Seit 2009 ist die gebildete Alterungsrückstellung bei einem Versichererwechsel portierbar und seitdem gewinnt die Hanse-Merkur die meisten Alterungsrückstellungen durch PKV-Wechsler am Markt hinzu. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die Tarife gut verkaufen lassen. Doch wenn sich Tarife gut verkaufen lassen, bedeutet das noch nicht, dass die Tarife auch wirklich gut sind. Welche Schwachstellen haben die KVS-Tarife der Hanse-Merkur?

Inhalt

  • Leistungsbereiche in der privaten Krankenversicherung
  • Wie unterscheiden sich die Tarife KVS1 und KVS3?
  • Einsteigertarife in der privaten Krankenversicherung
  • Exkurs gesetzlicher Zuschlag
  • Einsteigertarife in der PKV und Arbeitnehmer
  • Welche Leistungsdefizite und Schwachstellen sollten Sie kennen?
    • Heilmittel
    • Zahnleistungen
    • Hilfsmittel
    • Kinderwunschbehandlungen
    • Vorsorgeuntersuchungen
  • Sind die Tarife KVS1 und KVS3 von der Hanse-Merkur empfehlenswert?

Leistungsbereiche in der privaten Krankenversicherung

PKV-Verträge bestehen aus ambulanten, zahnmedizinischen Leistungen und stationären Leistungen. Jeder Leistungsbereich besteht aus vielen Einzelleistungen. Diese Einzelleistungen lassen sich vergleichen. Aus solchen Vergleichen können wir ableiten, ob Tarife ein vollständiges Leistungsniveau abbilden oder ein verringertes Leistungsniveau darstellen, um einen günstigen Preis bieten zu können. Die Tarife KVS1 und KVS3 bieten im Vergleich der möglichen Hanse-Merkur-Tarife eher ein unvollständiges Leistungsbild. Auch im Marktvergleich haben die Tarife Leistungsdefizite. Dadurch kann die Hanse-Merkur die Tarife günstiger kalkulieren und anbieten.

Wie unterscheiden sich die Tarife KVS1 und KVS3?

Die Tarife KVS1 und KVS3 unterscheiden sich nur im Selbstbehalt. Alle medizinischen Leistungen sind deckungsgleich. Während der KVS1 pro Jahr 500 Euro Selbstbehalt berechnet, wird bei Tarif KVS3 jährlich 1.000 Euro Selbstbehalt berechnet.

Der Selbstbehalt wird nur für ambulante und zahnmedizinische Arztrechnungen erhoben. Stationäre Rechnungen werden ohne Selbstbehalt erstattet. Der kleine Vorteil ist nicht relevant, weil sich oftmals die Dauerbehandlungen im ambulanten Bereich abspielen.

Der Tarif KVS1 stammt aus dem Januar 2013 und im Januar 2014 wurde der Tarif KVS3 auf den Markt gebracht. Damit gehören die Tarife zur Unisextarifwelt.

Einsteigertarife in der privaten Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung ermöglicht Existenzgründern, sich preiswert in der PKV zu versichern. Grund dafür ist, dass Existenzgründer wenig Einkommen haben und sich deswegen noch keinen vollwertigen Schutz leisten können.

Einsteigertarife sind günstiger, weil die Tarife durch reduzierte Leistungen und geringerer Bildung von Alterungsrückstellungen günstiger kalkuliert werden können. Beide Umstände führen bei einem dauerhaften Verbleib in Einsteigertarifen zu unerfreulichen Nebeneffekten:

  • Das verringerte Leistungsniveau führt in späteren Jahren zu höheren Zuzahlungen bei Arztbehandlungen
  • Die verringerte bilden von Alterungsrückstellungen führt zu stärkeren Beitragssteigerungen in späteren Jahren

Einsteigertarife sind heute Top und morgen ein Flop. Machen Sie sich bitte bewusst, dass es keinen Schnapper im PKV-Bereich gibt. Es gibt nur einen billigen Beitrag, weil Nachteile eingekauft werden. Das ist wie mit einem gebrauchten Auto. Ein gebrauchtes Auto ist günstiger, aber nicht besser.

Wer sich in einem Einsteigertarif versichert, sollte zeitnah in höherwertige Tarife umsteigen. Aus diesem Grund bieten die KVS-Tarife ein Optionsrecht auf Höherversicherung:

  • 4. Versicherungsjahr ohne Risikoprüfung
  • 6. Versicherungsjahr mit max. 50 % oder
  • 8. Versicherungsjahr mit max. 100 % Risikozuschlag auf die Mehrleistung.

Eine Höherversicherung ist in die Hanse-Merkur-Tarife AZP und KVT möglich. Beide Tarife haben kein Optionsecht. Interessant sind die unterschiedlichen Beiträge. Der Vergleich ist für eine 30-jährige Person.

