Die private Krankenversicherung

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Was ist eine PKV?

Verkürzt dargestellt steht die private Krankenversicherung für viele heute für eine privilegierte medizinische Versorgung, deren Zugang nur für bestimmte Personenkreise zugänglich ist. Historisch betrachtet gibt es die private Krankenversicherung im heutigen Sinne seit Ende des 19. Jahrhunderts. Versicherungseinrichtungen auf privatwirtschaftlicher Grundlage wurden notwendig, weil beispielsweise auch Menschen wie die gesetzlich nicht versicherungspflichtigen Beamten eine Absicherung erhalten sollten.

Heute hat der Verband der Privaten Krankenversicherung 42 Gesellschaften – von A wie Allianz bis W wie Würzburger. Diese privatrechtlichen Versicherungsunternehmen werden entweder in Gestalt von Aktiengesellschaften oder Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit betrieben.

So funktioniert die PKV!

Bei der privaten Krankenversicherung erhalten die Versicherten genau die Leistungen, die individuell vertraglich vereinbart sind. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) können Privatversicherte ihre Absicherung nämlich zu großen Teilen mitgestalten.

Dazu zählt, dass beispielsweise ein jährlicher Selbstbehalt vereinbart werden kann, um den Beitrag deutlich zu senken. Zudem sind die grundsätzlichen Leistungen häufig umfangreicher und decken beispielsweise auch Wahlleistungen im Krankenhaus, umfangreiche Vorsorgemaßnahmen oder hochwertigen Zahnersatz ab.

Für die Kalkulation der PKV-Beiträge spielen der Gesundheitszustand und das Alter und die sich daraus ergebenden Risikofaktoren eine entscheidende Rolle.

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Personen stehen und sitzen auf Münzstapeln

Für wen lohnt sich ein Wechsel in die PKV?

Die private Krankenversicherung ist in erster Linie nicht darauf ausgelegt, viel günstiger als die GKV zu sein. Vielmehr geht es darum, den Zugang zu Spitzenmedizin zu ermöglichen und für die bestmögliche medizinische Versorgung ohne Kompromisse zu leisten.

Der ideale Privatversicherte

  • Jünger als 40 Jahre

  • Hohes Einkommen

  • Ohne besonderes Berufsrisiko

  • Familienplanung steht bereits

  • Guter Gesundheitszustand

Insbesondere Gutverdiener mit einem guten Gesundheitszustand können mit einer privaten Krankenversicherung Beitragskosten einsparen und gute Leistungen erreichen, sollten sich langfristig aber darauf einstellen auch etwas für die Planbarkeit der Beiträge zu sparen. Aber auch für Beamte ist die PKV in der Regel die optimale Wahl.

Anders sieht es aus bei Menschen mit Vorerkrankungen oder in Risikoberufen sowie bei älteren Versicherten. Der Hintergrund ist der, dass mit zunehmendem Alter Vorerkrankungen bei der Gesundheitsprüfung zutage treten und zu höheren PKV-Beiträgen führen. Zudem müssen Altersrückstellungen gebildet werden und je später ein Versicherter damit anfängt, desto höher fällt wiederum der Beitrag aus.

Wann ist ein Wechsel in die PKV möglich?

  • Selbstständige / Freiberufler

    Selbstständige und Freiberufler wie Handwerker, Rechtsanwälte, Ärzte, Ingenieure, Coaches, Künstler, Publizisten etc. können sich ab dem Zeitpunkt, ab dem sie (überwiegend) selbstständig tätig sind, privat krankenversichern oder freiwillig gesetzlich versichern – und zwar unabhängig davon, wie hoch ihre Einnahmen sind.

  • Angestellte

    Hierunter fallen allein die Arbeitnehmer, deren Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) liegt. Für 2021 sind das 64.350 Euro an Jahresbruttoeinkommen bzw. 5.362,50 Euro monatlich – der Wert muss in der Vorausschau für mindestens zwölf Monate überschritten werden, um sich privat versichern zu dürfen.

  • Beamte / Beihilfeberechtigte

    Beamte bzw. Beihilfeberechtigte können im Prinzip frei wählen, ob sie sich gesetzlich oder privat versichern. Da jedoch der Dienstherr nur zur privaten Krankenversicherung die sogenannte Beihilfe zahlt, fällt die Wahl im Normalfall auf die PKV.

  • PKV für Studenten

    Mit dem Beginn des Studiums, zum Ende der GKV Familienversicherung (meist mit 25 Jahren) bzw. zum Ende der Versicherungspflicht in der GKV studentischen Krankenversicherung (meist mit 30 Jahren) haben Studierende die Möglichkeit, in die PKV zu wechseln.

Was kostet die private Krankenversicherung?

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Beiträge in der privaten Krankenversicherung nach dem Äquivalenzprinzip kalkuliert: Die Beitragseinnahmen werden so bemessen, dass sie die voraussichtlichen Ausgaben für die medizinische Versorgung abdecken – und zwar ein Leben lang. Die Beitragshöhe hängt demzufolge vor allem vom gewünschten Versicherungsschutz sowie dem Alter und Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss ab, die in einer Gesundheitsprüfung meist durch einen Fragebogen bzw. ggf. durch ärztliche Befunde und Gutachten festgestellt werden.

