Was ist ein Primärarzt?

Im Krankheitsfall haben Patienten vor allem ein Anliegen: möglichst schnell kompetente Beratung und Hilfe zu erhalten. Um eine langwierige und komplizierte „Patientenkarriere“ zu verhindern, bei der wiederholt Ärzte unterschiedlicher Zuständigkeitsbereiche in den Stationen des Gesundheitssystems aufgesucht werden, startet der Weg zur optimalen Therapie im Idealfall beim sogenannten „Primärarzt“. Dieser dient als erste Anlaufstelle, zentraler Ansprechpartner und kann bei Bedarf Überweisungen zu niedergelassenen Spezialisten („Sekundärversorgung“) oder Einweisungen ins Krankenhaus („Tertiärversorgung“) ausstellen. Mit dieser Vorgehensweise wird sichergestellt, dass Patienten dort Hilfe erhalten, wo sie optimal versorgt werden können. Für die Versicherung rechnet sich das Primärarztmodell ebenfalls, da Doppeluntersuchungen und Mehrfachkonsultationen vermieden werden können.

Wer gilt als „Primärarzt“?

Anders als häufig angenommen, übernehmen die Rolle des Erstversorgers nicht nur Hausärzte (Hyperlink „Das Primär- und Hausarztprinzip“), sondern auch Frauen-, Kinder-, Augen- und Zahnärzte und in manchen Fällen auch Hebammen. Als Hausärzte gelten in diesem Fall praktische Ärzte und Fachärzte für Allgemeinmedizin. Internisten, die an der hausärztlichen Versorgung teilnehmen, zählen nicht prinzipiell zu den Primärärzten, dies ist jedoch abhängig von der Versicherung und oftmals können sie als solcher schriftlich festgelegt werden. Sind Sie unsicher, wie Internisten in ihrer Versicherung gewertet werden, sprechen Sie dazu gerne unsere freundlichen Berater an oder verschaffen sich einen ersten Überblick anhand dieser Tabelle, die wir für Sie zusammengestellt haben (Hyperlink „Das Primär- und Hausarztprinzip“). Liegt ein medizinischer Notfall vor, kann selbstverständlich zunächst ein Not- oder Bereitschaftsarzt die Erstbehandlung übernehmen und zu Spezialisten überweisen, sofern ein Nachweis über das Vorliegen eines Notfalls erbracht werden kann.

Wie läuft die Versorgung im „Primärarztmodell“ ab?

Entscheidet sich ein Patient für das Primärarztmodell, führt der Weg, auch bei speziellen Krankheitsbildern wie Hautkrankheiten oder Gelenkbeschwerden, zunächst zu einem Primärarzt. Dieser führt erste Untersuchungen durch und wägt je nach Diagnose ab, ob eine weitere Behandlung durch einen spezialisierten Facharzt von Nöten ist. Somit liegt die Entscheidung in den sicheren Händen eines fachkompetenten Mediziners und teure, oftmals unnötige Untersuchungen können vermieden werden. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die „freie Arztwahl“ gewisse Einschränkungen erfährt – Sie können also bei einem Hautausschlag nicht direkt zum Hautarzt, sondern benötigen zunächst einen Überweisungsschein, z.B. von ihrem Hausarzt. Suchen Sie dennoch zuerst auf eigene Faust den Facharzt auf, erstattet Ihre Kasse die Kosten nur anteilig (z.B. zu 75%).

Brauche ich einen Primärarzt?

Was zunächst umständlich klingt, hat den Vorteil, dass Patienten im Primärarztmodell einen zentralen Ansprechpartner für Ihre Gesundheit haben. Der Primärarzt, häufig Hausarzt, kann eine Vertrauensperson darstellen, kennt ihre Lebens- und Familiengeschichte und behandelt Sie als Person, anstatt einzelne Körperteile zu heilen. Fachärzte können sich auf spezielle Krankheitsbilder konzentrieren und melden an den Hausarzt zurück, wie die Therapie verlaufen ist bzw. weiterverläuft. Insbesondere die Schnittstellenproblematik chronisch Kranker kann somit verhindert werden, bei denen häufig viele Versorgungseinheiten (Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus, Pflege, Physiotherapie) beteiligt sind. Dies führt zu Schwierigkeiten in der Kommunikation, der Patient weiß nicht, was wohin gehört und muss seine Krankheitsgeschichte mehrfach vortragen. Hier kann ein zentraler Ansprechpartner als Koordinator dienen, bei dem alle Informationen zusammenlaufen. Nehmen Sie nicht am Primärarztmodell teil, können Sie ohne Umwege direkt zum jeweiligen Facharzt gehen, allerdings besteht das Risiko, dass Sie viele teure Untersuchungen an hochtechnisierten Geräten von Fachärzten durchführen lassen, die möglicherweise nicht notwendig sind. Dadurch erhöhen sich die Kosten für die Versicherungsgesellschaft, was sich am Jahresende in Beitragsanpassungen niederschlagen kann. Oftmals können Allgemeinmediziner kleinere Probleme bereits behandeln und wissen bei Überschreitung ihrer Kompetenz oder Möglichkeiten den besten Ansprechpartner.

 

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Wenn Sie also beispielsweise an einem Hautausschlag leiden, suchen Sie im Primärarztmodell zunächst Ihren Hausarzt auf. Dieser stellt die erste Diagnose, kann möglicherweise bereits eine Therapie beginnen und stellt bei Bedarf eine Überweisung an einen Dermatologen aus. Ihre Kasse übernimmt sowohl den Besuch beim Hausarzt, als auch die weiteren Untersuchungen, die von diesem angeordnet werden. Der Hautarzt meldet in Form eines Arztbriefes den Behandlungsverlauf an den Allgemeinmediziner zurück, der sich somit ein Bild Ihrer kompletten Krankheitsgeschichte machen kann. Suchen Sie bei einem Hautausschlag zuerst einen Hautarzt auf, ohne einen Überweisungsschein zu haben, trägt Ihre Versicherung die Kosten dafür nur anteilig und Ihr Hausarzt weiß nichts von Ihrer Krankheit. Sollten Sie nicht im Primärarztmodell versichert sein, können Sie Ihren Arzt (ob Allgemeinmediziner oder Spezialist) frei wählen und Ihre Kasse übernimmt hierfür die vollen Kosten. Sie verzichten jedoch auf die zentrale Anlaufstelle, nehmen Informationsverluste durch Mehrfachkonsultationen in Kauf und könnten unnötige Behandlungen durchführen lassen.
Sollten Sie unschlüssig sein, ob ein Primärarztmodell für Sie persönlich Sinn macht, wer als Ihr Primärarzt gilt oder sonst Fragen zu Ihrer Versicherung haben, finden Sie bei uns auf KVoptimal.de jederzeit Antworten durch unsere kompetenten Berater.
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