Jedes Jahr im Herbst setzen sich im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die nimmermüden Rädchen in Bewegung, um die Rechengrößen der Sozialversicherung turnusgemäß neu zu berechnen und anzupassen. Nach „getaner Arbeit“ liegen nun für das Jahr 2022 beispielsweise Beitragsbemessungsgrenzen für die Rentenversicherung, die Arbeitslosenversicherung und – was hier relevant wird – die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung vor.

Interessant ist, dass diese unverändert bei 4.837,50 Euro monatlich bzw. 58.050 Euro jährlich liegt. Da daraus auch der Höchstbeitrag GKV 2022 berechnet wird, bedeutet es für viele gesetzlich Krankenversicherte etwas Entspannung. Wie die Zahlen konkreter aufgeschlüsselt ausfallen und wie diese zu interpretieren sind, finden Sie mit diesem Beitrag heraus.

Die neuen (vorläufigen) Werte: GKV Höchstbeitrag 2022

Vorläufig daher, weil der vorliegende Referentenentwurf zwar veröffentlicht wurde, aber von der Bundesregierung noch nicht beschlossen und vom Bundesrat noch nicht zugestimmt wurde. Sobald er verabschiedet wird, wird er dann im Bundesgesetzblatt verkündet. Im Normalfall ist das jedoch nur eine Formsache, weshalb die Vorab-Werte eine hohe Aussagekraft haben.

In der folgenden Übersicht finden sie den ab dem kommenden Jahr geltenden monatlichen GKV und PV Höchstbeitrag 2022 sowie dessen Entwicklung zwischen 2019 bis 2022. Es handelt sich um Gesamtwerte inklusive dem Arbeitgeberanteil.

2019

2020

2021

2022 (vorläufig)

Änderung 2022 zu 2021

GKV Höchstbeitrag
(inkl. Ø GKV-Zusatzbeitrag)

703,31 €

735,94 €

769,16 €

769,16 €

0 €

 

PV Höchstbeitrag Kinderlose

149,74 €

154,69 €

159,64 €

159,64

0 €

 

Gesamt: GKV + PV Höchstbeitrag
Kinderlose

853,05 €

890,63 €

928,80 €

928,80 €

0 €

Quelle: KVoptimal.de GmbH (Stand Oktober 2021)

Legt man den durchschnittlichen Zusatzbeitrag zugrunde, muss ein Arbeitnehmer damit insgesamt maximal 384,58 Euro für die GKV bezahlen bzw. für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen monatlich 464,40 Euro (entspricht 50 % Arbeitnehmeranteil (kinderlos) von 982,80 Euro).

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Beitragsbemessungsgrenze als Basis: Wie berechnet sich der GKV Höchstbeitrag 2022?

Der Höchstbeitrag zur GKV ändert sich – mit Ausnahme vom GKV Höchstbeitrag 2022 – normalerweise jährlich. Das liegt daran, dass dieser sich an der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung orientiert und diese Grenze wiederum die Lohnentwicklung im vorangegangenen Jahr, also 2020, zugrunde legt. In 2020 fielen die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer*in bundesweit um 0,15 Prozent niedriger aus als 2021. Nach vielen Jahren des andauernden Wachstums ist diese negative Entwicklung entgegen dem Trend und Grund dafür, dass der Richtwert Beitragsbemessungsgrenze 2021 stagniert.

Der Höchstbeitrag GKV gibt an, wie viel ein Versicherter maximal in seine gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung monatlich einzahlen muss bzw. wie viel ggf. sein Arbeitgeber abführen muss. Gesetzlich Versicherte müssen für ihre Krankenversicherung die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6 Prozent, also 7,3 Prozent zahlen. Die andere Hälfte trägt der Arbeitgeber. Hinzu kommt ggf. ein kassenindividueller (ebenfalls) einkommensabhängiger Zusatzbeitrag, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer*in auch paritätisch teilen. Der mögliche Zusatzbeitrag wird abhängig von der finanziellen Situation von den Krankenkassen festgelegt. 2021 betrug der durchschnittliche Zusatzbeitrag 1,3 Prozent.

Der GKV-Beitrag setzt sich aus folgenden Komponenten:

  • allg. Beitragssatz der GKV 14,6 %: Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen je 7,3 %
  • zzgl. ggf. individueller Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse: Ø Zusatzbeitrag 2021: 1,3 %
  • Beitragsbemessungsgrenze 2022 mit monatlich 4.837,50 € / Monat brutto

 

Übrigens ist die Beitragsbemessungsgrenze nicht mit der Versicherungspflichtgrenze zu verwechseln. Die Versicherungspflichtgrenze gibt nämlich an, ab welchem Einkommen man eine private Krankenversicherung (PKV) abschließen kann. Ein Wert, der insbesondere für besserverdienende Angestellte interessant ist. 2022 liegt die Versicherungspflichtgrenze bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 5.362,50 Euro bzw. einem jährlichen von 64.350 Euro.

Was zahlen Selbst­stän­dige 2022 maximal an die GKV?

Selbstständige sind in der Regel nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse, sie haben aber die Option, sich dort freiwillig zu versichern. Die Beitragsbemessungsgrenze ist für sehr gut verdienende Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung ein willkommener Kostendeckel. Da sie festlegt, bis zu welcher Höhe das Einkommen bei der Beitragsberechnung berücksichtigt wird, wird das darüberliegende Einkommen dementsprechend nicht berücksichtigt. Zur Berechnung des Einkommens von Selbständigen werden allerdings nicht nur die Einkünfte aus der selbständigen Tätigkeit berücksichtigt, sondern auch Einnahmen aus Vermietung, Verpachtung und Zinserträgen.