Zum Vergleich: Bei der gesetzlichen Krankenversicherung gilt das Solidaritätsprinzip: Alle zahlen – unabhängig von Eintrittsalter und Gesundheitszustand – einen festgelegten Beitragssatz des Einkommens. Dadurch zahlen – bei gleichem Leistungsumfang – Niedrigverdiener in der GKV weniger für ihre Krankenversicherung; Höherverdiener dagegen mehr.

Das individuelle Krankheitsrisiko

Der ideale Privatpatient (s. o.) zahlt entsprechend auch die niedrigsten Beiträge. Für besondere Risiken wie kritische Vorerkrankungen werden in der PKV typischerweise Risikoaufschläge erhoben oder sogar Leistungsausschlüsse vereinbart. Relevante Kriterien für die Einschätzung des individuellen Krankheitsrisikos sind das (Eintritts-)Alter und bestehende Vorerkrankungen.

Die Faustregel hier lautet:

Wer mehr Risiken aufweist, muss mehr zahlen.

Alle Risiken, die sich erst nach dem Versicherungsabschluss ergeben, wirken sich übrigens nicht auf die Beitragshöhe aus. Vorsicht ist auch geboten, wenn man bei der Gesundheits- bzw. Risikoprüfung vor Vertragsschluss wissentlich falsche Angaben macht bzw. Informationen zurückhält.

Weitere Informationen zur Privaten Krankenversicherung

Wovon hängen die Kosten für die PKV ab?

Die Höhe der PKV Beiträge hängen von verschiedenen Faktoren, wie das Alter, Vorerkrankungen oder dem Leistungsumfang ab. Folgende Faktoren sind zu berücksichtigen:

Leistungsumfang

Privatversicherte haben an vielen Stellen die Möglichkeit, den eigenen Versicherungsschutz nach einer Art Baukasten-Prinzip mitzugestalten. Häufig werden beispielsweise stationäre Leistungen wie die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer oder Chefarztbehandlung gewählt, Leistungen von Heilpraktikern einbezogen oder Krankentagegeld vereinbart – Im Normalfall gegen Aufpreis.

Das Geschlecht

Ein Faktor, der mit den Unisex-Tarifen keine Rolle mehr spielt, ist das Geschlecht. Seit dem 21. Dezember 2012 gelten die Unisex-Tarife, weil das Geschlecht laut der EU-Rechtsprechung zur Gleichbehandlung der Geschlechter bei der Beitragskalkulation keine Rolle mehr spielen darf. Bei vielen älteren Verträgen vor diesem Stichtag werden für Frauen und Männer noch unterschiedliche Beiträge kalkuliert.

Mögliche Selbstbehalte

Nicht bei allen, aber in einer Vielzahl der PKV-Tarife können Selbstbehalte vereinbart werden. Hier gibt es zwei bzw. drei unterschiedliche Modelle: die prozentuale Eigenbeteiligung, Fest-Beträge wie 300 Euro jährliche Selbstbeteiligung oder eine Kombinationen aus beiden Modellen. Tarife mit Selbstbehalt sind meist günstiger und für viele Versicherte eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen.

Verwaltungs- und Vertriebskosten

Hier hinein gehören die sogenannten allgemeinen Versicherungskosten mit in erster Linie Verwaltungskosten, aber auch Kosten für Marketing und Vertrieb. Gut wirtschaftende Versicherer erkennt man daran, dass die ohnehin verhältnismäßig geringen Kosten besonders niedrig ausfallen.

Beiträge zu Altersrückstellungen

Bei den Altersrückstellungen handelt es sich um die Bildung von Rückstellungen zur Finanzierung der steigenden Leistungsausgaben mit zunehmendem Alter. Die Altersrückstellungen sorgen dafür, dass trotz der vermehrten Inanspruchnahme der Krankenversicherung die Beiträge auch im Alter stabil bleiben. Dafür wird bei allen seit 2000 abgeschlossenen PKV-Verträgen ein Zuschlag zum regulären Beitrag in Höhe von 10 Prozent erhoben. Diesen zahlen Versicherte vom 21. bis zum 60. Lebensjahr.

Der anhaltende Niedrigzins

Der anhaltende Niedrigzins zwingt private Krankenversicherer dazu, mit niedrigeren Zinssätzen zu kalkulieren. Das betrifft besonders die Altersrückstellungen, die für stabile Beiträge im Alter sorgen sollen. Früher lag der Rechnungszins bei 3,5 Prozent, doch anhaltende Niedrigzinsen zwingen Versicherer zu Anpassungen. Diese Veränderungen führen zu höheren Beiträgen für die Versicherten. Beitragsanpassungen werden streng von der BaFin überwacht. Ein unabhängiger Treuhänder entscheidet, ob Beiträge erhöht werden dürfen.