Quelle: www.psp-software.de

Der Tarif KVS ist fast 150 Euro im Monat billiger als die vollwertigen Tarife. Diese starke Differenz ist nicht nur auf Minderleistungen zurückzuführen. Im Tarif werden absolut weniger Altersrückstellungen angespart. Deutlich wird das Thema am gesetzlichen Zuschlag.

Exkurs gesetzlicher Zuschlag

Der gesetzliche Zuschlag ist für die Beitragsstabilität ab dem 65. Lebensjahr gedacht. Je höherer die Ansparungen, desto geringere Beitragssteigerungen ab dem 65. Lebensjahr. Deswegen sollte jeder PKV-Kunde Interesse haben, eine möglichst hohe Summe für Altersrückstellungen anzusparen.

Im Beitragsvergleich wird der Beitrag für den gesetzlichen Zuschlag genannt. Im Tarif KVS kostet dieser 27,34 Euro. Im AZP werden 49,60 Euro berechnet. Sie zahlen den Zuschlag bis zum 60. Lebensjahr. Der Arbeitgeber trägt 50 % der Kosten. Dann entfällt dieser Baustein. Es ergeben sich zum 60. Lebensjahr mit 1 % Zinswachstum folgende Werte:

  • KVS3 Ansparsumme gesetzlicher Zuschlag: 11.474,04 Euro
  • AZP Ansparsumme gesetzlicher Zuschlag: 20.816,11 Euro

Ganz objektiv betrachtet, haben AZP-Kunden im Rentenalter einen finanziellen Vorteil.

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Einsteigertarife in der PKV und Arbeitnehmer

Einsteigertarife sollten vom Arbeitnehmer grundsätzlich gemieden werden. Der Arbeitgeberzuschuss ist ein wichtiger Vorteil. Anhand einer Steuerberechnung wirken aber Billigtarife erst mal clever. Denn das Nettogehalt steigt:

Quelle: Brutto Netto Rechner 2022

  • Nettogehalt GKV: 3465,02 Euro
  • Nettogehalt mit KVS3: 3.643,82 Euro (+178,80 Euro Nettogehalt)
  • Nettogehalt mit KVT500: 3.415,82 Euro (-49,20 Euro Nettogehalt)

Doch der KVS3 Tarife hat deutlich Nachteile gegenüber dem Tarif AZP. Zum Beispiel sind im KVS3 pro Jahr 1.000 Euro Selbstbehalt vereinbart. Das entspricht einem Nachteil im Krankheitsfall von 83,33 Euro monatlich.

Damit sinkt im Krankheitsfall der Vorteil vom Nettogehalt auf 95,47 Euro. Das ist immer noch viel Geld. Aber der AZP-Vertrag hat weitere Vorteile:

Der Tarif AZP hat 3.200 Euro Nettogehalt bei Arbeitsunfähigkeit versichert. Der KVS3 hat nur 1.290 Euro versichert (Krankentagegeld Satz 180 Euro anstatt 100 Euro). Das reicht vermutlich nicht mal um die Miete zu bezahlen. Die Sätze im Krankentagegeld sind relativ frei zu wählen. Wir berücksichtigen immer den PKV-Beitrag und den Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Zusätzlich verringert sich der PKV-Beitrag im Rentenalter um 500 Euro. Ein Arbeitnehmer hat im oben angebotenen AZP-Vertrag im Rentenalter satte 809 Euro Beitragsnachlass (BEN + GRV + KT + GZN) versichert.

Wenn keine Rechnungen eingereicht werden, bezahlt die Hanse-Merkur 6 Monatsbeiträge Beitragsrückerstattung (AZP). Neben den Rahmenbedingungen sind auch die Leistungen besser.

Welche Leistungsdefizite und Schwachstellen sollten Sie kennen?

PKV-Versicherte sind in der Regel aus zwei Gründen unzufrieden mit dem PKV-Versicherer. Zum einen, weil die Beiträge steigen und zum anderen, weil medizinische Behandlungen unvollständig oder überhaupt nicht bezahlt werden.

Steigende Beiträge gehören bei einem PKV-Vertrag aufgrund Kapitaldeckungsverfahren dazu und können nicht verhindert werden. Doch im AZP-Angebot ist schon eine Top-Vorsorge gegen hohe Beiträge im Rentenalter inbegriffen.

Die Leistungseinschränkungen können ebenfalls zum Vertragsbeginn eingesehen und durch kluge Planung minimiert werden. Um den Testbericht nicht ausufern zu lassen, fokussiere ich nur auf einen kleinen Teil der Unterschiede im Leistungsniveau.