Selbständige als freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen ohne Anspruch auf das gesetzliche Krankengeld einen ermäßigten Beitragssatz in Höhe von 14 Prozent. Mit Krankengeld, das sie bei einer langwierigeren Krankheit finanziell unterstützt, wird dann auch der allgemeine Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent angesetzt. Immer obendrauf kommt der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse.

Selbstständige mit Einnahmen gleich oder oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze müssen den GKV Höchstbeitrag 2022 zahlen, der für Kinderlose und für Kranken- und Pflegeversicherung zusammengenommen bei voraussichtlich 928,80 € inklusive durchschnittlichem Zusatzbeitrag liegt. Hier kommt der Haken: Im Gegensatz zu Angestellten müssen Selbstständige diesen Beitrag allein aufbringen.

Berechnung monatlicher Höchstbeitrag GKV für Selbstständige

Hier sehen Sie, wie sich der monatliche Höchstbeitrag zur Krankenversicherung für Selbstständige zusammensetzt:

4.837,50 Euro = Bemessungsgrundlage Kranken- und Pflegeversicherung 2022 (monatlich, brutto)

677,25 Euro   =          14,0 % von 4.837,50 Euro (ohne Krankengeldanspruch)
740,14 Euro   =          15,3 % von 4.837,50 Euro (ohne Krankengeldanspruch 14,0 % + 1,3 %
Ø Zusatzbeitrag)

706,28 Euro   =          14,6 % von 4.837,50 Euro (mit Krankengeldanspruch)
769,16 Euro   =          15,9 % von 4.837,50 Euro (mit Krankengeldanspruch 14,6 % + 1,3 % Ø
Zusatzbeitrag)

Hinzu kommen jeweils 147,54 Euro bzw. 159,64 Euro (für Kinderlose) als Beitrag zur Pflegeversicherung.

Auch am anderen Ende gibt es einen konkreten Wert: den Mindestbeitrag zur GKV. Dieser hängt an der Mindesteinkommensgrenze, die 2021 bei 1.096,67 liegt. Für Selbstständige ohne Krankengeld-Anspruch steigt der GKV Mindestbeitrag auf 153,53 Euro bzw. auf über 155 Euro inklusive 1,3 Prozent Zusatzbeitrag.

Niedrigere Krankenversicherungsbeiträge für Selbstständige? So gehts!

Unabhängig davon, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind, können Sie als Selbstständige*r Ihre Beiträge zur Krankenversicherung senken. Bei Versicherten in der GKV geht das erstmal einfach, indem sie den ermäßigten Beitragssatz ohne Krankengeldanspruch wählen. Um dieses Risiko nicht einzugehen, können Sie überprüfen (lassen), ob sich ein Wechsel in die private Krankenversicherung für Sie lohnt. Gerade, wenn Sie mit Ihren Einkünften in die Nähe oder über der Beitragsbemessungsgrenze hinaus reichen und damit den Höchstbeitrag GKV leisten, kann ein Wechsel sich für Sie lohnen. Bei der PKV werden die Beitragssätze nicht einkommensabhängig, sondern an Kriterien wie Alter, Gesundheit, Beruf etc. bemessen, also anhand der individuellen Risiken kalkuliert.

Auch interessant: Die Vorteile der PKV

Sind Sie bereits selbstständig und privatversichert und möchten Ihre PKV-Beiträge senken, dann können Sie Ihr Recht auf einen internen Tarifwechsel ganz einfach wahrnehmen. Bei einem internen Tarifwechsel wechseln Sie nicht die Versicherung, sondern nur den Tarif. Und das auch nur, wenn dieser – meist neuere Tarif – bessere Leistungen umfasst bei häufig besseren Konditionen. In der Regel ist hierfür keine erneute Gesundheitsprüfung notwendig und Sie verlieren mit einem internen Tarifwechsel keine bisher erworbenen Rechte oder Altersrückstellungen. Unabhängige Versicherungsexperten wie das Team der KVoptimal.de GmbH beraten Sie fair, kostenfrei und unverbindlich mit ihrer langjährigen Erfahrung in den Bereichen Tarifwechsel und Tarifoptimierung.

Welchen Einfluss hat der GKV Höchstbeitrag 2022 auf den PKV-Beitrag?

Der maximal zu zahlende GKV-Beitrag ist nicht nur für gesetzlich Versicherte, sondern auch für Privatpatienten interessant. Wie das? Die Beitragsbemessungsgrenze ist auch für die PKV maßgebend: Zum einen wird mit dieser der maximal zu zahlende Beitrag im Basistarif der PKV begrenzt. Andererseits ergibt sich aus der Beitragsbemessungsgrenze auch der Höchstzuschuss des Arbeitsgebers (Arbeitgeberzuschuss) zum PKV-Beitrag für seine Arbeitnehmer.

Fazit GKV Höchstbeitrag 2022

Es ist fast ein Novum, dass der GKV-Höchstbeitrag für 2022 nicht ansteigt, sondern den gleichen Wert wie 2021 hat. Schuld daran ist die Beitragsbemessungsgrenze, an der der Höchstbeitrag gekoppelt ist. Diese Grenze orientiert sich an der aktuellen Lohnentwicklung, die in 2020 leicht rückläufig war – und damit zur Stagnation führte. Besonders die freiwillig Versicherten in der GKV wie viele Selbstständige wird das freuen, da sie für ihre Kranken- und Pflegeversicherung in 2022 nicht mit Mehrkosten rechnen müssen.