Burnout, Depression & Psychotherapie – ein K.O.-Kriterium für die PKV?

Psychische Erkrankungen wie Burnout, Angststörung und Depression sind die neue Volkskrankheit Nummer eins und haben längst Rückenbeschwerden sowie Herz- und Kreislaufleiden überholt. Immer mehr Deutsche gehen in Therapie. Doch die Behandlung ist sehr teuer und viele Betroffene stehen vor der Frage, ob sie eine private Krankenversicherung finden, die sie trotz absolvierter Psychotherapie aufnimmt. Hier erfahren Sie, inwieweit eine „psychotherapeutische Vergangenheit“ ein Hindernis für die Aufnahme in eine PKV ist beziehungsweise welche Möglichkeiten für Betroffene es gibt. Außerdem informieren wir darüber, welche zusätzlichen Möglichkeiten der Absicherung empfehlenswert sind, wenn man psychische Probleme hat.

 

Burnout, Depression & Psychotherapie – ein K.o.-Kriterium für die PKV?

Psychotherapeutische Behandlungen können jeden treffen und werden neben beruflichen Belastungen durch Mobbing, Jobverlust auch im privaten Bereich etwa durch Prüfungen, Trennungen oder den Tod von Angehörigen ausgelöst. Sie haben eines gemeinsam, denn sie sind meist langwierig. Angefangen vom monatelangen Arbeitsausfall, über stationäre und ambulante Reha-Aufenthalte bis hin zur stufenweisen Wiedereingliederung und begleitenden Therapien.

 

Das kommt die Versicherungen teuer, weshalb viele private Krankenversicherungen psychisch vorbelastete Bewerber beziehungsweise die Kostenübernahme psychiatrischer Behandlungen von Vornherein ausschließen oder alternativ knackige Risikozuschläge verlangen. Damit bleibt vielen Betroffenen der Zugang zur PKV verwehrt. Aber es gibt Ausnahmen.

 

Welche Chancen habe ich auf eine private Krankenversicherung trotz zurückliegender Psychotherapie?

Hier gibt es gute Neuigkeiten. Viele privaten Krankenkassen nehmen unter bestimmten Bedingungen auch psychisch vorbelastete Menschen auf. Versicherte, die in den letzten Jahren in Psychotherapie waren, können so zum Beispiel häufig im Basistarif versichert werden. Mit den zeitlichen Maßstäben gehen die verschiedenen PKV-Unternehmen übrigens ganz unterschiedlich um. So bitten einige Versicherer lediglich für die vergangenen 3 Jahre, andere für 5 und viele für 10 Jahre um Angaben. Möchten sie allerdings in einen leistungsstärkeren Tarif wechseln, kann der Versicherer psychotherapeutische Behandlungen ganz ausschließen oder Risikozuschläge von maximal 30 Prozent berechnen. Hier gibt es die Möglichkeit, dass mit einem entsprechenden Attest der Risikozuschlag nach drei Jahren wegfällt, wenn keine Behandlungen mehr nötig sind.

 

Faktoren für die Aufnahme in eine PKV trotz Psychotherapie:

Grundsätzlich hängt eine Aufnahme in die PKV trotz Psychotherapie vom jeweiligen Fall und von den jeweiligen Bedingungen der Versicherer ab. Wichtige Faktoren sind hierbei, um welche Diagnose es sich genau handelt, wie viele Sitzungen ambulant oder an Tagen stationär behandelt wurde, über welchen Zeitraum insgesamt. Wichtig ist noch, ob die Behandlung als abgeschlossen gilt, ob Medikamente verschrieben wurden und was der Auslöser war.

 

Bei einem Wechsel in die private Krankenversicherung oder zu einem anderen PKV-Anbieter oder sogar in einen leistungsstärkeren Tarif beim bisherigen Versicherer wird in aller Regel eine Gesundheitsprüfung durchgeführt. Bei letzterem werden Gesundheitsfragen dann nur zu den neuen Mehrleistungen abgefragt. Auf einem Fragebogen muss wahrheitsgemäß über seinen Gesundheitszustand und bisherige Behandlungen Auskunft gegeben werden, um die Kosten abschätzen zu können. Das trifft auch zu, wenn es sich nur um temporäre Beeinträchtigungen wie bei der sogenannten depressiven Episode handelt. Vorsicht, Lügen hilft auch hier nicht: Werden Vorerkrankungen bewusst verschwiegen, kann der Versicherer die Kostenübernahme verweigern oder im Extremfall den Vertrag kündigen. Bei kurzen Behandlungen ist es nicht nachteilig es anzugeben, da es durchaus einige Versicherer gibt, die Sie versichern.