Heilmittel

Heilmittel sind persönliche Therapien und ein großes Leistungsfeld in der Medizin. Dazu gehören:

  • Ergotherapie
  • Physiotherapie
  • Logopädie
  • Podologie
  • Ernährungstherapien

Die Hanse-Merkur versichert in der KVS-Reihe nur 90 % pro Behandlung. Dazu sind die 90 % Leistung auf die Bundesbeihilfeverordnung begrenzt. Berechnet ein Heilbehandler höhere Kosten als in der Bundesbeihilfeverordnung festgelegt, sinkt der Erstattungssatz anteilig zusätzlich. Beispiel:

  • Einheit Massage = 45 Euro
  • Leistungshöhe Bundesbeihilfeordnung = 35 Euro
  • Erstattung 90 % des Wertes der Bundesbeihilfeordnung = 31,50 Euro
  • Eigenanteil pro Massage: 13,50 Euro

Was wäre besser? 100 % Leistungen ohne Bezug zur Bundesbeihilfeverordnung. Auch der AZP stellt auf die Bundesbeihilfeverordnung ab. Das wäre für mich ein Argument Tarife der Hanse-Merkur nicht in Betracht zu ziehen und bei anderen Versicherern Tarife zu prüfen.

Zahnleistungen

KVS-Tarife begrenzen die Zahnleistungen auf maximal 4.000 Euro im Jahr. Dazu sind Zahnbehandlungen nur bis zum Regelsatz der Gebührenordnung versichert. Auch hier der Inflationsnachteil. Aus 4.000 Euro Wert werden in 30 Jahren bei 2 % Inflationsrate gerade noch mal 2.208 Euro. Ein Implantat kostet heute bereits mehr als diese Summe. Inflationsrechner:

Quelle: www.Zinsen-berechnen.de

Die Hanse-Merkur bietet den Tarif EKV an. Damit kann man die Leistungshöhe für dentale Leistungen korrigieren. Der Mehrbeitrag ist abhängig vom Alter und kostet für eine 30-jährige Person 22,66 Euro. Der Arbeitgeber trägt 50 % des Beitrages.

Hilfsmittel

Hilfsmittel sind medizinische technische Geräte und Körperersatzstücke. Die KVS-Reihe begrenzt die Leistungen in Euro-Werten. Durch die Inflation sinkt die Kaufkraft des Geldes. Beispiel: Die Leistungen „1.000 Euro für Hörhilfen“ ist zum einen heute schon zu wenig und zum anderen in 30 Jahren durch Inflation vielleicht noch 500 Euro wert. Das bedeutet, dass hohe Zuzahlungen die Folge sind.

Kinderwunschbehandlungen

Die KVS-Tarifreihe schließt Kinderwunschbehandlungen aus. Dazu der Auszug aus den KVS-Tarifbedingungen:

Vorsorgeuntersuchungen

Vorsorgeuntersuchungen sind bei der Hanse-Merkur dürftig ausgestattet. Grundsätzlich sollten Vorsorgeuntersuchungen ohne Selbstbehalt versichert sein und auch ohne zeitliche Begrenzungen (nach gesetzlichen Programmen = auch die gesetzlichen Fristen). Zum Beispiel ist der Check ab 35 nur alle drei Jahre versichert. Ich lasse mir jedes Jahr Blut abnehmen, um sicherzustellen, dass ich nichts verschleppe. Wir haben nur eine Gesundheit und diese ist zu Pflegen. Gute Vorsorgeleistungen sind deshalb ein Muss für mich.

Im Endeffekt verkürzt diese Leistungsklausel das Leben. Denn wer sich topfit fühlt und für Vorsorge Geld zahlen soll, neigt erfahrungsgemäß dazu, solche Untersuchungen einzusparen. Deswegen gilt: Wer lang leben will, muss Vorsorge machen.

Sind die Tarife KVS1 und KVS3 von der Hanse-Merkur empfehlenswert?

Die KVS-Reihe sind maximal für 4 Jahre für Existenzgründer zu empfehlen. Arbeitnehmer sollten immer gleich zwischen AZP und KVT entscheiden. Wer sich länger in den KVS-Tarifen versichern möchte, muss genau planen. Dabei helfen wir. Krankentagegeld, Entlastung im Alter, Entfall des Selbstbehaltes im Rentenalter, etc. Ohne entsprechende Planung können hohe Kosten die Folge sein.

Im besten Fall entscheiden Sie sich nur für KVS-Tarife, wenn Tarif AZP oder auch Tarife KVT (500 SB oder 1.000 SB) mit in die Planungen aufgenommen werden.

Mit dem Wechsel in die PKV treffen Sie eine wichtige Entscheidung: Wollen Sie im Erwerbsleben günstig versichert oder im Rentenalter günstig versichert sein? Wir helfen gerne bei der Entscheidungsfindung. Unsere Beratung ist in diesem Fall kostenfrei für Sie.