 1964 vom Statistischen Bundesamt für die Bundesrepublik (inkl.DDR)registriert. Im Jahr 2014 überschreiten alle Kinder von damals das 50. Lebensjahr. Die Ersten bereiten Ihre Rentenplanung vor. Ruhestand mit 65 oder doch eher 63 Jahren? Das Dilemma wird erst deutlich, wenn wir die Zahlen aus dem Jahr 2012 dazu nehmen. Im Jahr 2012 wurde nur noch die Hälfte an Kindern geboren: 673.500 lebend Geborene.

Es zieht ein deutlicher Generationenkonflikt auf. Dazu möchte ich Zahlen vom IFO Institut (Prof. Hans-Werner Sinn) aus dem IFO Standpunkt 159 zitieren:

http://cesifo-group.net/ifoHome/policy/Viewpoints/Standpunkte-Archiv/stp-2014/Ifo-Viewpoint-No--159.html

„Im Jahr 2000 mussten 100 Personen im Erwerbsalter (15 - 64 Jahre) 24 Personen im Rentenalter (ab 65 Jahre) finanzieren. 2011 waren es schon 31 Personen. In 15 Jahren werden knapp 47 und in 20 Jahren schon 55 Personen zu finanzieren sein, mehr als doppelt so viele wie zum Beginn dieses Jahrhunderts.“

Zitiert: Hans-Werner Sinn: „Deutsche Gerontokratie“. In CESifo GmbH | www.cesifo-group.net Stand: 25.11.2014. http://cesifo-group.net/ifoHome/policy/Viewpoints/Standpunkte-Archiv/stp-2014/Ifo-Viewpoint-No--159.html. Wenn es bereits heute ein finanzielles Problem in der Finanzierung der Sozialversicherung gibt (100 Geber versorgen 31 Empfänger), wo steht das soziale System in 15 Jahren (100 Geber versorgen 47 Empfänger)? Es wird also zwangsläufig zu einer Neuordnung der sozialen Systeme kommen müssen. Denn statistisch ist es kaum möglich, die demografische Entwicklung aufzuhalten. Um diesen Generationenkonflikt zu erkennen, genügt oft schon ein Blick in die eigene Familie:

Meine Oma hat 13 Geschwister. Meine Mutter hat 3 Geschwister. Ich habe einen Bruder und keine Kinder. Demografie in Reinform.

Die Politik müsste dieses Thema angehen. Es bleibt zu vermuten, warum öffentlich dazu so wenig besprochen wird. Eventuell liegt es an den Legislaturperioden. Das Thema ist nach Wahlperioden betrachtet noch drei Wahlen entfernt. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben und deswegen gilt es heute noch mehr an morgen zu denken als jemals zuvor. Weder die gesetzliche Krankenversicherung noch die gesetzliche Rentenversicherung wird in der heutigen Form bestand haben können.

Ein Lösungsweg könnte der bereits implementierte Weg der privaten Vorsorge sein. Die Riester-Rente, die Rürup-Rente oder der Pflege-Bahr sind erste Schritte in diese Richtung. man kann daraus bereits parteiübergreifend ableiten, wohin die Reise geht: Es gibt ein soziales System für Grundschutzlösungen. Alls darüber hinaus muss privat abgesichert werden. Deshalb ist der private Weg bereits heute viel wichtiger als manch einer glaubt. Spätestens in den Jahrgängen ab 1970 sollte das jedem bewusst sein.

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