 

Besser ist es, offen mit seiner Erkrankung an den Versicherer heranzutreten und optimale Bedingungen auszuhandeln, auch wenn er Sie nachher deswegen nicht aufnimmt oder er für die Risiken ein Zuschlag verlangt.

 

Übrigens: Mit einem internen Tarifwechsel lassen sich in aller Regel die PKV-Beiträge spürbar senken. Fragen Sie Ihren Versicherer oder besser einen unabhängigen Versicherungsberater wie KVoptimal.de nach Ihren Tarifalternativen. Die durchschnittliche Ersparnis mit einem internen Tarifwechsel liegt bei unseren Kunden bei 43 Prozent.

 

Worauf sollte ich beim Abschluss einer PKV mit Kostenübernahme für psychische Behandlungen achten?

Ob die private Krankenversicherung im Bereich psychische Therapien gut aufgestellt ist, lässt sich an einigen Kriterien festmachen. Zunächst einmal sollten mindestens 30 Therapiesitzungen im Jahr inbegriffen sein. Zum Vergleich, die SDK erstattet die Kosten für eine Psychotherapie im Tarif der Serie A, S, Z vollständig und ohne Begrenzung der Sitzungszahl während die Debeka  in Ihren Tarifen bis zur 52. Sitzung und die Gothaer in vielen Tarifen nur bis zur 30. Sitzung die Kosten übernimmt. Nicht jeder Versicherer hat in jedem Tarif die gleiche Leistung abgesichert, daher ist auch bei einem Anbieter Ihrer Wahl immer ein Vergleich der abgesicherten Leistungen vorzunehmen.

 

Dazu kommt die Höhe der erstatteten Kosten pro Sitzung. Es gibt Versicherer, die die ersten beispielsweise 30 Sitzungen zwar vollständig erstatten, für die darüberhinausgehenden Sitzungen aber nicht mehr eintreten. Andere erstatten vielleicht von Sitzung eins an nur 75 Prozent, übernehmen aber beispielsweise bis zu 50 Sitzungen im Jahr. Hier heißt es vergleichen und rechnen. Vorab zu klären ist auch, wer überhaupt behandeln darf beziehungsweise wessen Behandlung übernommen wird. Während es bei ärztlichen Psychotherapeuten (Medizinstudium + psychotherapeutische Weiterbildung) keine Frage ist, sieht es bei psychologischen Psychotherapeuten (Psychologiestudium psychotherapeutische Weiterbildung) oder Heilpraktikern etc. ganz anders aus. Auch hier lohnt vorab ein Blick in die Versicherungsbedingungen.

 

Auch wenn sie dann bereits bei einer privaten Krankenversicherung versichert sind, sollten sie zur Sicherung Ihrer Ansprüche vor Therapiebeginn immer eine schriftliche Zusage zur Kostenübernahme von ihrem Anbieter anfordern.

 

Wie sollte ich mich zusätzlich absichern, wenn ich psychische Probleme habe?

In besonders stressanfälligen Berufen ist das Risiko, irgendwann psychotherapeutisch behandelt zu werden, besonders groß. Daher ist es ratsam, schon frühzeitig – und am besten noch vor dem Auftreten der Erkrankung – eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. Für bereits betroffene Menschen ist es allerdings sehr schwierig, im Nachhinein eine BU abzuschließen. Sie sollten prüfen, ob eine Erwerbsunfähigkeits-, Unfall- und Grundfähigkeitsversicherung eine Alternative sein kann. Eine Grundfähigkeitsversicherung kommt dann zum Einsatz, wenn bestimmte Fähigkeiten nach einer Krankheit oder Unfall beziehungsweise bei altersbedingtem Verschleiß verlorengehen.

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