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Vorteile der PKV gegenüber der GKV

Umfangreichere Leistungen

Private Krankenversicherungen bieten erstklassige Leistungen wie Ein- oder Zweitbettzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung und freie Krankenhaus- sowie Arztwahl. Medikamente und Therapien, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht abgedeckt werden, sind in der PKV erstattungsfähig.

Individuelle und garantierte Leistungen

In der PKV erhalten Sie maßgeschneiderte Tarife, die nicht gekürzt werden dürfen. Neue Tarife berücksichtigen medizinische Fortschritte und bieten oft einen erweiterten Leistungsumfang. Zusatzleistungen können nach einer Gesundheitsprüfung vereinbart werden.

Bevorzugte Behandlung und schnellere Termine

Privatpatienten genießen oft den Vorteil, bei Fachärzten schneller Termine zu bekommen. Dies bedeutet weniger Wartezeit und schnellere medizinische Versorgung, wenn es darauf ankommt.

Beitragsunabhängigkeit für finanzielle Freiheit

Die Beitragshöhe in der PKV hängt nicht vom Einkommen ab. Gut verdienende oder gesunde Versicherte profitieren von günstigeren Prämien. Klug investiert, ermöglichen diese Ersparnisse eine beitragsfreie Zeit im Alter.

Belohnung für Gesundheit: Beitragsrückerstattung

Viele private Krankenversicherungen bieten Beitragsrückerstattungen, wenn über einen bestimmten Zeitraum keine Rechnungen eingereicht werden. Ein kluger finanzieller Schachzug für gesundheitsbewusste Versicherte.

Systemunterschiede zur gesetzlichen KV

Anders als die gesetzliche Krankenversicherung bietet die PKV eine auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Absicherung. Beiträge basieren auf Risikofaktoren wie Vorerkrankungen, Eintrittsalter und Beruf. Das führt zu fair kalkulierten Beiträgen und optimaler Gesundheitsversorgung.

Die PKV-Beiträge im Alter

Für Rentner können die PKV-Beiträge im Alter zur finanziellen Belastungsprobe werden. Das ist darin begründet, dass mit der Rente üblicherweise weniger Geld zur Verfügung steht, die PKV-Beiträge aber in der PKV unabhängig von der Höhe der Einnahmen erhoben wird. Eine gute finanzielle Entlastung bringt schon der Wegfall des 10-Prozent-Zuschlags für die Altersrückstellungen ab dem 60. Lebensjahr. Zum anderen entfällt mit dem Renteneintritt der Beitrag für das Krankentagegeld, sofern diese abgeschlossen wurde. Zusammen macht dies eine Entlastung von etwa 15 Prozent aus.

An die Stelle des Arbeitgeberzuschusses tritt der Beitragszuschuss für Rentner, den man unkompliziert zusammen mit dem Rentenantrag beantragen kann. Sollte – auch durch andere Lebensumstände verursacht – der Beitrag nicht mehr aufzubringen sein, gibt es auch dann Lösungen in der PKV. Beispielsweise kann man durch einen internen Wechsel in einen anderen Tarif bei seinem Anbieter in vielen Fällen zu günstigeren Konditionen bei vergleichbaren Leistungen versichert sein oder mit „abgespeckten“ Leistungen notfalls in den Basistarif wechseln.

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Zahlen zur privaten Krankenversicherung

Die PKV bildet die sogenannten Alterungsrückstellungen zur Deckung der mit dem Alter steigenden Ausgaben für die Gesundheitsleistungen ihrer Versicherten. Voraussetzung dafür ist, dass alle Mitglieder des PKV-Verbandes wirtschaftlich stabil sind. Damit diese wirtschaftliche Stabilität gewährleistet ist, wacht und reguliert die Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) streng über alle Versicherungsunternehmen.

Tatsache ist, dass bisher noch nie eine private Krankenversicherung in Deutschland auch nur ansatzweise in eine finanziellen Schieflage geraten ist. Das zeigt auch der ziemlich konstante Versicherungsbestand über einen längeren Zeitraum betrachtet:

Versicherte, Beitragseinnahmen, ausgezahlte Versicherungsleistungen und Alterungsrückstellungen (Stand: Dezember 2019)

Kundenbestand
Versicherte mit Krankenvollversicherung8,74 Mio.
Versicherte mit privater Pflegeversicherung9,29 Mio.
Zusatzversicherungen26,03 Mio.
Finanzsituation
Beitragseinnahmen39,80 Mrd. Euro
Ausgezahlte versicherungsleistungen28,58 Mrd. Euro
Alterungsrückstellungen260,06 Mrd. Euro

PKV Versicherungsbestand in den Jahren 2008 bis 2018

PKV Versicherungsbestand in den Jahren 2008 - 2018

Versichertenstruktur in der PKV 2018: Frauen, Männer, Kinder bzw. mit und ohne Beihilfe

Versichertenstruktur in der PKV 2018: Frauen, Männer, Kinder bzw. mit und ohne Beihilfe

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